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Wahl der Bundesversammlung

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident

Das Wahlergebnis der 15. Bundesversammlung steht fest: erwartungsgemäß machte der ostdeutsche Theologe Joachim Gauck das Rennen. Damit ist der der 11. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Auf ihn hatten sich die Parteien im Vorfeld verständigt, nachdem Christian Wulff im Februar seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erklärt hatte.

Von Onur Yamac

Im Jahr 2010 hatte der 52-Jährige Christian Wulff zunächst das Rennen gegen den 72-jährigen Gauck gemacht. Hierzu brauchte es allerdings erst 3 Wahlgänge der Bundesversammlung. Dauer: ganze 9 Stunden.

Die Bundesversammlung trat um 12:00 Uhr am Sonntag im Reichstagsgebäude zusammen. Gleich zu Beginn stellte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Verlesung verschiedener Anträge in seiner Rede trocken fest, dass die Amtszeit des Bundespräsidenten laut Grundgesetz 5 Jahre betrage. Pointiert ging er dabei auch auf den vorangegangenen Rücktritt von Christian Wulff und die Rolle der Medien ein. Es gebe durchaus Anlass für kritische Betrachtungen - nicht nur an eine Adresse, führte Lammert aus. Ohne ins Detail zu gehen, verurteilte er zugleich allerdings auch jene, die im Schutze einer tapfer verteidigten Anonymität im Internet agierten. Die Geschichte der Präsidentschaft Wulffs werde zu einem späteren Zeitpunkt geschrieben.

Der 52-jährige Christian Wulff sah sich zuletzt heftiger öffentlicher Kritik ausgesetzt, kann allerdings zahlreiche Erfolge als Minister- und Bundespräsident vorweisen. Vorläufig letzter, wenn auch vergleichsweiser kleiner wulffscher Coup: beim Großen Zapfenstreich für den scheidenden Bundespräsidenten überreichte erstmals eine Frau die Urkunde an ein Staatsoberhaupt. Die Ehrenzeremonie des Bundesverteidigungsministeriums fand am Weltfrauentag statt.

"Herr Präsident, ich nehme die Wahl an"

Bereits gegen ca. 14:15 Uhr konnte Lammert diesmal das Ergebnis der Wahl bekanntgeben. Erwartungsgemäß hatte Joachim Gauck das Rennen gemacht.

Einzige nennenswerte Konkurrentin Gaucks war die in Paris lebende Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld. Sie vereinte 126 Stimmen auf sich und war von der Linkspartei nominiert worden. Gauck wiederum erhielt 991 Stimmen von der Bundesversammlung und entschied die Wahl damit klar für sich, wenngleich 108 Enthaltungen gezählt wurden. Um 14:24 Uhr erwiderte Gauck auf Lammerts vorangegangene Frage: "Herr Präsident, ich nehme die Wahl an" und machte damit den Weg für seine Präsidentschaft fre.

Gauck gilt als unabhängig, unbequem, aber auch als unberechenbar. Der 72-Jährige ist zwar nicht von seiner Frau geschieden, lebt aber bereits seit Jahrzehnten in einer Beziehung mit der 52-jährigen westdeutschen Journalistin Daniela Schadt. Beide leben in Berlin. 

Gauck war von 1990 bis ins Jahr 2000 Beauftragter der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen der DDR. Zuvor war der evangelisch-lutherische Theologe ein führendes Mitglied der Bürgerbewegung Neues Forum und infolge seiner dortigen Arbeit Abgeordneter in der damaligen DDR gewesen. In seiner mit ruhiger Stimme gehaltenen Rede vor der Bundesversammlung setzte Gauck mit der Einleitung "Was für sein schöner Sonntag" sogleich erste thematische Wegmarken für seine Amtszeit. Insbesondere das Thema Freiheit hat sich der 72-Jährige auf die Fahnen geschrieben. Themen seiner Vorgänger griff er nicht direkt auf.

Der aus Bochum stammende Bundestagspräsident Lammert verabschiedete die 15. Bundesversammlung schließlich mit dem Verweis auf das Büffet. Dieses sei diesmal sicherlich frischer als nach 3 Wahlgängen wie beim letzten Mal. Die Vereidigung von Joachim Gauck findet am 23. März im Deutschen Bundestag statt.

(Red. / oy)


 


 

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