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Kommentar von Ulli Gericke

Zur Kritik des BDI-Präsidenten am von Josef Ackermann initiierten Kapitalhilfefonds

Verbände üben gerne Kritik. Denn dafür sind sie da. Um die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen zu vertreten, muss hier angemahnt und dort gedrängt werden - mal leise, mal mit Paukenschlag. Der Empfänger der bösen Botschaft wird aber üblicherweise nur sehr verklausuliert oder allgemein als "die Politik" adressiert, um den Gesprächspartner nicht in aller Öffentlichkeit zu düpieren.

Umso auffälliger, wenn nun der des diplomatischen Geschäfts durchaus mächtige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel den Hammer rausholt, um damit der Deutschen Bank und ihrem Chef eins auf die Mütze zu geben.

Fonds war Ackermann-Vorschlag

Josef Ackermann hatte Anfang Dezember bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt einen Fonds ins Gespräch gebracht, um mittelständischen Firmen Eigenkapitalhilfen zu geben. Allein die Deutsche Bank wollte dafür 300 Mill. Euro zur Verfügung stellen. Es sei damals vereinbart worden, noch vor Weihnachten ein Grundsatzpapier auszuarbeiten, erinnerte Keitel jetzt. "Dieses Papier habe ich bis heute noch nicht gesehen."

Dabei ist dieses Konzept durchaus kein Geheimpapier. Zwar geht die Deutsche Bank mit ihren Vorschlägen noch nicht öffentlich hausieren, weil an den künftigen Regularien noch gearbeitet wird. Doch das grundsätzliche Konzept wurde - wie angekündigt - schon vor Weihnachten im Finanz- und Wirtschaftsministerium vorgestellt. Seitdem gibt es nicht nur Verhandlungen innerhalb der Finanzbranche über Sinn und Unsinn (Letzteres meinen jedenfalls die Sparkassen) eines solchen Fonds und dessen genaue Ausgestaltung, sondern auch Gespräche mit der Realwirtschaft über die Bedingungen und Möglichkeiten, daran zu partizipieren.

Nervosität im Unternehmerlager

Unterstellt, der Ex-Chef des Bauriesen Hochtief und heutige Verbandsprofi Keitel ist von diesen Kontakten nicht ausgeschlossen, zeigt seine ungewöhnliche Attacke nur die Nervosität im Unternehmerlager. Schließlich drohen schlechte Bilanzen aus dem Krisenjahr 2009, womit die Bonität der Firmen leidet. Die bereits seit Monaten drohende Kreditklemme wird dann tatsächlich Wirklichkeit und wird nicht wenige Unternehmen um ihre Existenz bringen - zumal Firmenlenker schon heute nicht nur Risikoscheu bei ihren Hausbanken beobachten, sondern gar "Risikohass". Im Verhältnis zwischen Bank und Betrieb scheinen die Nerven blank zu liegen - doch ob zur Entspannung der Hammer hilft, darf bezweifelt werden.

(Redaktion)


 


 

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