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Bundeskartellamt

Treffen für Preisabsprachen auf dem Kaffee-Markt auch am Bremer Flughafen

Wenn anreisende Gäste in den Flughafen-Hotels in Bremen und Hamburg Ausschilderungen wie "Jacobs Kaffee", "Tchibo" oder "DKV" folgten, dann ging es statt um Unternehmensseminare oder Vertreterschulungen nicht selten um Preisabsprachen. Am Donnerstag schlug das Kartellamt zu.

Nachdem das Bundeskartellamt wegen der Preisabsprachen zuletzt am 18. Dezember 2009 Geldbußen in Höhe von insgesamt 159,5 Millionen Euro gegen die Kaffeeröster Tchibo (Hamburg), Dallmayr (München)und Melitta (Standort Bremen) verhängt hatte, wurden am Donnerstag auch Einzelhandelsunternehmen durchsucht, darunter auch REWE (Köln), Edeka (Hamburg) und Metro (Düsseldorf). Bei der Durchsuchungsaktion in den bundesweit insgesamt 15 betroffenen Unternehmen, darunter 11 Handelsunternehmen, waren 56 Mitarbeiter des Bundeskartellamts und 62 Polizeibeamte beteiligt.

Kaffee-Markt: Treffen der grauen Eminenzen

Nach den Erkenntnissen der Kartellwächter existierte seit mindestens Anfang 2000 bis zur Durchsuchung der Unternehmen am 3. Juli 2008 ein Gesprächskreis bestehend aus den Geschäftsführern und Vertriebsleitern der Kaffeeröster. Der Gesprächskreis der "grauen Eminenzen des Kaffee-Marktes" hatte nach den Feststellungen des Kartellamts vor allem den Zweck, das Preisgefüge der wichtigsten Röstkaffeeprodukte (Filterkaffee, zeitweise auch Ganze Bohne-Produkte, Espresso und Kaffeepads) bei den Endverkaufs- und Aktionspreisen („Preisarchitektur“) aufrechtzuerhalten. Im Klartext: Preisabsprachen.

Gesprächskreise ohne Teilnehmerliste und Protokoll

Die Sitzungen des Gesprächskreises fanden demnach überwiegend in Hotels am Bremer Flughafen sowie in Hamburg statt. Vereinzelt soll es auch Treffen in anderen deutschen Städte gegeben haben. Kuriosum: nach den Ermittlungen der Kartell-Fahnder gab es bei diesen Treffen nie eine Teilnehmerliste, noch wurde jemals ein Protokoll angefertigt. Einladungen für die Termine mit einer Dauer von einer halben bis zu 3 Stunden erfolgten meistens telefonisch. 

Am Ende flog das Kartell durch einen Vorstoß von Kraft Foods (Jacobs Kaffee) auf. Dort nutzte man eine seit 2006 geltende Kronzeugenregelung. Kraft Foods wurde daher das Bußgeld erlassen. Nach Business-on.de-Informationen konnten die Kartell-Fahnder zwischen Anfang 2000 und Juli 2008 insgesamt 20 Sitzungen nachweisen. Tchibo und Melitta sowie fünf weitere Betroffene haben bislang gegen die Bußgeldbescheide Einspruch eingelegt. Eine Reaktion der am Donnerstag von der Durchsuchungsaktion des Bundeskartellamts betroffenen Handelsketten steht noch aus.

(Redaktion)


 


 

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