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Meinungen zum Abzug von US-Kampftruppen aus dem Irak

Der Abzug der letzten US-Kampftruppen im Irak hat zu zahlreichen Reaktionen in den Medien geführt. Hierbei herrscht die Meinung vor, dass es sich dabei nicht um einen trimuphalen Abzug der US-Armee handelt und die Lage im Irak weiter angespannt ist. Die Neue Osnabrücker Zeitung weist im Zuge dessen darauf hin, dass statt der Truppen nun 7.000 Söldner im Irak für Sicherheit sorgen sollen. Auch billig war der Krieg nicht: laut der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" hat der Krieg etliche Milliarden Dollar gekostet.

Rheinische Post: Abzug aus Irak

Düsseldorf. (Von Frank Herrmann) Dass die Mission erfüllt wäre, wird so schnell keiner mehr sagen im Weißen Haus. "Mission Accomplished" - kaum hatte George W. Bush das Banner auf einem Flugzeugträger entrollen lassen, lief ihm der Irak katastrophal aus dem Ruder. Schon deshalb belässt es Barack Obama bei betont leisen Tönen, mögen seine Generäle in Nahost auch einen Meilenstein feiern: den Abzug der letzten Kampfbrigade aus dem Zweistromland. Über sieben Jahre sind seit dem Einmarsch in Bagdad vergangen, mehr als 4000 US-Soldaten ließen seitdem ihr Leben (von den mindestens 100.000 irakischen Toten wird leider selten gesprochen). Der Präsidentschaftskandidat Obama gewann einst an Profil, weil er gegen die Invasion war. Nun sollen eingehaltene Rückzugsfahrpläne beweisen, dass er eisern Kurs hält. Doch Skepsis bleibt. Fünfzigtausend GIs sind weiter im Land stationiert. Nur werden sie nicht mehr als Kampftruppen deklariert, sondern als Berater. Sollten sich die Spannungen wieder verschärfen, werden sie kämpfen müssen. Auf wie schmaler Basis sich der Fortschritt bewegt, zeigt das aktuelle Machtgerangel. Fünf Monate nach der Parlamentswahl haben sich die irakischen Rivalen noch nicht auf die nächste Regierung geeinigt.

Westfalen-Blatt: Zum Irak-Abzug

Bielefeld. Wenn die Amerikaner von einem Sieg überzeugt wären, hätten sie den Abzug ihrer Kampftruppen aus dem Irak mit Schampus und Konfettiregen gefeiert. Die Soldaten verließen das Land in aller Stille - aus Sicherheitsgründen, sagten die Militärs. Selten war ein Krieg so umstritten wie dieser. Er wurde von der Bush-Regierung mit der Gefahr von Massenvernichtungswaffen begründet - eine glatte Lüge, was erst später herauskam. Die Bilanz auf der Haben-Seite ist mager. Der Diktator ist weg. Saddam Hussein bedroht und unterdrückt niemanden mehr - weder sein eigenes Volk noch seine Nachbarn. Die negativen Seite überwiegt: Die Region und die Welt ist durch den Krieg nicht sicherer geworden. Der Iran hat seine Position gestärkt und radikale Kräfte streben auch in den Nachbarländern zur Macht. Der Preis war zu hoch: den höchsten haben die Iraker selbst bezahlt. Mehr als 120 000 von ihnen sind gewaltsam zu Tode gekommen. Die Amerikaner haben mehr als 500 Milliarden Euro für den Krieg gezahlt. Die Iraker müssen nun zeigen, dass sie ihr Schicksal selbst meistern wollen - und das ohne Regierung.

Neue Westfälische: US-Abzug aus dem Irak - Hoher Preis

Bielefeld. (Von Joachim Rogge) Der Irak-Krieg ist vorbei. Es wäre schön, könnte man dies zum Abzugs der letzten US-Kampftruppen auch tatsächlich so eindeutig behaupten. Der stille, nächtliche Rückzug über die Grenze nach Kuwait wirkt fast wie eine Flucht. Keine Fanfaren, keine Trompetenstöße - auch Präsident Barack Obama spielt den Abzug aus guten Gründen herunter. Von stabilen Verhältnissen, von innerem Frieden ist der Irak gut sieben Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen noch immer weit entfernt. Und es mutet fast schon fahrlässig an, den offiziellen Abzug der Kampfeinheiten ausgerechnet in einem Moment zu forcieren, in dem die Lage im Irak wieder zu kippen droht. Am Horizont schimmert längst die Gefahr eines erneut religiös aufgeladenen Bürgerkriegs. "Augen zu und raus" - Obama hatte freilich keine andere Wahl. Er ist an sein Versprechen gebunden, die Truppen heim zu holen, ungeachtet der Situation an Tigris und Euphrat. Amerika ist kriegsmüde und des Irak-Krieges überdrüssig. Zwei Drittel seiner Landsleute weiß Obama bei dem Entschluss hinter sich, den Kriegseinsatz im Irak jetzt formell zu beenden. Trotz des Abzugs der Kampftruppen, der tatsächlich erst Ende des Monats endgültig abgeschlossen sein soll, ist der Irak-Krieg freilich noch lange nicht vorbei. 50.000 Soldaten bleiben mindestens bis Ende nächsten Jahres weiterhin im Land stationiert. Einen hohen Preis haben die USA für diesen Krieg bezahlt, der länger als der 2. Weltkrieg dauerte. 4.400 US-Soldaten ließen ihr Leben, Tausende kehrten kriegsversehrt und traumatisiert heim. Und die Kosten in Höhe von bislang etwa 1.000 Milliarden Dollar haben Amerikas Finanzen ruiniert. Vom Aufbau einer Demokratie nach westlichem Vorbild ist im Irak schon lange nicht mehr die Rede. Kein Grund für Fanfaren und Trompetenstöße.

Neue Osnabrücker Zeitung: Das Jahr der Söldner

Osnabrück. Ohne all die Lügen, mit denen die Regierung Bush ihren Irak-Krieg begründet hat, bleibt ein einziges glaubwürdiges Ziel: der Regimewechsel. Tatsächlich bleibt es das Verdienst der USA, den sadistischen Massenmörder Saddam Hussein 2003 ausgeschaltet zu haben. Doch Regimewechsel von außen heißt auch, ein neues politisches System aufzubauen. Mit anderen Worten: Der Abgang der US-Kampftruppen jetzt, der Abzug der letzten 50.000 Soldaten bis Ende des kommenden Jahres erfolgen, ohne dass Teil zwei der Aufgabe erledigt wäre. Schließlich fehlt dem Irak seit den Wahlen im März mangels Einigung die Regierung. Zudem stehen Amerikas alte kurdische Verbündete im Nordirak Amerikas neuen, gekauften, arabischen Verbündeten feindlich gegenüber. In einem Land, dem wegen seiner gewaltgeprägten Geschichte ohnehin stets die Spaltung droht. Wie viel der Abzug mit Obama-Versprechen und US-Zwischenwahlen, wie wenig er mit der Lage im Irak zu tun hat, spiegelt folgende Planung wider: 2012 will das US-Außenministerium im Irak das Jahr der Söldner anbrechen lassen. 7.000 Bezahlkämpfer sollen die Lage stabil halten, wenn die Soldaten wieder zu Hause sind. Das sagt alles darüber, wie nah sich die Amerikaner ihrem Ziel Regimewechsel fühlen. Für Afghanistan, wo er unter weit ungünstigeren Bedingungen auch gelingen soll, lässt das Böses ahnen.

(ots)


 


 

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