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  • 05.12.2010, 21:39 Uhr
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Presse-Querschnitt

Meinungen zum schweren Unfall von Kandidat Samuel K. bei "Wetten, dass...?"

Der Unfall des Kandidaten Samuel K. bei der Live-Sendung von "Wetten, dass..?" in Düsseldorf hat ein breites Echo in den Medien ausgelöst. Die Kommentatoren loben dabei einerseits das vorbildliche Verhalten des Fernsehsenders ZDF unmittelbar nach dem tragischen Unfall des hannoveraner Schauspielschülers, stellen aber auch die Frage danach, ob der Quotenkampf mit "Das Supertalent" auf RTL Mitschuld an dem Unglück trägt. Im Folgenden fünf Medienmeinungen.

Weser-Kurier: zum Unfall bei "Wetten, das. ..?"

Bremen. War diese Wette zu gefährlich? Hätte das ZDF darauf verzichten müssen? War dies "ein Unfall mit Ansage", wie gestern eine Zeitung schrieb, im Hinblick darauf, dass auch der Kandidat selbst sein Vorhaben als riskant eingestuft hatte und bei der Vorbereitung schon mehrmals gestürzt war? Thomas Gottschalk, der sofort nach dem Unfall und später beim Abbruch der Sendung die richtigen Worte fand, hat auf entsprechende Fragen noch am selben Abend geantwortet: Es habe in seiner Show immer schon Wetten gegeben, bei denen sich die Kandidaten hätten schwer verletzen können. Stimmt. Die fast 30 Jahre alte Wetten-dass-Geschichte ist reich an abenteuerlichen, gefährlichen Einsätzen. Das ZDF wird die Schraube zurückdrehen. Gefährlichen Wetten, die das Risiko einer Verletzung bergen, wird man künftig einen Riegel vorschieben. Aber das wird der Show nicht schaden, auch wenn vielleicht ein paar Zuschauer von der Fahne gehen.

Neue Westfälische: Das ZDF bricht "Wetten, dass . ..?" nach Unfall ab Die Quote ist nicht alles

Bielefeld. (Von Stefan Brams) Schneller, höher, weiter - und vor allem immer risikoreicher, das gilt längst nicht mehr nur für den Sport, sondern auch für das Unterhaltungsfernsehen. Verspricht eine Steigerung des Nervenkitzels doch gute Quoten - und die sind auch bei den öffentlich-rechtlichen Programmen mittlerweile allein selig machend. Wohin die Quotenjagd führt, war am Samstag bei "Wetten, dass . . .?" zu sehen. Wettkandidat Samuel Koch liegt schwer verletzt im Krankenhaus, weil er Autos, die auf ihn zufuhren, mittels Federbeinen überspringen wollte. Am vierten Wagen scheiterte er, stürzte schwer. Dass das ZDF die Sendung in diesem Moment abbrach, war richtig - und ist zu loben. Ist es doch längst keine Selbstverständlichkeit mehr angesichts von schweren Katastrophen und Unfällen, Sendungen, Veranstaltungen und andere Bespaßungsmaßnahmen zu stoppen. Auch Thomas Gottschalks selbstkritische Äußerung, dass man "schlimmstenfalls nicht mit der gleichen Unbedarfheit weitermachen könne", weist in eine richtige Richtung. Aber warum eigentlich schlimmstenfalls? Dem Unfall vom Samstag wohnt nicht schlimmsten-, sondern bestenfalls die Chance inne, einmal grundsätzlich innezuhalten und darüber nachzudenken, ob das Prinzip des immer Risikoreicher das richtige Maß für die letzte große Familien-Show des deutschen Fernsehens ist. Doch es geht nicht allein um die Zukunft von Gottschalks Show. Es geht um ein öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm, das sich seit Jahren immer stärker vom Gedanken an die Quote leiten lässt. Es ist an der Zeit, auszusteigen aus diesem Wahn und ein neues Qualitätsprogramm zu begründen. Dann müssen auch keine Normalbürger mehr ihr Leben riskieren für Wetten, die selbst für professionelle Stuntmen eine Herausforderung sein dürften.

Märkische Oderzeitung: Am Abgrund des Nervenkitzels - Zum Unfall bei "Wetten, dass ...?"

Frankfurt/Oder. Im Quotenduell "Wetten dass ...?" gegen "Das Supertalent" ist ein Opfer zu beklagen. Ein 23-Jähriger hat sich beim Versuch, über ein fahrendes Auto zu springen, schwer verletzt. Da hört der TV-Spaß auf. Es dauerte quälend lange Minuten, bevor das am Sonnabend im ZDF klar entschieden war. Gottschalk wusste, die Salto-Wette überschritt die Grenze des Erträglichen. Buhlen um Zuschauergunst hat Grenzen. Die sind überschritten. Auch schon, wenn man, wie Bohlen, mit Kleinkindern Quote macht. Der Abgrund des Nervenkitzels hat sich geöffnet und zwingt zum Innehalten. Die Pause ließe sich mit einer Frage füllen: Wie viele Adrenalinstöße braucht der Mensch zu seiner puren Fernsehunterhaltung?

Westfalen-Blatt: Zum Unfall in der ZDF-Sendung "Wetten, dass. . ?"

Bielefeld. Live-Sendungen sind unberechenbar. Jederzeit kann etwas passieren - so wie am Samstagabend in Düsseldorf bei "Wetten, dass. . ?". Der 23-jährige Wettkandidat Samuel K. verletzte sich schwer. Es war ein tragischer Unfall, an dem das ZDF keine Schuld hat. Im Gegenteil: Der Sender reagierte vorbildlich auf das Unglück. Die wichtigste Show des Senders sofort abzubrechen, war die einzig richtige Entscheidung. Zudem wurden die Kameras nicht länger als nötig auf das Opfer gerichtet, sondern weggeschwenkt. Respekt vor dem Verunglückten wurde gewahrt, statt die Zuschauer zu Voyeuren werden zu lassen. "The Show must go on" heißt es sonst immer. Aber nach dem Unfall war das unmöglich. Hätte Thomas Gottschalk weitermoderiert, hätte sich das ZDF den Vorwurf eingehandelt, dass ihm Einschaltquote und die Verträge mit internationalen Topstars wie Take That, Justin Bieber, Cameron Diaz und Phil Collins wichtiger gewesen wären als Pietät. In der Geschichte der erfolgreichsten europäischen TV-Show, die 2011 30 Jahre alt wird, stellt das Unglück eine Zäsur dar - ein Grund, ihr Ende zu fordern, ist es nicht. Natürlich hat der Unfall Folgen. Das ZDF wird künftig Wetten noch stärker auf mögliche Risiken zu prüfen haben, und der Sender muss in der durch das Unglück angeheizten Diskussion darüber, ob der Wunsch nach hohen Einschaltquoten immer waghalsigere Aktionen befördert, Stellung beziehen. "Wetten, dass. . ?" war hier bislang unverdächtig, weil es vor allem von den Stars lebt. Zudem: Bei den allermeisten der gut 800 Wetten bestand nie Gefahr für Leib und Leben. Und die kleine Zahl der spektakulären Wetten gibt es nicht erst, seitdem das ZDF am Samstag zeitgleich mit der RTL-Show "Das Supertalent" konkurriert. So raste der Bayer Toni Rossberger bereits am 20. Februar 1999 auf seiner Geländemaschine die Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen herunter und sprang 82 Meter weit - zum Glück unfallfrei. Das Motto "Immer waghalsiger" gilt eher bei Privatsendern wie RTL. In der aktuellen Staffel von "Das Supertalent" sprang ein Brite mit dem Kopf voraus in ein mit nur wenig Wasser gefülltes Planschbecken, und ein anderer Kandidat zerstückelte mit verbundenen Augen mit seinem Samuraischwert Salatgurken, die auf Unterarmen und Köpfen festgeklebt waren. Fernsehsender testen Grenzen und überschreiten sie manchmal. Gesündigt hat auch das ZDF. Für die Show "Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach wurde 1971 ein Autounfall simuliert. Kandidaten versanken samt Auto im Wasser und gerieten versehentlich in Lebensgefahr. Zurecht sprach Deutschland damals von einem Skandal und kritisierte das ZDF heftig. Daraus hat der Sender offenbar gelernt. 39 Jahre später brachte nicht das ZDF Samuel Koch in Gefahr, sondern der sich selbst - leider mit bösen Folgen.

Westdeutsche Zeitung: Entsetzen zur besten Fernsehzeit

Düsseldorf. (Von Wolfgang Radau) - Das Entsetzen wurde zur besten Fernsehzeit in Millionen Wohnzimmer ausgestrahlt. Großeltern, Eltern und Kinder wurden Zeugen, wie Moderator Gottschalk schon vor der Auto-Wette von Zweifeln geplagt war; wie sein Kandidat Samuel wie ein Stein vom Himmel stürzte und regungslos liegenblieb; wie Co-Moderatorin Hunziker als Erste wieder klare Gedanken fasste und nach einem Arzt rief. Dass die verunglückte "Wetten, dass . . ?"-Show nicht fortgesetzt wurde, war eine unumgängliche Entscheidung. Besser wäre gewesen, die Wahnsinns-Wette wäre überhaupt nicht ins Programm genommen worden. Schneller, höher, weiter - seit der Antike ist das die Triebfeder der Unterhaltungsbranche. Seit im Fernsehen unzählige Programme um Quoten kämpfen, wird es immer schriller, gefährlicher, verrückter. Menschen stellen sich zur Schau, machen sich lächerlich, begeben sich in Gefahr. Und niemand hindert sie daran. Im Gegenteil: Sie werden animiert, und etliche junge Leute sind der festen Überzeugung, nur so - durchs Fernsehen - könnten sie sich eine Zukunft aufbauen. "Wetten, dass . . ?" hat einmal mit so harmlosen Spielchen begonnen wie dem, mit einem einzigen Luftzug die Kerzen eines Adventskranzes auszupusten. Spätestens am Samstagabend hat die letzte noch verbliebene große Familiensendung des deutschen Fernsehens diese Unschuld verloren. Aus Spaß ist bitterer Ernst geworden. Samuel K. hatte vor der Sendung vom "ekelhaften Gefühl" gesprochen, "Autos entgegenlaufen zu müssen, die auf einen zufahren". Das Auto, das ihm zum Verhängnis wurde, lenkte sein eigener Vater. Zur Ehrenrettung des ZDF ist zu sagen, dass Moderator Gottschalk bei der Absage seiner Sendung den richtigen Ton getroffen hat. Und dass die Kameras nicht der Versuchung erlegen sind, den bedauernswerten Verunglückten in Nahaufnahme zu zeigen. Nicht auszudenken, ein solcher Unfall wäre live in einer privaten Krawall-Fernsehsendung geschehen. Aber auch das Konzept der ZDF-Show muss sich infrage stellen lassen. Der Anspruch an Star-Auftritte und Heldentaten hat sich im Lauf der Jahre spiralförmig nach oben entwickelt - und nun einen tragischen Absturz erlitten. Wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter mit Gottschalks "Wetten, dass . . ?".

(ots/Redaktion)


 


 

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