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Meinungen zum aktuellen Integrationsgipfel der Bundesregierung

Der Integrationsgipfel der Bundesregierung hat ein großes Medienecho hervorgerufen. Neben Zweifeln an den konkreten Ergebnissen des Gipfels, begrüßen einige Medienstimmen es auch, dass Integration kein Tabu-Thema mehr ist. Die in Cottbus erscheinende "Lausitzer Rundschau" wagt sich angesichts der anhaltenden Integrationsdebatte sogar zu einer Beweislastumkehr heraus: die Regierung müsse sich auch finanziell zu ihrer Integrationsverantwortung bekennen. Im Folgenden haben wir vier Medienmeinungen für Sie zusammengestellt.

Rheinische Post: Integration prüfen

Düsseldorf. Wenn 120 Menschen 120 Minuten im Kanzleramt zusammensitzen, dann kann man das Integrationsgipfel nennen. Aber Fortschritte, gar Durchbrüche in Sachen Integration sollte man von einem solchen Mega-Gipfel besser nicht erwarten. Wie denn auch? Haben die teilnehmenden Minister Verhandlungsvollmacht, mehr Geld in Integrationskurse zu stecken? Sprechen die Vertreter der Migranten wirklich für die Mehrheit der Zuwanderer? Können die Wirtschaftsverbände mehr Arbeitsplätze garantieren, die Sportvereine mehr Multikulti auf dem Platz, die Medien eine öffentliche Debatte? Das für einen klassischen Entscheidungs- oder Beratungsgipfel gravierend überdimensionierte Format kann nur Symbolik liefern. Er ist die Botschaft für: Wir müssen reden. Alle zusammen. Und uns alle bemühen. Jeder an seiner Stelle. Auch Thilo Sarrazin hat seinen Anteil. Mit seinem in Millionenauflage erschienenen Buch sorgt er für Druck, die Begegnung der Beteiligten auf Augenhöhe im Kanzleramt nicht zur unverbindlichen Farce werden zu lassen. Sie müssen jetzt liefern. Das Bekenntnis zu nachprüfbaren Fortschritten oder Rückschritten in der Integration ist ein wichtiger Schritt. Ein kleinerer Gipfel wäre der nächste.

Neue Westfälische: Integrationsgipfel - Noch ist es vage

Bielefeld. (Von Carsten Heil) Der gute Wille, immerhin, ist vorhanden. Es ist besser, man spricht an Runden Tischen und auf Gipfeln miteinander als in Talkshows krawallig übereinander. Denn nur in einem direkten, sachlichen Gespräch können Fortschritte im Miteinander von Deutschen und Nichtdeutschen genauso angesprochen werden wie die Probleme. Gleichwohl ist es leichter, den Integrationsgipfel schlecht zu reden als ihn zu loben, denn die Verabredungen blieben vage. Die Beteiligten müssen jetzt liefern. Letztlich findet Integration vor Ort statt, in Bielefeld und Löhne und in Berlin, jedenfalls nicht im Kanzleramt. So vielfältig die Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Ansprüche und Erwartungen an die Integration. Kein Wunder, dass die Ergebnisse des Gipfels so unterschiedlich beurteilt werden. Zumal politische Interessen hinzu kommen. Deshalb sind klare Absprachen, deutliche Grenzziehungen und Konsequenzen einerseits mit großzügigen Angeboten andererseits zu kombinieren. Verständnis für alles hilft so wenig weiter wie Pauschalurteile. Klar ist nur: Eine misslingende Integration ist viel zu teuer.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Integrationsgipfel in Berlin

Essen. (Von Dieter Hautkapp) Integrationsgipfel im Kanzleramt stehen im Verdacht, unverbindliche Wohlfühlveranstaltungen zu sein, auf denen nur ein Gericht angeboten wird: Harmoniesoße. Wer die vier Jahre bilanziert, seit Angela Merkel diese Plattform etabliert hat, auf der sich Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft politisch annähern, muss einräumen: Die Bewertung ist nicht ganz fair. Ein Land, das sich 50 Jahre lang in strikter Erkenntnisverweigerung geübt hat, wenn es darum ging, wie Zuwanderung in Deutschland effektiv für möglichst viele der Beteiligtem zu organisieren ist, kann diesen Rückstand nicht in 48 Monaten aufholen. Aber immerhin: Man bemüht sich, wenn auch immer noch zu zaghaft. Aber wenigstens praxisnah. Das ist gerade jetzt nach den mentalen Verrohungen im Nachklapp der Sarrazin-Debatte nicht gering zu schätzen. Das anfängliche Beschwören von Binsenweisheiten - Sprache ist der Schlüssel zu Integration - ist dem Bestreben gewichen, dingfest zu machen, warum etwa Zuwanderer-Kinder heute im Schnitt immer noch viel zu oft ohne hinreichende Deutschkenntnisse in den Kindergarten kommen. Es hat am Ende auch sehr viel damit zu tun, dass Bund, Länder und Kommunen zwar das Gute wollen, aber keiner das nötige Geld dafür geben will.

Lausitzer Rundschau: Der Ton wird fordernder - Zu den Rahmenbedingungen des Integrationsgipfels

Cottbus. Die in Deutschland lebenden Ausländer haben die Sorge, dass die über sie geführte Debatte so enden könnte, wie die Asyldebatte Anfang der 90er-Jahre. Damals brannten Flüchtlingsheime. Die Sorge ist nicht unbegründet. Insofern war es gut, dass beim Integrationsgipfel endlich wieder mit den Migranten geredet wurde, statt über sie. Unter dem Deckmantel der Aufdeckung von Versäumnissen findet seit Sarrazins Buchveröffentlichung eine Sammlung menschlicher Vorurteile statt. Parallelgesellschaften, Zwangsehen, islamistische Gefahr, Minarette, Sozialschmarotzer. Es ist ein Müllberg des Frusts, der Angst und der intellektuellen Bequemlichkeit. Integrationsverweigerer zum Beispiel, das große Thema der vergangenen Tage, gibt es in der Realität kaum. Im Gegenteil, der Andrang auf die Kurse ist groß. In der Debatte ist die Differenzierung verloren gegangen [...]. Allerdings, die Tonlage gegenüber den Migranten ist fordernder geworden. Wer hier leben will, der muss..., so fangen neuerdings oft Sätze an. Und dann folgen: Leitkultur, Deutschkenntnisse, Grundgesetz, Gleichberechtigung, Kopftuchverbot. Alles richtig, aber vielleicht sollte man in einem Land mit so vielen verschiedenen Menschen auch mal sagen: Wer dieses Land regieren will, der muss... Zum Beispiel genug Geld für Deutsch- und Integrationskurse zur Verfügung stellen. Das zweite Thema ist das Asyl. Es ist eigentlich kein großes Problem mehr und wird als humanitärer Grundsatz zum Glück kaum in Frage gestellt. Schwieriger ist der dritte Komplex, die Zuwanderung. Neue Ausländer ins Land holen, davor haben die konservativen Parteien eine ungeheure Angst. Aber Kinder, die schon qua Elternhaus mit deutscher Leitkultur geboren werden, gibt es bekanntlich immer weniger. Über die Gründe dafür zu reden, wäre übrigens auch mal ein Gipfeltreffen wert.

(ots/Redaktion)


 


 

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