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Karmann Dachsysteme

Mitarbeiter stimmen nach Valmet-Übernahmeangebot Sondertarifvertrag zu

Nach der Ankündigung des finnischen Automobilzulieferers Valmet, die Dachsparte des insolventen Autobauers Wilhelm Karmann übernehmen zu wollen und einer erfolgten Vertragsunterzeichnung, konnte am Dienstag nun eine weitere Hürde genommen werden: die Karmann-Mitarbeiter stimmten bei einer Versammlung mehrheitlich dem von der Gewerkschaft IG Metall und Valmet ausgehandelten Sondertarifvertrag zu.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Belegschaft für die Laufzeit
des Tarifvertrags bis einschließlich 2014 auf das Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten muss. Dazu kommt nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall ein Abschlag von 5 % auf das Monatseinkommen und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Zwar soll weiter die 35 Stunden-Woche als Arbeitszeit gelten, bei einer Ausweitung auf den Samstag sollen demnach allerdings erst ab dem 7. Samstag in Folge die im Flächentarifvertrag üblichen Mehrarbeitszuschläge gezahlt werden müssen. Im Gegenzug wurde eine weitreichende Regelung zur Beschäftigungssicherung vereinbart. 

Bis 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen

Bis 2014 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Darüber hinaus hat sich Valmet verpflichtet, dass Osnabrück auch
zukünftig Entwicklungs- und Produktionsstandort bleibt. “Der Einkauf, der Vertrieb, der IT Bereich, das Personalwesen- , der Finanz- und
Controllingbereich und das Qualitätsmanagement bleiben in Osnabrück“, listet der Betriebsratsvorsitzende Wolfram Smolinski die einzelnen Bereiche auf. Nach seinen Worten war es im Interesse des Betriebsrates und der Gewerkschaft, dass alle vitalen Funktionen der Dachsparte weiterhin am Standort  Osnabrück erhalten bleiben. Darüber hinaus soll der polnische Standort Zary weiter in einer wirtschaftlichen Mischkalkulation mit Osnabrück geführt werden, damit sich die Produktionskosten nicht derat gravierend unterschieden, dass beide Standorte in Konkurrenz um Produktionsaufträge treten müssen. Weiter ist im Tarifvertrag
festgeschrieben, dass zukünftig eine mindestens zwei Personen starke Geschäftsführung die Geschicke des Unternehmens leiten soll und hiervon ein Geschäftsführer zwingend aus der Karmann Dachsparte bestellt werden muss.

Neuer Käufer erfüllt alle Auflagen aus dem "Magna-Verfahren"

Auch ein Mindestinvestitionsvolumen ist vereinbart worden. Demnach muss Valmet während der Laufzeit mindestens 1,25 Mio Euro in Osnabrück investieren. Wahrscheinlich scheint aktuell aber, dass Valmet unter Umständen weitaus mehr investiert. Das Wohlwollen der bisherigen Karmann-Kunden ist den Finnen jedenfalls sicher: die aktuellen Dachproduktionen für Bentley, Daimler (Modell CLK), BMW (1er & Mini) sowie Renault (Modell Mégane) bleiben in Osnabrück. Valmet genießt - anders als andere Karmann-Interessenten - das Vertrauen der Karmann-Kunden. Auch ein millionenschwerer Entwicklungsauftrag für das neue Audi A 3 Cabrio winkt dem neuen Anlageobjekt von Valmet. Der neue Karmann-Investor aus Finnland hatte zuvor aufgrund eines Vertrags zur Beschäftigungssicherung am Porsche-Standort Zuffenhausen unverschuldet den lukrativen Auftrag der Stuttgarter verloren. Durch die Karmann-Übernahme wird sich der Jahresumsatz von Valmet (56 Mio. Euro) vermutlich nahezu vervierfachen. Noch muss aber das Bundeskartellamt zustimmen. Da der neue Investor allerdings alle Auflagen der Bonner Kartellwächter aus dem "Magna-Verfahren" erfüllt (business-on.de berichtete), rechnet man in Osnabrück mit breitem Konsens über den Käufer und einer Freigabe innerhalb der gewöhnlichen Prüffrist von einigen Wochen. Erst dann wird der mit Insolvenzverwalter Ottmar Hermann geschlossene Kaufvertrag wirksam.

(Onur Yamac)


 


 

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