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  • 06.11.2010, 17:45 Uhr
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  • Frankfurt (Main)/Osnabrück
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Karmann Dachsysteme

Übernahme durch Valmet ist sehr gute Nachricht für Osnabrücker Mitarbeiter

Nach einer langen Hängepartie besteht seit Freitag Gewissheit für die Karmann-Mitarbeiter in Osnabrück und im polnischen Zary. Der finnische Automobilhersteller Valmet Automotive Inc. hat mit Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann den Vertrag zur Übernahme der Dachsparte des insolventen Autobauers Wilhelm Karmann GmbH unterschrieben. Am Freitagvormittag wurde die Belegschaft in einer Mitarbeiterversammlung über den Vertragsabschluss informiert.

Der finnische Automobilhersteller mit Hauptsitz in Uusikaupunki will die deutsche Dachsparte von Karmann übernehmen. Sie ist
Teil der europäischen Dachsparte, die neben dem Werk in Osnabrück (350 Mitarbeiter) auch die Anteile an der polnischen Gesellschaft in Zary (396 Mitarbeiter) umfasst. In den beiden Werken fertigen Mitarbeiter klappbare Dachsysteme (Retractable Hardtops) und Stoffdächer, die besonders bei höherpreisigen Cabrios eingesetzt werden.

Bevor der Kauf Vertrag wirksam wird, müssen allerdings noch diverse Bedingungen erfüllt werden. Über Vertragsinhalte und den Kaufpreis wurde von allen Seiten Stillschweigen vereinbart. Der finnische Automobilhersteller Valmet ist seinerseits bislang schon in den Bereichen Engineering, Produktion und der Komponenten-Herstellung tätig.

Wachstumsschub für Valmet

Für Valmet bedeutet der Zukauf einen Wachstumsschub: die Finnen beschäftigten bisher 800 Mitarbeiter, mit Karmann könnten es fast doppelt so viele (ca. 1.500). Allerdings werden die Finnen auch personelle Einschnitte durch den Wegfall des Porsche Auftrags zu verkraften haben. Bei den Finnen war erst kürzlich die Produktion von Porsche-Modellen vom Typ "Boxter" und "Cayenne" abgezogen worden, weil der Betriebsrat der Stuttgarter auf Beschäftigungssicherung im Stammwerk pochte und dafür sorgte, dass die Produktion in Baden-Württemberg konzentriert wird. Nach Angaben der in Münster erscheinenden "Neuen Westfälischen", sollen die Übernahmeabsichten der Finnen auch auf einen Deal mit dem VW-Konzern zurückgehen. VW-Konzernchef Martin Winterkorn soll das Karmann-Geschäft als verlockende Kompensation für den Auftragsverlust bei der Konzerntochter Porsche angeboten haben. Die Finnen sollen demnach u.a. künftig Hardtops für das Audi A 3 Cabrio bauen. 

Alle Arbeitsplätze sollen erhalten werden

Wenn alle Bedingungen des Vertrages mit Insolvenzverwalter Ottmar Hermann erfüllt worden sind und der Vertrag vollzogen werden kann, können nach Angaben eines Sprechers des Insolvenzverwalters alle Arbeitsplätze in Osnabrück und dem polnischen Zary erhalten werden. Die Gewerkschaft IG Metall hat als weitere Voraussetzung für den Kauf in den letzten Wochen mit Valmet einen Tarifvertrag (zur Tarifvertrag Definition) verhandelt. „Die Inhalte dieses Tarifvertrages werden wir erst bekannt geben, wenn wir unsere Mitglieder informiert haben“, so Osnabrücks IG Metall-Bevollmächtigter Hartmut Riemann dazu. Die Mitgliederversammlung der IG Metall wird am Dienstag, den 9. November 2010 über die Annahme des Tarifvertrages entscheiden.

Kartellamt: Betriebsrat rechnet nicht mit Blockade

Auch das Bundeskartellamt muss noch grünes Licht geben. Der zuvor favorisierte Investor Magna war im Vorfeld am Nein des Kartellamtes gescheitert. Den Verkauf an andere Unternehmen blockierten bislang die gegensätzlichen Interessen der Karmann-Kunden VW, BMW, Daimler, Renault and Bentley. Ohne Rückhalt der Kunden hätte eine Übernahme jedoch mangels Aufträgen keinen Sinn gemacht. Karmann-Betriebsratsvorsitzender  Wolfram Smolinski ist diesmal jedoch zuversichtlich, dass die Bonner Kartellwächter der Übernahme keinen Strich durch die Rechnung machen werden, da der neue Investor alle Anforderungen, die das Bundeskartellamt im damaligen “Magna Verfahren“ als Übernahmevoraussetzungen aufgeführt hat“, erfülle. Auch alle Karmann-Kunden seien diesmal mit im Boot. Sehr gute Voraussetzungen also für den Automobilstandort Osnabrück.

(Onur Yamac)


 


 

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