Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Termine Rückblick Events
Weitere Artikel
Fachgespräch mit Jens Spahn, MdB

Rabattverträge und die Attraktivität des Pflegeberufs wurden heiß diskutiert

Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey besuchte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn, am Freitag Oldenburg und das Ammerland. Zuvor hatte er der emsländischen Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (CDU) einen Informationsbesuch abgestattet. Im Gasthaus Wöbken in Oldenburg stellte er sich den Fragen von Medizinern, Apothekern und Experten aus dem Pflegebereich aus der Weser-Ems-Region.

„Ich freue mich mit Jens Spahn einen ausgewiesenen Gesundheitsexperten in Oldenburg begrüßen zu dürfen. Ob es die Vergütung der Ärzte, die Situation der Krankenhäuser oder die Pflege ist: Das Thema Gesundheit wird uns - gerade auch mit Blick auf den demografischen Wandel – jeden Tag begleiten und betrifft uns alle“, begrüßte Kossendey im Gasthaus Wöbken seinen Gast.

Jens Spahn machte gleich in seinem Eingangsstatement deutlich, dass Gesundheitspolitik auch immer einen Spagat zwischen Wirtschaftspolitik und Daseinsvorsorge sei. Bei allen Klagen über das Gesundheitssystem dürfe man nicht vergessen, dass die gute flächendeckende Versorgung in Deutschland einmalig in der Welt sei, betonte der Politik. Trotzdem müsse man das Gesundheitssystem an den Wandel der Zeit anpassen. Dabei müsse man gerade auch die Versorgung im ländlichen Raum im Auge haben. 

Ärztenachwuchs: Spahn fordert neue Kriterien

Spahn ging in der Diskussion auch auf den Ärztenachwuchs ein. Das Studium zum Mediziner koste in Deutschland ca. 250.000 Euro. Einziges Auswahlkriterium sei hierbei bisher die Abiturnote. Der Gesundheitspolitiker stellte dies am Freitag in Frage und sagte im Hinblick auf das Kriterium, dass es hier auch andere Möglichkeiten geben müsse.

Aus seinen zahlreichen Gesprächen mit Ärzten sei auch deutlich geworden, dass die Bezahlung dieser nicht grundsätzlich schlecht sei. Vielmehr sei die enorme Arbeitsbelastung zu einem Problem geworden. Hier gilt es in Zukunft durch vernünftige Modelle Abhilfe zu schaffen. Anwesende Ärztevertreter wiesen zugleich auf die Herausforderungen der Arbeit als Freiberufler hin, bei der das Personal und der Betrieb geführt und die Patienten versorgt werden wollen.

Rabattverträge beschäftigen die Apotheker

Eine anwesende Apothekerin beklagte sich wiederum über Probleme, die auch aus den Rabattverträgen der Krankenkassen mit den Pharmaherstellern ergeben hätten. Sie sagte, dass viele Kunden nicht verstünden, warum ihnen plötzlich das Präparat eines anderen Herstellers mit dem selben Wirkstoff verschrieben werde. Die Apotheker müssten daher einen Großteil der Beratungszeit damit verbringen, den Kunden zu erklären, warum sie statt des Medikaments in der blauben Verpackung eines in einer gelben bekämen. Der Mehrberatungsbedarf werde jedoch nicht durch die Krankenkassen abgegolten, so die Apothekerin weiter. Sie zeigte ein Plakat, auf dem die zahlreichen unterschiedlichen Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern aufgelistet worden sind. Die Vertragssituation sei völlig intransparent, so das Fazit der Apothekerin.

Spahn zeigte Verständnis für den Unmut der Apotheker, verwies zugleich aber auf die EDV-Technik, die heutzutage in der Lage sei, die unterschiedlichen Rabattverträge der Krankenkassen für einen Wirkstoff transparent zu machen. Die Rabattverträge der Krankenkassen, die für einen bestimmten Wirkstoff jeweils gälten, seien jedoch das Geschäftsgeheimnis zwischen Pharmaindustrie und den Krankenkassen, so Spahn weiter. In der Regel könne man davon ausgehen, dass es je nach Wirkstoff Preisnachlässe zwischen 50 und 60 Prozent für die Kassen gebe. Eine kleine Krankenkasse werde aber sicherlich ein geringerer Rabatt eingeräumt, als einer großen Kasse.

Die Margen der Pharmaindustrie seien in den letzten Jahren um 90 Prozent gesunken, so der Politiker. Man könne daher eine Vorstellung davon haben, welche Gewinne dort erzielt worden seien. Der Wettbewerb sei daher vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt, machte der Gesundheitspolitiker deutlich. Zugleich merkte er an, dass  in anderen Ländern Wirkstoffe verschrieben würden, während man in Deutschland sehr auf Marken fixiert sei - auch wenn in der blauen und gelben Packung der selbe Wirkstoff drin sei.

Spahn: keine Priorisierung

Auch die in der gesellschaftlichen Debatte befürchtete "Zwei-Klassen-Medizin" war ein Thema beim Fachgespräch in Oldenburg. In der Diskussion mit den Ärzten über eine mögliche Priorisierung oder Rationierung von Leistungen für Patienten wurde Spahn jedoch sehr deutlich: „Solange im System Effizienzmöglichkeiten vorhanden sind, gibt es keine Priorisierungsdebatte. Schon gar nicht mit der Christlich Demokratischen Union“. 

Im Bereich der Pflege waren sich die Diskussionsteilnehmer jedoch weitgehend einig darüber, dass es einer Verbesserung des Images des Pflegeberufs bedürfe. Um Arzt zu werden, würden sich 300 Studenten auf einen Platz bewerben, bei den Pflegeberufen hingegen seien die Bewerber teilweise überhaupt nicht vorhanden.

(Redaktion)


 


 

CDU
Thomas Kossendey
Bundestagsfraktion
Gitta Connemann
Oldenburg
Wöbken
Ammerland
Jens Spahn
Rabattverträge
Pflegeberufe
Kriterien
Studium
Medizin

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "CDU" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: