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Baumarkt-Kette

Wut und Angst vor geplantem Stellenabbau bei Praktiker

Mit Wut und Angst haben die rund 700 saarländischen Beschäftigten der Praktiker-Zentrale in Kirkel auf die Umzugspläne ihres Arbeitgebers reagiert. Von den derzeit noch 900 Mitarbeitern in den Zentralen der beiden Ketten Praktiker und Max Bahr soll nach Vorstellung der Konzernspitze die Hälfte gehen. Damit sollten die Verwaltungsausgaben von acht auf branchenübliche vier Prozent gedrückt werden, sagte der neue Vorstandschef der Baumarkt-Gruppe, Thomas Fox, in einer Telefonkonferenz.

Von Christian Konzack und Philipp Heinz

Konzernweit sollen 1.400 Vollzeitstellen wegfallen und etwa 30 der weltweit 438 Filialen geschlossen werden, fügte Fox hinzu. Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter werde höher sein, weil darunter etliche Teilzeitangestellte seien. Außerdem will er die Mieten drücken und die Produktpalette eindampfen. Ziel sei es, 100 Millionen Euro einzusparen.

Gemeinsam mit der saarländischen Landesregierung und den Oppositionsparteien will ver.di für den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen im Saarland kämpfen. Das sagte der ver.di-Landesbezirksleiter Alfred Staudt am Freitag. In den kommenden Tagen würden öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant. An den Praktiker-Vorstand appellierte Staudt, Verantwortung für die von den Veränderungen betroffenen Mitarbeiter zu zeigen.

Hoffnung auf Verbleib einzelner Abteilungen im Saarland

Teile der Praktiker-Zentrale könnten möglicherweise im Saarland bleiben, hoffte der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Kiefaber (FDP). Einige Abteilungen wie etwa die IT könnten ausgelagert und in Kirkel weitergeführt werden. Die saarländischen Oppositionsparteien SPD und Linke bezeichneten den Wegzug der Baumarkt-Kette als harten Schlag und Rückschritt für den Wirtschaftsstandort Saarland. Auch Kiefaber sprach von einem schweren Tag für das Saarland.

Die 10.000 Einwohner große Stadt Kirkel wurde von den Plänen zur Verlegung der Zentrale der Praktiker-Gruppe nach Hamburg völlig überrascht. Die Gemeinde habe am Donnerstagabend erst durch Medienanfragen davon erfahren, sagte Bürgermeister Frank John (SPD). Die Verwaltung prüfe nun, was der Umzug für die Gemeinde bedeute. Vermutlich verliere die Stadt auf einen Schlag 15 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. "Die sind natürlich nicht von heute auf morgen zu ersetzen", sagte John.

300 Millionen Euro will Fox für die Umstrukturierung ausgeben. Darin enthalten seien unter anderem Abfindungen für die entlassenen Mitarbeiter, aber auch Mittel für die Entwicklung neuer Werbekonzepte, um das Unternehmen wieder profitabel zu machen. In einem ersten Schritt sollten zwei Praktiker-Filialen in Kaiserslautern und Heppenheim zu Vorzeigebaumärkten umgebaut werden, in denen neue Konzepte erprobt würden, sagte Fox weiter.

Fox erklärt alte Rabatt-Strategie für gescheitert

Die alte "20-Prozent-Rabatt-auf-alles"-Strategie erklärte Fox für gescheitert. "Das hat die Kunden dazu erzogen, nur dann einzukaufen, wenn es den Rabatt gibt", sagte Fox. Er könne sich vorstellen, künftig Nachlass auf einzelne Artikel zu geben, aber nicht mehr pauschal auf alles. Das Angebot in den Praktiker-Märkten will Fox außerdem verringern. "In Zukunft werden sie keine Süßigkeiten oder Grußkarten mehr in den Läden finden."

Bis 2014 soll das Unternehmen Fox zufolge einen Vorsteuergewinn von ein bis zwei Prozent des Umsatzes machen. Das sei ein branchenüblicher Wert. Wegen der Filialschließungen werde der Umsatz erst einmal zurückgehen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Praktiker konzernweit einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro und einen Nachsteuerverlust von 33,6 Millionen Euro.

An der Börse konnten Praktiker-Aktien von der angekündigten Sanierung allerdings nicht profitieren: Der Kurs fiel am Freitag um mehr als 25 Prozent.

(dapd )


 


 

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