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Kinderbücher aus Tropenholz

Verlage geloben Besserung - Coppenrath-Verlag will Siegel einführen

"Frohe Weihnachten, kleiner Bär!" und "Auf und zu, das kann ich schon": In Kinderbüchern mit diesen Titeln haben Umweltschützer Spuren von Tropenholz gefunden. Am Montag gelobten mehrere deutsche Verlage Besserung und kündigten an, den Papierherstellern künftig genauer auf die Finger zu schauen.

Von Jens Twiehaus

Die deutsche Papierindustrie zeigte sich wenig überrascht über die Kritik an dem in Asien produzierten Papier. Der Spitzenverband der Papierindustrie in Bonn stellte klar, dass für heimische Produkte keine Regenwälder abgeholzt würden.

Unangenehm war dem Dudenverlag die mutmaßliche Herstellung von Buchdeckeln aus Tropenholz. Sie bedauerten es außerordentlich, wenn trotz aller Vorkehrungen Tropenholz für das Buch "Schau doch mal - Die Tierkinder" verwendet worden sei, sagte der Leiter des Produktionsservice des Bibliographischen Instituts, Tobias Kaase, auf dapd-Anfrage. Der Duden gehört zum Bibliographischen Institut, das wiederum Teil der Cornelsen Gruppe ist.

Verlage knöpfen sich ihre Geschäftspartner vor

Die Umweltorganisation WWF hält zahlreichen Verlagen vor, für die Herstellung ihrer Kinderbücher die Abholzung des Regenwaldes in Südostasien voranzutreiben. Kaase erläuterte, dass das Bibliographische Institut auf zertifizierte Produkte zurückgreife. Diese Nachweise schlössen eigentlich aus, dass Holz aus umstrittenen Quellen verwendet werde. Nun werde der Verlag auf seine Dienstleister zugehen und Qualitätsstandards erneut überprüfen.

Der Coppenrath-Verlag aus Münster kündigte an, von all seinen Zulieferern künftig den Nachweis des FSC-Siegels für nachhaltiges Forstwirtschaften zu fordern. Allein in sechs Büchern aus dem Hause Coppenrath wurde Papier nachgewiesen, das wahrscheinlich mit Material aus tropischen Naturwäldern hergestellt wurde. Verlagssprecher Tomas Rensing sagte, offenbar sei Altpapier für die Kinderbücher verwendet worden, das ursprünglich aus Tropenholz hergestellt wurde.

Künftig wolle Coppenrath nur noch Papier mit dem FSC-Siegel verwenden. Die Umstellung darauf dauere aber Monate, sagte Rensing. Deshalb würden auch im kommenden Jahr noch neue in Asien produzierte Bücher auf den Markt kommen, bei denen die genaue Herkunft des Papiers möglicherweise nicht ganz klar ist.

Schon vor Jahren wies der WWF auf den Raubbau hin

Der WWF hingegen zeigte sich skeptisch, ob die Mahnungen diesmal Wirkung finden würden. Bereits 2009 hatten die Umweltschützer einen solchen Test bei Kinderbüchern durchgeführt. Einige Firmen hätten ihre Produktion umgestellt, bei anderen sei die Kritik auf taube Ohren gestoßen. Darum stellten die Tester bei 79 Stichproben fest, dass für fast jedes dritte Buch erhebliche Mengen Tropenholz verwendet wurden. So sei etwa auch Holz aus Regenwäldern im Buchdeckel von "Gott hat mich lieb - Gebete für die Kleinsten" aus dem Herder Verlag enthalten.

Von der umstrittenen Herkunft des Papiers aus Fernost war die deutsche Papierbranche wenig verwundert. "China bezieht einen Teil seines Importzellstoffs aus Indonesien, wo zum Teil Primärwälder abgeholzt werden", sagte der Sprecher des Verbandes Deutscher Papierfabriken, Gregor Andreas Geiger, der dapd. Deutsche Hersteller forderten für Papierprodukte weltweit eine Zertifizierung. Sie bezögen ihren Zellstoff "nicht aus Raubbau oder illegalem Einschlag". Für 100 Tonnen in Deutschland produziertem Papier würden 71 Tonnen Altpapier eingesetzt.

(dapd)


 


 

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