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Volkerts Ex-Geliebte vor Gericht

"Ich habe gedacht, Klaus bezahlt"

Sieben Jahre war sie seine Geliebte - dann zog der mächtige Betriebsratschef Klaus Volkert die brasilianische TV-Moderatorin Adriana Maravalhas de Carvalho Barros mit in den Sumpf der Volkswagen-Affäre, und sie verlor alles: Arbeit, Firma, Wohnung, den guten Ruf. Jetzt kämpft die inzwischen 47 Jahre alte Frau um die "vollkommene berufliche und persönliche Rehabilitation", wie es ihr Anwalt Hans-Joachim Gerst am Dienstag vor dem Amtsgericht Wolfsburg formulierte.

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Von Claus-Peter Tiemann

Barros kam freiwillig aus Brasilien nach Deutschland. Sie stellte sich dem Gericht, um sich gegen die Anklage zu verteidigen, sie habe Volkert geholfen, Geld von VW abzuzocken. "Ich habe immer geglaubt, dass Klaus bezahlt", sagte die Frau im schwarzen Kostüm, nachdem sie vorher ein paar Tränen abgewischt hatte. Die Staatsanwaltschaft ist dagegen der Ansicht, sie hätte mithilfe von Scheinverträgen und per Spesen abgerechneter Privatreisen 350.000 Euro unrechtmäßig von VW kassiert.

"Klaus nahm gleich Blickkontakt auf"

Dabei fing alles so schön an, damals 1998 in der brasilianischen Niederlassung des exklusiven Club Mediterranee, wie sie erzählte. Volkert und sein Kumpel Klaus Gebauer - in Wolfsburg gerne als "Klaus & Klaus" bezeichnet - waren mit ein paar Mädchen in dem Ferienclub abgestiegen, in dem Barros nach eigener Darstellung an der Rezeption arbeitete. "Klaus nahm gleich Blickkontakt auf", sagte sie. Später musste ein VW-Manager aus Brasilien ihre Telefonnummer für den verheirateten Volkert besorgen, so kam die Liebesbeziehung in Gang.

Volkert hatte mithilfe des VW-Personalmanagers Gebauer schon lange vorher arrangiert, dass private Ausgaben von Betriebsräten wie Geschenke, Partys, Reisen oder anderes über VW abgerechnet werden. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz hatte das System abgenickt, um den Betriebsrat bei Laune zu halten.

Nach Überzeugung des zuständigen Staatsanwalts Daniel Facca gehörte die Barros-Bezahlung auch zum System: Laut Facca betrug der von ihr mitverursachte Schaden für VW 253.000 Euro wegen Scheinverträgen über Videos, für die sie gar keine Leistung erbracht habe. Dazu kamen 104.000 Euro für Privatreisen rund um die Welt mit Volkert: Prag, Lissabon, Indien, Dubrovnik, Rom - Barros kam herum und VW zahlte. Das Gericht hatte ursprünglich per Strafbefehl eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gegen die Frau verhängt, dem sie widersprach.

Barros erklärte vor Gericht, sie habe für die von VW eingestrichenen Honorare Filme über soziale Projekte von VW abgeliefert und die Filmkassetten Volkert überreicht. Zu den Reisen habe Volkert sie stets eingeladen. "Wir haben eine Beziehung geführt, die sieben Jahre gedauert hat", sagte Barros über die Zeit vom Kennenlernen 1998 bis 2005, als der Skandal aufflog.

Volkert machte per E-Mail Schluss

2005 flog der VW-Skandal auf, Volkert trat Knall auf Fall zurück. Kurz nach dem Abgang Mitte 2005 habe er per E-Mail Schluss gemacht, sagte seine Ex-Geliebte, die die Haare heute nicht mehr blond, sondern dunkel trägt. Die Beziehung sei aber schon zuvor aufgeflogen. "Volkerts Frau fand eine Bordkarte mit meinem Namen in seinem Jackett", sagte die Brasilianerin, die Volkert oft im Flugzeug begleitet hatte.

Nach der Trennung ging es bergab für die TV-Moderatorin, wie sie unter Tränen erzählte: Sie verlor ihre Arbeit, musste ihr Büro aufgeben, aus Geldnot ihre Wohnung vermieten, und ihr Ruf war ruiniert. Anwälte hätten versucht, sie noch weiter auszunehmen.

In vier Wochen wird Barros ihren einstigen Geliebten Volkert noch einmal wiedersehen: "Dr. Klaus", wie sie ihn immer nennt, soll am 24. April als Zeuge aussagen. Seine Zeit im Gefängnis für die Abzocke hat er abgesessen.

(dapd )


 


 

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