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Kollisionsgefahr für Schiffe

Bundesamt warnt vor schlecht gesicherten Windkraft-Baustellen im Meer

Der sich abzeichnende Bauboom von Offshore-Windkraftanlagen erhöht nach Einschätzung von Experten die Gefahr von Schiffskollisionen vor der deutschen Nord- und Ostseeküste. Vor allem unzureichend gesicherte Baustellen stellten ein Risiko für größere Frachter dar, warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg.

"Wenn irgendwo im Meer unfertige Bauwerke auftauchen, ist damit ein höheres Risikopotenzial verbunden", sagte der Leiter des BSH-Referats Ordnung des Meeres, Christian Dahlke, der "Welt am Sonntag". Die Behelfsbefeuerung, die meist nur aus provisorisch installierten Warnlichtern bestehe, sei wegen Bauverzögerungen oft für viele Wochen der einzige Schutz. Die Windparkbauer könnten die Sicherheitsvorkehrungen deutlich effektiver gestalten, sagte der Experte. Die Koordination sei verbesserungswürdig.

Betreiber sollten auf Anlagen an Windpark-Ecken verzichten

Unterdessen forderten Wissenschaftler bereits Änderungen an den Bauplänen. "Die Nordsee wächst zu. Die Schifffahrt muss mit immer weniger Platz zurechtkommen", sagte der Leiter des Instituts für Nautik an der Fachhochschule Flensburg, Günter Schmidt, der Zeitung. Er forderte, an den Ecken der Windparks auf einige Windräder zu verzichten. Das schaffe Platz für Ausweichmanöver, in einem Notfall könnten diese zusätzlichen Meter entscheidend sein. "Es wäre eine kleine Einschränkung für die Windparkbauer, aber eine große Wirkung für die Schifffahrt", sagte der frühere Kapitän Schmidt.

Zudem sollten sogenannte Verkehrstrennungsgebiete für Frachter und kleinere Schiffe wie Segler oder Fischkutter eingerichtet werden. Bislang würden solche Sonderkorridore von der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord abgelehnt.

Bis zu 7.000 neue Windkraftanlagen geplant

In den nächsten 17 Jahren sollen vor Norddeutschland bis zu 7.000 Windkraftanlagen im Meer errichtet werden. Kapitäne sehen das kritisch. Auf die Deutsche Bucht kämen Großschiffe mit bis 400 Meter Länge zu, warnte der Nautische Direktor der Reederei E.R. Schifffahrt, Christoph Werner. Auch für solche Riesen müsse es Pläne geben, um Kollisionen zu verhindern.

Auch Lotsen sind alarmiert. Da draußen auf dem Meer herrsche häufig schlechtes Wetter, sagte ein Lotse der "Welt am Sonntag". Bei einem Maschinenausfall könne ein Frachtschiff durchaus in einen Windpark hineintreiben. "Das wird auch irgendwann passieren." Oft könne ein Sicherungsschlepper gar nicht so schnell zu Hilfe kommen. "In einem Sturm verdriftet ein Schiff ein bis zwei Seemeilen in der Stunde. Da ist es längst gegen die Windräder gekracht, bevor der Sicherungsschlepper da ist."

(dapd)


 


 

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