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Kratzer am Lack von Gerhard Cromme

Aufsichtsratschef bekommt die Lage bei ThyssenKrupp bislang nicht in den Griff

Milliardenverluste durch die neuen Stahlwerke in Amerika, Ärger mit den Kartellbehörden, Korruptionsvorwürfe und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ein Vorstandsmitglied: Bei Deutschlands größtem Stahlkonzern ThyssenKrupp geht es drunter und drüber. Das trifft das Essener Traditionsunternehmen hart. Es sorgt aber auch für Kratzer am Lack von Gerhard Cromme, dem Chefaufseher des Essener Konzerns.

Von Erich Reimann

Der 69-Jährige ist einer der mächtigsten Manager der deutschen Wirtschaft - nicht nur wegen seiner Doppelrolle als Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp und Siemens. Lange Jahre war Cromme auch Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, die die Regeln für die korrekte Führung von Aktiengesellschaften erarbeitete.

Bei Siemens arbeitete Cromme mit harter Hand die Korruptionsvorwürfe gegen den Münchner Konzern auf. Doch bei ThyssenKrupp bekommt er die Lage bisher nicht in den Griff. Das ruft inzwischen auch die Aktionärsschützer auf den Plan.

Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte am Montag der Nachrichtenagentur dapd: "Man muss auf der nächsten Hauptversammlung noch einmal die Frage nach der Verantwortlichkeit des Aufsichtsrates, aber natürlich auch nach der von Herrn Cromme an der Spitze stellen."

Der Aktionärsschützer fragt: "Wie kann es sein, dass derartige Verfehlungen, Preisabsprachen und Bestechungen immer ein oder zwei Ebenen unter dem Vorstand stattfinden, ohne dass es hochkommt?" Cromme wisse doch vom Fall Siemens, wie ein Korruptionsthema ticke und wie interne Sicherungsmaßnahmen laufen müssten.

"Ich sehe das sehr kritisch"

Auch der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Hansgeorg Martius, sagte mit Blick auf die jüngsten Vorgänge beim Essener Konzern: "Ich sehe das sehr kritisch." Vielleicht sollte über eine Nichtentlastung der Verantwortlichen auf der Hauptversammlung im Januar nachgedacht werden.

Cromme selbst schwieg in der Öffentlichkeit bisher zu den jüngsten Vorgängen. Zwar gab er in den vergangenen Monaten etliche Gutachten in Auftrag, um die Verantwortlichkeit von Vorstand und Aufsichtsrat für das Milliardendebakel in Amerika und die Kartellabsprachen zu prüfen. Doch fündig wurde er bei der Suche nach einem Schuldigen im Top-Management bislang nicht.

Dass mit dem für die Einhaltung der Regeln zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung zuständigen ThyssenKrupp-Vorstandsmitglied Jürgen Claassen nun auch noch ein enger Cromme-Vertrauter wegen des Verdachts der Untreue - es geht um angebliche Luxusreisen auf Konzernkosten - ins Visier der Justiz geriet, macht die Situation für den Aufsichtsratschef nicht einfacher.

Das kann Cromme gar nicht recht sein. Denn der 69-Jährige hat nicht die Absicht, sich in absehbarer Zeit aufs Altenteil zurückzuziehen. Sein nächster Karriereschritt ist schon geplant. Er will den inzwischen 99-jährigen Krupp-Patriarchen Berthold Beitz an der Spitze der Krupp- Stiftung beerben und damit auch in Zukunft wesentlichen Einfluss auf die Geschicke des Stahlkonzerns nehmen.

(dapd)


 


 

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2 Kommentare

von Thyssen Man
05.12.12 07:25 Uhr
Endlich ein Schnitt

Das Maß ist voll, ja überfüllt. Was sich die Herren, einschliesslich des Aufsichtsrates in der Konzernspitze von Thyssenkrupp erlauben grenzt an Kriminalität. Es wird höchste Zeit einen Schnitt zu wagen, weg mit all den Verantwortlichen, und das bitte ohne Abfindungen. ja, ich würde sogar soweit gehen, diese Entscheidungsträger auf Schadesnersatz zu verklagen. Eine Fehlentscheidung nach der nächsten, ein Skandal nach dem nächsten. Herr Cromme, meine Herren vom Vorstand: Sie gefährden meinen und die Arbeitsplätze meiner Kolleginnen und Kollegen. Ich erwarte das bei der Aktionärsversammlung keine Entlastung ausgesprochen wird.
Ein Thyssen Mitarbeiter, der einmal stolz darauf war, für dieses Unternehmen gearbeitet zu haben.

von Thyssen Man
06.12.12 12:29 Uhr
Endlich ein Schnitte Teil 2

als hätte ich es geahnt. Jawohl. Danke für diese längst überfällige Entscheidung. Danke Herr Hiesinger. Es besteht jetzt die große Chance für einen Neuanfang, dazu muss allerdings noch ein "Stolpersten" aus dem Weg geräumt werden, einen, der an der Spitze des Kontrollgemiums sitzt, einen der alle Fehlentscheidungen mit seiner Unterschrift toleriert und akzeptiert hat, einen der sowieso schon lange auf die Nachfolge von unserem hochgeschätzen Herrn Beitz schielt. Nicht wahr Herr Cromme?
Ein Thyssen Mitarbeiter, der einmal stolz darauf war, für dieses Unternehmen gearbeitet zu haben.

 

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