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Hunderte Mitarbeiter entlassen

Turkish Airlines geht massiv gegen Arbeiter vor

Wer am Dienstag am Bremer Flughafen weilte, der konnte im Terminalgebäude interessante Szenen am Fundbüro, dem sog. "Lost & Found", beobachten: dort standen sich in einer langen Schlange Passagiere der Fluggesellschaft Turkish Airlines sprichwörtlich die Füße in den Bauch - ihr Gepäck aus Istanbul war nicht eingetroffen. Am Mittwoch wurden schließlich Hunderte von Mitarbeitern gekündigt, die für die Airline tätig sind. Doch die Gründe dafür sind ganz anders, als man als Außenstehender zunächst vermuten könnte.

Von Onur Yamac

In Deutschland wird derzeit kaum Notiz davon genommen, dass es an den Flughäfen in der Türkei mächtig brodelt. Ein Gesetzesentwurf, der am Mittwoch das Parlament in Ankara passiert hat, sieht vor, dass es Mitarbeitern des Flughafenpersonals - darunter Technikern, Abfertigungsmitarbeitern und allen sonstigen Arbeitskräften - künftig verboten sein soll, das Streikrecht auszuüben. Widerstand gegen die Pläne des türkischen Gesetzgebers kommt von der Luftfahrt-Arbeiter-Gewerkschaft "Hava-Is" und mündete zuletzt in einem Streikaufruf. Am Dienstag beteiligten sich daher Hunderte von Turkish Airlines-Mitarbeitern an einem Bummelstreik am Istanbuler Atatürk-Airport. Die Fluggesellschaft musste in der Folge rund 130 Flüge streichen.

Doch die Quittung kam prompt: am Mittwoch wurden Hunderte von Mitarbeitern gekündigt, die sich am Streik in Istanbul beteiligt hatten. Sie sind u.a. bei Subunternehmen beschäftigt, die für Turkish Airlines tätig sind. Die Kündigungen sollen auch per SMS erfolgt sein - entsprechende Screenshots kursieren derzeit im Internet. Ob es sich dabei tatsächlich um die Mitteilungen der Airline handelt, ist noch nicht ganz geklärt. Die Gewerkschaft "Hava Is" betont, dass die Flughafenmitarbeiter von ihrem legitimen Streikrecht Gebrauch gemacht hätten, während der Wirtschaftsminister der Türkei und die Airline den Streik als illegal bezeichnen.

Deutsche Gewerkschaften schweigen

Turkish Airlines ist die viertgrößte Airline Europas. Sie zählt jährlich mehr als 32 Millionen Fluggäste.Der Fußballclub Werder Bremen verhandelt derzeit mit einer nicht näher genannten türkischen Airline über ein Engagement als Trikosponsor. Turkish Airlines hat allerdings den Flughafen Bremen erst kürzlich als neue Basis in den Flugplan aufgenommen und gilt daher inoffiziell als einzig plausibler Verhandlungspartner des Fußballclubs.

Deutsche Gewerkschaften wie die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) oder die Vereinigung Cockpit positionierten sich bislang noch nicht zu den Vorgängen in der Türkei. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schweigen. Das Gesetz muss nun noch durch den türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül abgezeichnet werden.

(FN)


 


 

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