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Konkurrenz für Kredit- und EC-Karten

Mobilfunkkonzerne schmieden Allianz zur Durchsetzung des mobilen Zahlens

Das Handy ersetzt längst vielen Bundesbürgern den Fotoapparat, das Navi und den Stereorekorder - nun soll es auch noch die Geldbörse überflüssig machen. Deutschlands Mobilfunkkonzerne Telekom, Vodafone und Telefonica O2 kündigten am Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens an, das dem Bezahlen mit dem Handy im Supermarkt oder an der Tankstelle zum Durchbruch verhelfen soll. Noch in diesem Jahr soll "mpass" an den Start gehen.

Von Erich Reimann

Selbstbewusst sagte der Telefonica-Manager Michiel van Eldik bei der Präsentation der Pläne: "Ich gehe davon aus, dass Kunden bereits im nächsten Jahr ihre Kreditkarte zu Hause lassen und stattdessen auf die Bezahlung mit dem Handy umstellen."

Die Telekommunikationsanbieter setzten dabei nicht nur auf neue Smartphones mit integrierter NFC-Technik für Bezahlvorgänge. Auch die Millionen Handys ohne diese Funktion sollen mithilfe von Stickern, die im Akkufach des Geräts aufgeklebt werden können, zum mobilen Portemonnaie aufgerüstet werden.

Mit ihrer Offensive wollen sich die Konzerne einen möglichst großen Anteil am vielversprechenden Markt für kontaktlose Bezahlung sichern und machen dabei Kredit- und EC-Karten Konkurrenz . Die Gründung "mpass", an dem alle drei Mobilfunkkonzerne gleichberechtigt beteiligt sind, soll dabei für mehr Tempo sorgen. Denn bisher hinken die Telekommunikationskonzerne eher hinterher.

HDE: Der Kunde muss Vertrauen haben

Der Kreditkarten-Anbieter Mastercard etwa präsentierte bereits vor einigen Monaten in Zusammenarbeit mit Google ein mobiles Bezahlsystem namens "Google Wallet" für Android-Handys - allerdings zunächst nur auf dem US-Markt. Doch auch in Deutschland ist der Konzern mit seinem kontaktlosen Bezahlsystem "Paypass" den Telekommunikationskonzernen einen wichtigen Schritt voraus. Denn er fand bereits Einzelhändler, die künftig seine Technologie einführen wollen, darunter die Douglas-Gruppe mit ihren Parfümerien, Buch- und Schmuckgeschäften sowie die Tankstellenketten von BP und Aral.

Und auch die deutschen Sparkassen setzen auf die kontaktlose Kartenzahlung als Alternative zum Bargeld. Noch in diesem Jahr wollen sie in der Region Hannover in einem Großversuch knapp eine Million Sparkassencards für das kontaktlose Bezahlen ausgeben. Ab Mitte 2012 sollen dann alle rund 45 Millionen SparkassenCards schrittweise mit der Kontaktlos-Technologie ausgestattet werden.

Doch ist es für Telekom, Vodafone und Co. noch nicht zu spät, die eigene Position zu sichern. Denn noch haben Möglichkeiten zum kontaktlosen Zahlen im deutschen Einzelhandel Seltenheitswert. "Das ist bei weitem noch kein Massenphänomen", sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE).

Er sieht durchaus Chancen für das Handy als Geldbörsen-Ersatz. Vorausgesetzt die Unternehmen schaffen es, eine wichtige Hürde zu nehmen: Sie müssen den Kunden die Angst davor nehmen, dass Bezahlen mit Handy sei unsicherer als das mit Bargeld. "Die Frage ist, ob der Kunde genug Vertrauen aufbringt", sagte Binnebößel.

Aber auch die Wettbewerbshüter dürften noch einmal einen prüfenden Blick auf die ungewöhnlich enge Zusammenarbeit der Wettbewerber werfen wollen.

(dapd )


 


 

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