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Erneuerbare Energien

Kurth drängt auf schnelleren Netzausbau

Entwarnung für die Verbraucher: Die Stilllegung der sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke (AKW) dürfte vorläufig nicht zu einer drastischen Verteuerung des Stroms in der Bundesrepublik führen. Dem Ausbau des Hochspannungsnetzes kommt zugleich Priorität zu.

Von Erich Reimann

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sagte am Mittwoch in Bonn, die Preisentwicklung an der Strombörse gebe keinen Anlass zur Dramatik. Zwar sei der Preis für Stromlieferungen im Jahr 2012 von 53 Euro pro Megawattstunde auf 60 Euro gestiegen. Doch liege er noch weit vom bisherigen Höchststand von rund 90 Euro im Juni 2008 entfernt.

Allerdings wurde Deutschland durch die Abschaltung der Altreaktoren vom Stromexporteur zum Stromimporteur. Seit dem Abschalten der AKW führe Deutschland im Schnitt 2.500 Megawatt ein - überwiegend aus Frankreich, Tschechien und Polen, sagte Kurth. Das entspricht der Leistung von rund zwei Kernkraftwerken.

Niemand könne aber derzeit absehen, wie die Entwicklung im ganzen Jahr sein werde, schränkte der Behördenchef ein. Die gegenwärtige Situation werde auch durch die Tatsache beeinflusst, dass die Windkraftwerke aufgrund der Wettersituation wenig Strom lieferten.

Die Gefahr eines Blackouts in Deutschland sieht der Chef der Netzagentur vorläufig nicht. "Wir haben keine Probleme bei der Versorgung der Verbraucher", sagte Kurth. Die Netzbetreiber seien in der Lage, die verstärkt auftretenden Stresssituationen im Netz zu bewältigen.

"Das ist der Preis für den Atomausstieg"

Dennoch müsse der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes dringend beschleunigt werden, verlangte Kurth. "Andernfalls werden wir den Umbau der deutschen Energielandschaft nicht hinbekommen." Notwendig sei der Neubau von rund 3.000 Kilometern Höchstspannungsleitungen. Dies entspreche rund einem Fünftel des existierenden Leitungsnetzes.

Auch der Bau neuer konventioneller Kraftwerke sei nötig. "Ein bisschen was müssen wir der deutschen Bevölkerung halt zumuten. Da muss Gemeinnutz vor Eigennutz gehen. Das ist der Preis für den Atomausstieg", sagte Kurth.

Ausdrücklich befürwortete der Behördenchef auch Pläne zum Bau zweier großer unterseeischer Stromleitungen zwischen Deutschland und Norwegen. Deutsche Windkraft könnte dann in Zeiten des Versorgungsüberschusses genutzt werden, um norwegische Pumpspeicherwerke "aufzuladen". Norwegische Wasserkraft könnte helfen, Flauten in der Windenergieerzeugung auszugleichen. Insgesamt könnten Leitungskapazitäten von bis zu 2.800 Megawatt geschaffen werden, sagte Kurth. "Die strategischen Chancen der Kopplung mit Norwegen sollten rasch ergriffen werden."

(dapd )


 


 

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