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Interview

RWE-Kraftwerkschef Lambertz warnt vor übereilter Energiewende

Die Energiewende bedroht nach Ansicht des Chefs der RWE-Kraftwerksparte, Johannes Lambertz, die Stromversorgung in Deutschland. Das Vorhaben der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung drastisch auszuweiten, sei eine "Wette auf die Zukunft", sagte er im Interview. "Wenn es nicht gelingt, droht eine Katastrophe."

Die erneuerbaren Energien könnten nicht genug gesicherte Leistung bereitstellen, besonders bei längerer Windstille sei die Stromversorgung bedroht, sagte Lambertz. Deutschland brauche deshalb mehr Stromspeicher und große konventionelle Reservekraftwerke. Das Problem werde unterschätzt. "Wir brauchen länger Speicher und Backup-Kraftwerke als viele heute glauben", sagte Lambertz. Die von der Bundesregierung eingeplante Reduzierung des Strombedarfs in Deutschland um 25 Prozent bis 2050 sei unrealistisch.

Manager Hunderte neue Speicher notwendig

Zu einer Versorgungslücke könne es kommen, weil Windkraft- und Solaranlagen vom Wetter abhängig sind. "Die Erneuerbaren bringen nur eine gesicherte Leistung von bis zu zehn Prozent der installierten Kapazität", sagte Lambertz. "Wenn man gesicherte Leistung haben will, braucht man Backup-Kraftwerke und Speicher."

Aber auch dabei sieht der Manager erhebliche Probleme. Ungelöst sei die Frage, woher der Strom bei längeren Flauten kommen soll, wenn die Windräder kaum Leistung bringen. "Da werden theoretisch 250 bis 300 Mal so viele Speicher benötigt wie heute", sagte er mit Verweis auf ein Szenario für 2050, wenn ein Großteil des Stroms aus Windkraftanlagen kommen soll.

Lambertz fordert zentrale Projektsteuerung

"Die Frage ist, wie viel Strom wir künftig importieren können", sagte Lambertz mit Verweis auf den bereits heute gestiegenen Bedarf an Strom aus dem Ausland. Es sei nicht sicher, dass Deutschland im Falle einer Flaute genug Strom aus anderen Ländern bekomme. "Aber wieso sollten wir überhaupt Strom importieren?" Deutschland exportiere ja unter dem Strich auch Autos. Überhaupt könne es sich die Industrie kaum erlauben, deutliche höhere Preise für Strom zu zahlen.

Um negative Folgen für die Stromversorgung in Deutschland zu vermeiden, forderte Lambertz eine zentrale Projektsteuerung und ein Monitoring der Bemühungen zur Energiewende. Eine zentrale Stelle müsse die verschiedenen Schritte, vom Ausbau der Stromnetze bis hin zur Planung neuer Kraftwerke, in die Hand nehmen. Einen Vorschlag, bei welcher Stelle diese Aufgabe am besten aufgehoben sei, wollte er nicht machen. "Das muss man der Politik überlassen", sagte er nur.

(dapd )


 


 

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