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VW kommt Lkw-Allianz näher

MAN-Übernahme abgeschlossen

Europas größter Autohersteller Volkswagen ist der lange geplanten Lkw-Allianz von Scania und MAN unter dem eigenen Konzerndach einen großen Schritt näher gekommen. Nachdem sämtliche regulatorische Hürden aus dem Weg geräumt sind, halten die Wolfsburger nun endgültig die Mehrheit an MAN.

Von Nico Schmidt

"Das ist die Geburtsstunde eines neuen Spitzenspielers auf dem weltweiten Lkw-Markt", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Mittwoch. Die Lkw-Troika soll es mit Branchenschwergewichten wie Daimler und Volvo aufnehmen können.

Die Niedersachsen halten nach Vollzug der Übernahme nun knapp 56 Prozent der MAN-Stimmrechte und fast 54 Prozent des Grundkapitals. Nun können Scania und MAN ungehindert Gespräche über gemeinsame Projekte in den Bereichen Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie Produktion aufnehmen. Diesem Schritt hatte das Wettbewerbsrecht bislang im Weg gestanden, weshalb VW im Mai bei MAN auf über 30 Prozent aufstockte und ein Pflichtangebot startete.

Die Mehrheitsübernahme war eigentlich gar nicht das primäre Ziel von Volkswagen. Vielmehr ging es den Niedersachsen um eine stabile Hauptversammlungsmehrheit und darum, grundsätzlich grünes Licht von den Kartellwächtern zu bekommen, um Gespräche zwischen Scania und MAN über mögliche Synergien in die Wege leiten zu können. Da der Aktienkurs von MAN im Zuge der aufkommenden Rezessionsängste jedoch deutlich unter den Angebotspreis fiel, traf die Offerte auf mehr Resonanz als gedacht und VW bekam die Mehrheit der Aktien angedient - ohne dass VW eine Prämie für den Dax-Konzern zahlen musste.

Synergien von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr

In einem ersten Schritt peilt Volkswagen Synergien von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr an. Längerfristig sollen die Ersparnisse sogar noch deutlich höher liegen. Am Markt war in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach spekuliert worden, VW könnte seinen Anteil an MAN nach dem Abschluss der Mehrheitsübernahme weiter aufstocken. In Wolfsburg wollte man das Marktgerücht am Mittwoch nicht kommentieren. Finanzieren könnte VW den Schritt: Per Ende September verfügte der Dax-Konzern über liquide Mittel von über 21 Milliarden Euro.

Volkswagen strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Dach an. Über die Lkw-Allianz wird spekuliert, seit VW bei MAN eingestiegen ist und die Mehrheit bei den Schweden übernommen hat. Die Fäden zieht im Hintergrund der Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piëch.

MAN begrüßte den Abschluss der Übernahme: "Wir schlagen heute ein neues Kapitel in unserer 253-jährigen Unternehmensgeschichte auf", sagte Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen.

Betriebsräte reagieren positiv auf Übernahme

Auch die Konzernbetriebsräte von Volkswagen und MAN reagierten positiv: "Ich freue mich, dass die Kolleginnen und Kollegen von MAN Truck & Bus, MAN Diesel & Turbo und Renk ab heute zur Volkswagen-Familie gehören", sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Sein Pendant bei MAN, Jürgen Dorn, ergänzte, das Unternehmen habe erstmals seit langer Zeit wieder eine stabile Aktionärsstruktur. Künftig sollen Arbeitnehmervertreter von MAN auch in den Betriebsrat von Volkswagen einziehen und Mitglied im Europäischen- und Welt-Konzernbetriebsrat werden.

Nico Schmidt ist Korrespondent von Dow Jones Newswires

(dapd )


 


 

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