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UPS greift die Deutsche Post an

US-Logistikriese übernimmt für über fünf Milliarden Euro Rivalen TNT Express

Schlechte Nachrichten für die Deutsche Post: Der US-Logistikriese UPS macht dem "gelben Riesen" mit einem Milliardenzukauf die Marktführerschaft im europäischen Expressgeschäft streitig. Der US-Konzern kündigte am Montag die Übernahme des niederländischen Rivalen TNT Express an. Der Kaufpreis soll 5,2 Milliarden Euro betragen, wie die Konzerne mitteilten.

Von Erich Reimann

UPS ist schon heute der weltgrößte Paketdienstleister. In Europa liegt der Konzern aber bislang deutlich abgeschlagen hinter der Post zurück. Das könnte sich durch die Übernahme ändern. Mit einem Umsatzvolumen von 45 Milliarden Euro wäre der neue Konzern nicht nur unangefochtener Weltmarktführer, sondern auch die Nummer Eins in Europa.

Die Deutsche Post sieht die Übernahme allerdings noch längst nicht in trockenen Tüchern. Sie rechnet mit massiven wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kartellbehörden.

UPS wirbt bereits seit einigen Wochen um den niederländischen Konkurrenten. Doch erst nachdem der US-Konzern sein Barangebot noch einmal leicht auf 9,50 Euro je Aktie oder insgesamt über fünf Milliarden Euro aufgestockt hatte, gaben Vorstand und Aufsichtsrat des zuletzt mit roten Zahlen kämpfenden niederländischen Konzerns am Montag ihren Widerstand auf.

Das Angebot entspricht einem Aufschlag von knapp 54 Prozent auf den Kurs der Aktie vor Bekanntwerden der Übernahmepläne. Die niederländische Post, die mit einem Aktienpaket von knapp 30 Prozent noch immer größter Anteilseigner von TNT ist, akzeptierte die Offerte bereits.

Post-Chef zeigt sich gelassen

UPS erwartet von der Transaktion Synergien von bis zu 550 Millionen Euro jährlich. Gleichzeitig kann der Konzern seine große Abhängigkeit vom Heimatmarkt spürbar verringern.

Große Übernahmen haben sich in der Vergangenheit im Expressgeschäft allerdings immer wieder als sehr schwierig erwiesen. Das weiß die Post aus eigener Erfahrung. Sie hatte ihren Versuch, im US-Inlandsgeschäft Fuß zu fassen, vor einigen Jahren mit Milliardenverlusten bezahlt und schließlich frustriert den Rückzug angetreten.

Wohl auch deshalb zeigte sich Post-Chef Frank Appel in der vergangenen Woche sehr gelassen, was die Übernahmepläne von UPS angeht. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie lange es dauern kann, zugekaufte Unternehmen zu integrieren. Das muss dem Kundengeschäft nicht unbedingt gut bekommen", sagte er. Die Post selbst plant nach seinen Worten derzeit keine größeren Zukäufe und setzt stattdessen auf organisches Wachstum.

Der Logistikexperte Horst Manner-Romberg vom Beratungsunternehmen MRU zeigte sich ebenfalls überzeugt: "Zumindest kurz- und mittelfristig wird die Fusion keine dramatischen Folgen für die Deutsche Post DHL haben. Denn UPS muss jetzt erst einmal die Übernahme verdauen." Langfristig könne die Übernahme aber die Position der Amerikaner stärken.

Die Post-Aktionäre fürchten den härteren Wettbewerb offenbar nicht. Die Aktie gewann bis zum späten Montagnachmittag gegen den DAX-Trend sogar mehr als ein Prozent an Wert.

(dapd )


 


 

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