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Militär-Luftfahrtindustrie

Kritik an Einsparungen & Zulassungswirrwar

Die mittelständische Luftfahrtindustrie sieht sich durch die massiven Sparpläne im Verteidigungshaushalt existenziell gefährdet. Plötzliche Auftragsstopps und mangelnde Zukunftsstrategie führten 2011 zu Rückgängen bei Umsatz und Beschäftigung "noch im einstelligen Bereich", sagte der Mittelstandsbeauftragte des Verbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Andreas Sedlmayr, am Donnerstag in Berlin.

Von Thomas Rietig

BDLI-Präsident Thomas Enders warnte vor einem Kompetenzverlust für den Standort Deutschland. Sedlmayr verlangte eine berechenbare Zukunftsperspektive und schlug unter anderem vor, die Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten stärker auf die Industrie zu verlagern, anstatt mit Doppelstrukturen auch bei der Zulassung neuer Produkte für Verwirrung zu sorgen.

Sedlmayr identifizierte "drei düstere Regenwolken" über der mittelständischen Luftfahrtindustrie. Schon für 2011 sei die Instandsetzung militärischer Luftfahrzeuge unterfinanziert. Von weiteren Kürzungen bei laufenden Beschaffungsmaßnahmen könnten kleine und mittelständische Unternehmen "hart betroffen" sein. Er hoffe, dass bestehende Verträge eingehalten würden. Es gehe technische Kompetenz verloren, wenn mangels Folgeaufträgen Mitarbeiter entlassen werden müssten. "Wir brauchen Planungssicherheit", verlangte er.

Sedlmayr ist selbst Chef eines Unternehmens, das unter anderem Schleudersitze herstellt. Als mögliche Zukunftsstrategien schlug er die Intensivierung der Forschung zu unbemannten Flugkörpern vor. Er verwies darauf, dass sich dafür zahlreiche Einsatzfelder auch im zivilen Bereich ergäben. Wenn die Bundeswehr sparen müsse, solle sie sich auf ihre "Kernaufgaben konzentrieren", sagte er. Dazu gehöre, dass Instandhaltungs- und Wartungsaufgaben nicht von den Streitkräften selbst erledigt werden müssten, sondern an die Industrie vergeben werden könnten.

Wachstum bei 4,5 Prozent

Airbus-Chef Enders präsentierte gleichwohl gute Zahlen der Luft- und Raumfahrtindustrie für 2010 und weiteren Zuwachs bei Umsatz und Beschäftigung für 2011. Allein sein Unternehmen plane für 2011 weltweit 3.000 Neueinstellungen, davon etwa 1.000 in Deutschland. Das Wachstum der Gesamtbranche lag seinen Angaben zufolge bei 4,5 Prozent, der Gesamtumsatz erreichte mit 24,7 Milliarden Euro einen neuen Branchenhöchstwert (Vorjahr: 23,6 Milliarden). Die Beschäftigtenzahlen verzeichneten 2010 ein leichtes Plus von 1,8 Prozent und liegen nun bei rund 95.400.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung blieben 2010 mit rund 17 Prozent des Branchenumsatzes auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Der Exportanteil habe 68 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche betragen. Für das laufende Jahr nannte Enders keine Zahlen, gab sich aber zuversichtlich, dass es über die gesamte Branche Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung geben werde.

(dapd )


 


 

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