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Luftfracht

Nacht-Fracht soll auf Regionalflughäfen ausweichen können

Nächtliche Luftfracht kann kurzfristig auf kleinere dezentrale Flughäfen in dünn besiedelte Regionen verlagert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kasseler Logistik- und Verkehrsexperten Richard Vahrenkamp, die er am Freitag in Dresden auf einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Fluglärmkommissionen vorstellte.

Von Nils-Eric Schumann

Für das wichtigste deutsche Frachtdrehkreuz Frankfurt am Main bietet sich demnach der Flughafen Hahn im Hunsrück an. Derzeit gilt in Frankfurt ein Nachtflugverbot. Einige Frachtmaschinen werden deshalb in Köln/Bonn abgefertigt. Ein Großteil der Güter könnte mit Lastwagen zu den Flughäfen transportiert werden, hieß es. Dabei sei es unerheblich, ob zentrale Großflughäfen oder Regionalairports bedient würden.

Luftfracht ist im Schnitt sechs Tage unterwegs

Der Vorsitzende der Frankfurter Fluglärmkommission, Thomas Jühe, begrüßte den Vorschlag. Vahrenkamp habe belegt, dass Luftfracht mit Ausnahme der Post durchschnittlich sechs Tage unterwegs sei. Der Experte widerlege damit die Behauptung von Cargogesellschaften und Flughäfen, dass überwiegend eilige Güter transportiert werden, die innerhalb weniger Stunden ihr Ziel erreichen müssten.

Angesichts des derzeitigen Nachtflugverbots in Frankfurt wollen die Fluglärmkommissionen nach eigenen Angaben Alternativen zur bisherigen nächtlichen Luftfracht aufzeigen. Seit Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn in Frankfurt Ende Oktober dürfen laut Beschluss des hessischen Verwaltungsgerichtshofs zwischen 23.00 und 5.00 Uhr keine Maschinen auf Deutschlands größtem Flughafen starten und landen. Das Verbot gilt bis zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, die für März 2012 angekündigt ist.

Wegen des Nachtflugverbots muss Lufthansa Cargo derzeit zwei Frachtmaschinen in Richtung Asien nachts in Köln/Bonn zwischenlanden lassen, was aus Sicht von Fachleuten weder ökonomisch noch ökologisch dauerhaft sinnvoll ist. Alternativen gäbe es auch für die drei anderen wichtigen deutschen Frachtflughäfen Köln/Bonn, Leipzig/Halle und München, erklärten die Fluglärmkommissionen. Konkrete Beispiele wurden jedoch auf Nachfrage ebenso wenig genannt wie Finanzierungsvorschläge zum Ausbau der Regionalflughäfen im ländlichen Raum zu Frachtdrehkreuzen.

Neues Ampelsystem zur Lärmmessung begrüßt

Auf der Tagung begrüßten die Fluglärmkommissionen ein von Niedersachsen erprobtes Ampelsystem zur Erfassung der tatsächlichen Lärmbelastung von Anwohnern. Das in drei Stufen gegliederte Modell ermögliche erstmals langfristige Erkenntnisse und Prognosen, wie sich Fluglärm etwa durch veränderte Flugrouten und modernere Maschinen entwickle, sagte Jühe. Das sei mit den bisherigen Pflichtmessungen der Flughäfen oder den von Lärmgegnern erhobenen Daten nicht möglich. Für den Nachweis eines Anspruchs auf passiven Lärmschutz, etwa Schallschutzfenster, sei dies aber wichtig.

Die Arbeitsgemeinschaft der Fluglärmkommissionen trifft sich den Angaben zufolge seit den 1960er Jahren zweimal pro Jahr, um über aktuelle Themen des Lärmschutzes zu diskutieren. Den Kommissionen gehören Anliegerkommunen und Flughafenbetreiber, aber auch die Bundesvereinigung gegen Fluglärm an. Erfolge seien beispielsweise der Einsatz moderner Maschinen mit leiseren Triebwerken, der unter anderem über die Entgeltordnungen an den Flughäfen beeinflusst wird.

(dapd )


 


 

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