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Lufthansa spart sich in die Gewinnzone

Ölpreis, Luftverkehrsabgabe und Konkurrenz belasten Geschäft

Die Lufthansa steuert mit einem strikten Sparkurs gegen ein Bündel von Problemen an, die der größten europäischen Fluggesellschaft das Geschäft vermiesen. Der Vorstandsvorsitzende Christoph Franz zählte am Donnerstag in Frankfurt am Main bei der Vorstellung der Bilanz 2011 die größten Sorgen auf: Der hohe Ölpreis kostet den Konzern Milliarden, die Luftverkehrsabgabe in Deutschland und Österreich geht kräftig ins Geld, und die Konkurrenz ist scharf bis ruinös. Bis 2014 will Franz 1,5 Milliarden Euro einsparen, auch beim Personal.

Von Philipp Heinz

In diesem Jahr rechnet die Lufthansa mit einem sinkenden operativen Gewinn . Dieser wird Franz zufolge "im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich" liegen. Wegen der vielen Unwägbarkeiten wolle er sich nicht weiter festlegen.

Im vergangenen Jahr erzielte die Lufthansa einen operativen Gewinn von 820 Millionen Euro. Wegen des Verkaufs des Verlustbringers British Midland blieb unter dem Strich aber ein Verlust von 13 Millionen Euro. Die Umsatzsteigerung um 8,6 Prozent auf 28,8 Milliarden Euro trat da ebenso in den Hintergrund wie die Tatsache, dass die Lufthansa erstmals mehr als 100 Millionen Passagiere beförderte.

Als weitere Belastungen nannte Franz das Nachtflugverbot in Frankfurt, das vor allem bei der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo zu Buche schlage. Falls das Bundesverwaltungsgericht das vorläufige Verbot bestätigt, rechnet Franz mit einer Verlagerung des Wachstums an andere Flughäfen. Sollten die Richter die Einschränkungen sogar ausweiten, wäre das für die Lufthansa "wirklich ein Katastrophenszenario", sagte Franz.

Flugreisende müssen sich dem Lufthansa-Chef zufolge auf höhere Ticketpreise einstellen. "Wir werden versuchen müssen, die gestiegenen Treibstoffkosten in die Preise für die Kunden hineinzubekommen." Ob dies über höhere Grundpreise oder Treibstoffzuschläge passiere, sei noch nicht klar. Die Ausgaben für Treibstoff stiegen demnach im vergangenen Jahr um 1,3 Milliarden auf 6,3 Milliarden Euro. Auch im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit einem weiteren Anstieg der Kerosin-Kosten um 1,2 Milliarden Euro.

Ein Sparprogramm folgt dem nächsten

Gerade erst ist das Sparprogramm Climb2011 abgeschlossen, schon folgt der Nachfolger mit dem Namen Score. Das Potenzial sei eben noch nicht ausgeschöpft, sagte Franz. "Es geht immer noch etwas." Unzufrieden ist der Konzern mit der Marge von 3,4 Prozent. Diese solle auf fünf bis sechs Prozent steigen, wie Finanzvorstand Stephan Gemkow erklärte.

Im Einkauf will die Lufthansa zum Beispiel ihre Größe besser ausspielen und über 200 Millionen Euro einsparen. Die Verwaltungskosten sollen um ein Viertel sinken, 80 Prozent der Einsparungen entfallen auf das Personal. Der Einstellungs- und Investitionsstopp bleibt in Kraft, zudem sollen Stellen wegfallen. Ob es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, stehe noch nicht fest, erklärte die Lufthansa.

Sorgenkinder Austrian und Germanwings

Das Sorgenkind Austrian Airlines (AUA) soll hart saniert werden und in kurzer Zeit in die Gewinnzone zurückkehren. "Die Lage ist ernst", sagte Franz. Er erwarte von "den Betriebspartnern und den Gewerkschaften für den Bordbereich ein deutliches Entgegenkommen hinsichtlich marktgerechter, wettbewerbsfähiger Beschäftigungsbedingungen". Im Klartext: Die Beschäftigten sollen auf Lohn verzichten. Die profitablen Konzernbereiche würden die AUA "nicht dauerhaft durchfüttern", sagte Franz.

Die ebenfalls defizitäre Billigflug-Tochter Germanwings werde zudem stärker in die Mutter integriert. Allein die Luftverkehrsabgabe habe fünf Prozent des Germanwings-Umsatzes aufgefressen.

Trotz des Verlustes will die Konzernleitung eine Dividende von 25 Cent pro Aktie auszahlen, als Signal an die Anleger und um weiterhin als dividendenstarkter Titel zu gelten. An der Börse verlor die Aktie des Luftverkehrsunternehmens bis zum Nachmittag mehr als zwei Prozent.

(dapd )


 


 

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