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Notregierung in Griechenland

Mit Lukas Papademos ruht die Last der Hellenen auf breiten Schultern

Mit der Wahl von Lukas Papademos zum griechischen Ministerpräsidenten lastet das harte Reformprogramm auf breiten Schultern - genau wie sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das wünscht. "Wir wollen vor allem, dass auch die sehr, sehr harten Reformbemühungen für ein besseres, effizienteres und konsolidierteres Griechenland auf möglichst breiten politischen Schultern stehen", sagte Merkel am Donnerstag.

Von Roman Keßler

Der 64-jährige ehemalige Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) ist das wirtschaftspolitische Schwergewicht, das Griechenlands Partner jetzt brauchen. Heute gilt Papademos als fest mit dem Euro verbunden. Experten wie der Chef des Münchner Wirtschaftsinstituts ifo, Hans-Werner Sinn, bescheinigen ihm großes wirtschaftspolitisches Verständnis. Bis Mitte vergangenen Jahres war Papademos in Frankfurt am Main. Anschließend lehrte er als Professor in Amerika. Seine Wahl zum Premierminister einer Athener Übergangsregierung ist Ausdruck des Willens der Griechen, den Euro zu behalten - trotz aller Kritik.

Ausgerechnet Papademos führte die Griechen in den Euro

Manchen Beobachtern könnte seine Wahl auch Sorgen bereiten: Ausgerechnet er war es, der die Griechen vor zehn Jahren in den Euro führte. Zu dieser Zeit stand Papademos an der Spitze der griechischen Zentralbank. Es ist aber schwer zu sagen, ob er in dieser Funktion von den gefälschten Zahlen wusste, durch die Griechenlands Beitritt zum Euro überhaupt erst möglich wurde.

Papademos, der als Pragmatiker gilt, tat außerdem hinter den Kulissen des Eurotowers sein Möglichstes, um ein Auseinanderbrechen der 17 Euro-Länder zu verhindern. Unter anderem verantwortete er die Anleihen-Ankäufe von Euro-Ländern in Schwierigkeiten. Er half auch den 6.000 bei der EZB registrierten Banken, ihre faulen Kredite als Sicherheiten zu verwenden.

Bankenhilfen und Käufe der Staatsanleihen mitentschieden

"Wir sind Lukas sehr dankbar", sagte der ehemalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet zu Papademos' Abschied 2010. "Als die Banken ins Rutschen kamen, war Lukas einer der wichtigsten Gestalter ihrer Stabilisierungshilfen." Papademos hat in seiner Frankfurter Zeit international viele Freunde gewonnen. Merkel und alle anderen, die Griechenland mit Milliarden unterstützen wollen, können auf ihn zählen. Er könnte das vom bisherigen Premier Giorgios Papandreou verspielte Vertrauen wiederherstellen. Sein größter Vorteil: Der Parteilose tritt einen Job an, den er nie wollte.

Introvertierter Denker mit Schwächen

Kein Politiker zu sein ist jedoch auch ein Nachteil, denn der introvertierte Denker hat eine Schwäche: Der große Auftritt ist einfach nicht sein Ding. Lieber doziert er vor einem kleinen Kreis von Zuhörern und verliert sich in Wirtschaftstheorien. Das wird es ihm erschweren, das Volk mitzunehmen.

Als Stellvertreter saß Papademos bei den monatlichen Pressekonferenzen regelmäßig an der Seite Trichets, der seinerseits am vergangenen Dienstag die Präsidentschaft an den Italiener Mario Draghi übergeben hatte. Vor der in Frankfurt versammelten Presse kam Papademos kaum mal ein Wort über die Lippen. Er nahm lieber Journalisten, die ihm bekannt waren, bei anderen Gelegenheiten zur Seite. Auch dann achtete er auf jedes Wort.

Papademos müsste den Griechen nur mehr von seiner gutmütigen und freundlichen Art zeigen, die ihm in EZB-Kreisen den Spitznamen "Papa" eingebracht hatte. Doch dafür müsste er sich öffnen.

(dapd )


 


 

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