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Im Galopp auf die Speisekarte

Pferdefleisch ist in Belgien eine Delikatesse

Rouladen, Gulasch, Sauerbraten, Steaks und auch Wurst finden sich in der Verkaufstheke von Roland Nys' kleiner Metzgerei in Brüssel. Die Besonderheit: Er verkauft ausschließlich Pferdefleisch.

Von Eliza Cloppenburg

"Es schmeckt ein bisschen wie Rindfleisch, hat aber auch etwas von Wild", erklärt der 54-jährige Metzger. "Es hat eben einen natürlich würzigen Geschmack." In Belgien wie auch in Frankreich sei es ganz normal Rossfleisch zu essen. "Warum denn auch nicht?", fragt Nys.

In Irland, Großbritannien, Frankreich und nun auch in Deutschland ist als Rindfleisch deklariertes Pferdehack in Tiefkühl-Lasagne entdeckt worden. Etikettenschwindel ist strafbar, doch Pferdefleisch ist eigentlich nicht gefährlich. Ganz im Gegenteil: Das dunkelrote Fleisch sei sehr gut verträglich, kalorienarm und sogar fettarmer als Putenfleisch, schwärmt Nys während er die frisch zerlegten Fleischstücke in der Auslage auf grüne Salatblätter bettet.

In Deutschland ist der Verzehr von Pferdefleisch ganz und gar nicht normal. Oft lehnen Menschen wegen ihrer engen Bindung zum Pferd als Arbeitskamerad oder Sportgefährte das Fleisch ab. Auch in Belgien werden Pferde nicht extra zum Schlachten gezüchtet, sagt Nys. Daher sei das Fleisch auch dort nicht so populär wie etwa Rind oder Schwein. Vor allem ältere Kunden fragten aber gezielt nach Rossfleisch. Bei jungen Kunden sei die Hemmschwelle wiederum höher.

"Das nenne ich Super-Bio"

"Das ist aber nur der Gedanke an das süße Pferdchen auf der grünen Wiese", sagt Nys. Wenn die Mutter dann aber einen schönen Rossbraten zubereitet habe und der Geruch durch das Haus ziehe, seien die anfänglichen Hemmungen meist verflogen.

Nys ist in der Metzgerei groß geworden. Seine Eltern übernahmen die Fleischerei vor 80 Jahren von Freunden. Abgeschreckt hat Nys die Arbeit mit toten Tieren nie. "Wir sorgen dafür, dass sie gesundes und leckeres Fleisch auf den Teller bekommen. Das ist doch toll."

Die geschlachteten Tiere stammten aus landwirtschaftlichen Betrieben oder aus Sport- und Hobbyanlagen. "Dort werden sie artgerecht gehalten und optimal gefüttert - das nenne ich Super-Bio." Viele Pferde werden allerdings mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt, das das Fleisch eigentlich ungenießbar macht. Um dem auf die Spur zu kommen, will die Europäische Union nun EU-weite Tests einführen. Vor dem Schlachten werde das Pferd mit einem Bolzenschuss betäubt, erklärt Nys. Für das Pferd sei dies "völlig schmerzfrei."

Die Zubereitung von Pferdefleisch sei einfach: "Alles was sich mit Rind zubereiten lässt, kann auch mit Pferdefleisch gekocht werden." Der einzige Unterschied sei die Garzeit des Fleisches. Die sei bei Rossfleisch etwas kürzer. Ein Braten müsse etwa zwei bis zweieinhalb Stunden garen. Beim Würzen empfiehlt Nys nur Salz, Pfeffer und etwas Paprika zu verwenden, "um den Fleischgeschmack nicht zu verfälschen".

Täglich 15 Pferdesteaks

Simon ist Koch im belgischen Grillrestaurant Aux Pavés de Bruxelles. Etwa 15 Pferdesteaks bereitet der 32-Jährige täglich für Touristen etwa aus England oder Deutschland zu. "Für die ist es etwas ganz Besonderes." Den meisten schmecke das Fleisch auch, erzählt er und legt ein dickes Stück Pferdefleisch auf den Grill. Dass ein Steak unangetastet in die Küche zurückwandert, komme äußerst selten vor. "Das liegt natürlich auch an der guten Zubereitung." Auch Simon schwört auf den intensiven Geschmack des Fleisches. "Wenn das Fleisch von bester Qualität ist, muss ich nicht mehr viel tun."

Kathrin und ihr Ehemann Stefan aus Nürnberg haben zum ersten Mal Pferdefleisch gegessen. Sie hat sich für ein Gulasch, er für ein Steak entschieden. "Es ist schon ein komisches Gefühl", sagt Kathrin. "Das sind ja so tolle Tiere." Stefan hingegen hat keinerlei Zweifel. "Ich bin da ganz pragmatisch." Bei einer Reise nach Australien habe er schließlich auch Kängurufleisch und Hai gegessen.

Zurück in der Küche erzählt Simon, einmal habe ein Mann heimlich Pferdefleisch für seine Freundin geordert. "Er hat auf Französisch bestellt und sie hat es nicht verstanden", berichtet er. Ihr schien das Fleisch auch zu schmecken, schließlich habe sie fast alles aufgegessen. Als er ihr den Streich aber beichtete, sei sie wütend geworden. "Sie hat fast angefangen zu weinen", erzählt Simon.

Nachfrage gestiegen

Dass nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühllasagne gefunden wurde, ist auch für Simon ein Skandal. "Natürlich geht das nicht." Der Kunde müsse nun einmal wissen, was genau in dem Produkt stecke. Für ihn als Koch sei es interessant zu sehen, wie nun die Nachfrage an Rossfleisch steige. "Viele haben bislang nie über die Zubereitung von Pferd nachgedacht." In den vergangenen Tagen aber hätten immer mehr Gäste nach Pferdefleisch gefragt.

Dass Rossfleisch jemals so beliebt werde wie Rind, kann sich Simon aber nicht vorstellen. "Dafür ist das Angebot auch zu klein." Für ihn sei es nur wichtig, dass die Kunden aufgeschlossen seien und etwas Neues probierten. "Dann macht die Arbeit auch Spaß."

(dapd)


 


 

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