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Börsen weltweit abgestürzt

Die Märkte warten auf "Beruhigungspillen"

Erst die US-Jobzahlen haben ein wenig Ruhe gebracht. In Amerika sind im Juli 117.000 neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft entstanden, gut 30.000 mehr als erwartet. Die Zahl ließ den Dax am Freitag zumindest kurz ins Plus drehen, der Dow Jones startete ebenfalls positiv. "Die große Abwärtsspirale der letzten Tage ist erst einmal gestoppt", o der Leiter der Finanzmarktanalyse beim Bankhaus Metzler, Eugen Keller. "Jetzt hoffen die Anleger auf neue Beruhigungspillen von der Politik."

Von Stephan Radomsky

Vorher waren die Börsen in New York und Tokio abgestürzt, der Dow Jones in absoluten Zahlen so heftig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. "Die Verluste waren heute wahllos", schrieb Ben Potter von IG Markets über den Kurssturz. Von einer "allgemeinen Angst" an den Märkten sprach Tom Kaan von Louis Capital Markets.

Völlig unerwartet kam der Einbruch aber nicht. "In harten Fakten holen die Märkte jetzt nach, was sich schon vor Wochen angedeutet hat", sagte Keller. "Die Phase des Leugnens ist jetzt definitiv vorbei." Dass nun schnell wieder alles gut wird, glaubt er nicht. Die Arbeitsmarktzahlen hätten den Markt zwar etwas stabilisiert. "Trotzdem bleiben die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA eher enttäuschend."

Dabei hatte es zu Wochenanfang noch so ausgesehen, als sei dort das Schlimmste verhindert worden. In Washington hatten sich die Parteien auf eine Anhebung der Schulden-Obergrenze geeinigt. Wegen drastischer Ausgabenkürzungen fürchten die Märkte nun aber um das Wachstum der Volkswirtschaft. Zudem keimen neue Zweifel am Euro-Rettungsschirm.

Neuer Krisengipfel am Wochenende möglich

Die habe auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit seinem Ruf nach einer Neubewertung des Rettungsfonds EFSF befeuert, sagte Christoph Rieger, Leiter Zinsstrategie bei der Commerzbank. "Die Märkte wollen eine klare Linie. Das wäre das Beste, um sie zu beruhigen, und nicht, die Gipfel-Beschlüsse infrage zu stellen."

Einen neuen Krisengipfel am Wochenende hält Rieger für nicht ausgeschlossen - und ist damit nicht allein. "Die große Frage, die nun alle beschäftigt, ist, was auf den europäischen und amerikanischen Märkten noch passiert und ob es eine politische Notreaktion geben wird", glaubt IG-Markets-Analyst Potter.

Neben politischen sorgen auch die Unternehmensnachrichten für schlechte Stimmung auf dem Parkett. "Die Aktien werden weiter abstürzen, vor allem in der Eurozone, wo die Gewinne die Erwartungen der Analysten verfehlen", sagte Analyst Carl Weinberg von High Frequency Economics. Daran dürften auch die US-Jobzahlen grundlegend nichts ändern. "Angesichts der Tiefe der wirtschaftlichen Krise in den entwickelten Ländern bin ich nicht sicher, wie lang die Erholung anhalten wird", sagte Marktanalystin Louise Cooper von BGC Partners.

(dapd )


 


 

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