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Oldenburger Postdienstleister

Bei Mail-Express gehen wohl für immer die Lichter aus

Am Montagmorgen staunten die Mitarbeiter des Oldenburger Postdienstleisters Mail-Express nicht schlecht: die Firmenfahrzeuge waren da bereits an die Leasinggesellschaft übergeben worden, auch die Schlüssel zu den Geschäftsräumen wurden einkassiert. Dabei hatte es nach der vorangegangenen Insolvenz nach Gewerkschaftsangaben noch Hoffnung für das Unternehmen gegeben.

Noch im März 2010 hatte Mail-Express anlässlich seines über 10-jährigen Bestehens eine Sondermarke mit dem Oldenburger Horst Janssen-Musem herausgegeben. Das Unternehmen war bekannt für seine Briefmarken mit regionalen Motiven. Bereits Ende Dezember 2010 dann die Insolvenz. Die etwa 130 Mitarbeiter erhielten daraufhin Insolvenzgeld.

Insolvenzverwalter führte Betrieb vorerst weiter

Die Insolvenz der GmbH & Co KG brachte in der Folge offenbar auch die Muttergesellschaft in Turbulenzen. Im Februar 2011 musste Geschäftsführer und Gründer Frank Lachmann daraufhin auch Insolvenz für die Mail-Express Holding GmbH anmelden. Dies wurde vom Gericht am 27. April 2011 mangels Masse abgewiesen. Das Insolvenzgericht hatte damals den Bremer Rechtsanwalt Christian Strauß als Insolvenzverwalter bestellt.

Das Gericht hatte im Zuge der Insolvenz einen Ausschuss aus den Hauptgläubigern eingesetzt. Dieser bestand aus dem Geschäftsführer des Mitbewerbers Nordwest Mail GmbH (Citipost), Matthias Hansen, Karl-Heinz Künnemeyer von der Oldenburger Bundesangentur für Arbeit sowie dem Mail-Express Betriebsrat  Edzard Staben (business-on.de berichtete). Nach dem Auslaufen des Insolvenzgeldes führte der Insolvenzverwalter zunächst das Unternehmen aus eigenen Einnahmen weiter.

An HSD-Betreibergesellschaft verkauft

Aus der andauernden Insolvenz heraus wurde das Unternehmen dann zum 1. Juli 2011 an die HSD-Betreibergesellschaft verkauft, die  auch das Haus Seeschlösschen Dreibergen in Bad Zwischenahn (Landkreis Ammerland) betreibt. Als Investor wurde damals der Vermögensberater Andreas Tiemann aus dem Emsland genannt. Übernommen wurden im Zuge dessen etwa 70 der zuvor 130 Mitarbeiter des Unternehmens. Nach Informationen von business-on.de soll der Verkauf für einen überschaubaren fünfstelligen Betrag über die Bühne gegangen sein. Im selben Zug soll sich der im Postgeschäft als unerfahren geltende Käufer dazu bereit erklärt haben, die ca. 70 Mitarbeiter und die wirtschaftlichen Risiken zu übernehmen. Auch die Verkleinerung des Zustellgebiets wurde damals angekündigt, weil sich Mail-Express zuvor durch seine flächenmäßige Expansion finanziell verhoben hatte und viele Zustelltouren nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren.

Kunden in der Insolvenz an Mitbewerber verloren

Zwischenzeitlich geriet Andreas Tiemann bei der Vorstellung von Restrukturierungsplänen auch in Clinch mit Betriebsratsmitgliedern. Ausgesprochene Freistellungen und Hausverbote wurden nach Verdi-Angaben später vor dem Arbeitsgericht wieder einkassiert und eine Wiedereinstellung veranlasst. Zum 19. Juli 2011 gab es schließlich eine Änderung im Handelsegistereintrag beim Käufer HSD.

Seit Montag bleiben bei Mail-Express am Melkbrink die Türen verschlossen und bei den Mitarbeitern und der Gewerkschaft stellt man sich die Frage, wer inzwischen der Ansprechpartner auf der Seite von Mail-Express ist. Gründer Lachmann ist nicht mehr involviert, Tiemann soll nicht mehr als Geschäftsführer geführt werden und ein Friedhelm Brandhorst, seinerseits Projektentwickler, wird in der regionalen Presse zitiert, soll aber nicht die Geschäftsführung inne haben. Über Letzteren findet sich bei entsprechener Suche im Internet eine Vielzahl von Medienberichten. Er wird bei Radio Bremen so zitiert, dass die bislang ausstehenden Löhne der Mail-Express-Mitarbeiter noch nachgezahlt werden.

Das Unternehmen soll wirtschaftlich überlebensfähig gewesen sein. Nachprüfen lässt sich dies nicht, jedoch veweist Verdi-Mann Jakobs darauf, dass das Unternehmen von April bis Ende Juni vom Insolvenzverwalter aus eigenen Einnahmen betrieben worden sei. Allerdings habe die negative Berichterstattung in der regionalen Tagespresse auch dazu geführt, dass Kunden während der Insolvenz von Mitbewerbern wie Citipost abgeworben worden seien, so der Gewerkschafter.

Internetseite unverändert online

Die Mail-Express-Mitarbeiter haben sich am Montag geschlossen bei der Bundesagentur für Arbeitt arbeitslos gemeldet. Mit der Wideraufnahme des Geschäftsbetriebs rechnet kaum noch jemand. Die  Briefschlitze der Postkästen des privaten Postdienstleisters sind inzwischen zugeklebt worden. Nur auf der unternehmenseigenen Internetseite deutet auch am Tag Zwei der Betriebsschließung nichts auf ein Ende bei Mail-Express hin. Dort ist weiterhin zu lesen:

"mail-express ist ein seit Ende 1998 erfolgreich tätiger, privater Briefdienstleister im Nordwesten Deutschlands. "

War.

Aktualisiert: 2.8.2011

(Red. / oy)


 


 

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