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Betriebsrat greift Management an

Werke Rüsselsheim und Eisenach stoppen zeitweise die Bänder

Der angeschlagene Autohersteller Opel stoppt wegen großer Absatzprobleme zeitweise die Montagebänder. Die beiden Hauptwerke Rüsselsheim und Eisenach arbeiten seit Jahresbeginn deutlich weniger, wie ein Firmensprecher am Montag mitteilte. Der Betriebsrat griff die Firmenführung in einem Brief scharf an und warf den Managern vor, einen Standort gegen den anderen auszuspielen und insbesondere die Arbeitnehmervertretungen in einzelnen Werken "brutal unter Druck zu setzen".

Von Claus-Peter Tiemann

Am Stammsitz Rüsselsheim ruht seit Jahresbeginn an Freitagen die Arbeit, die Belegschaft baut mit sogenannten Korridortagen Überstunden ab. Im Corsa-Werk Eisenach wird in den Tagschichten nur 33 Stunden, in der Nachtschicht sogar nur 30 Stunden pro Woche gearbeitet.

Der Absatz von Opel in Europa ging bis Ende Februar um 20 Prozent zurück. Vor allem in Italien, Frankreich und Portugal fielen die Verkäufe drastisch. Im größten Opel-Markt Deutschland verkaufte die Marke mit dem Blitz in den ersten beiden Monaten fast 7 Prozent weniger, während der Gesamtmarkt praktisch unverändert war.

Das Europäische Arbeitnehmerforum von Opel/Vauxhall und GM forderte daher "die unverzügliche Aufnahme von konstruktiven Gesprächen". Die Arbeitnehmervertreter wollen vollständige Information "über einen realistischen Unternehmensplan bis 2016 sowie die gemeinsame Erarbeitung eines Wachstumsplans für Europa und die großen globalen Märkte außerhalb von Europa".

Die Opel-Firmenleitung antwortete darauf, man gehe "davon aus, dass die von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gemeinsam getragene Einschätzung, Opel müsse auch in Zeiten schlechter werdender Rahmenbedingungen profitabel arbeiten, weiterhin Gültigkeit hat".

Astra besonders schwach

Besonders schwach ist zurzeit der Absatz beim wichtigsten Modell Astra, der allein in Deutschland 20 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Der Astra wird unter anderem in Rüsselsheim montiert. Beim Kleinwagen Corsa aus Eisenach sank der Absatz um mehr als 15 Prozent, wie Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes belegen.

Deutlich besser ist die Lage beim Familien-Van Zafira, der aus Bochum kommt: Hier verdoppelte sich der Absatz nach dem Wechsel zur dritten Modellgeneration beinahe. Um das Werk Bochum rankten sich in den vergangenen Monaten trotzdem immer wieder Schließungsgerüchte.

Stracke will Volumen halten

Opel-Vorstandsvorsitzender Karl-Friedrich Stracke hatte noch Anfang März angekündigt, er wolle das Volumen in diesem Jahr trotz schwieriger Konjunktur halten. Opel befände sich in Gesprächen mit den Betriebsräten an allen europäischen Standorten. Es gehe darum, die Profitabilität kurz- und langfristig zu steigern.

Opels Mutterkonzern General Motors und PSA Peugeot Citroën hatten vor kurzem eine Kooperation angekündigt. Die Anbieter wollen so bei den Materialkosten sparen. Außerdem sei geplant, mehr Modelle in kürzerer Zeit auf den Markt zu bringen, unter anderem mit gemeinsamen Plattformen.

Experten sehen die Probleme von GM und PSA in Europa durch die Kooperation aber nicht gelöst: Beide Konzerne leiden unter Überkapazitäten. Eine mögliche Lösung wären Werksschließungen, falls die Nachfrage nicht anzieht. Bei Opel sind aber die bestehenden Werke nach der Sanierungsrunde von 2010 bis 2014 vor Schließungen geschützt.

Laut Fachzeitung "Automobilwoche" gelten die PSA-Werke in Europa nur zu rund 65 Prozent als ausgelastet, die Opel/Vauxhall-Werke zu etwa 75 Prozent. Der europäische Zweig von GM machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 523 Millionen Euro. PSA schrieb im Kerngeschäft Auto Verluste von 439 Millionen Euro. Der GM-Vorstandvorsitzende Dan Akerson sagte, das Opel-Ergebnis sei "nicht zu akzeptieren". Der Konzern werde die Probleme "eher aggressiv angehen".

Die Arbeitnehmer von Opel und der Schwestermarke Vauxhall griffen am Montag das Management an: Opel und GM verweigerten sich derzeit Gesprächen über die Zukunft des Herstellers, erklärte der deutsche Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. Stattdessen setze die Konzernführung auf die Methode "teile und herrsche". So werde versucht, einen Standort gegen den anderen auszuspielen und insbesondere die Arbeitnehmervertretungen in einzelnen Werken "brutal unter Druck zu setzen".

Opel war 2009 durch Missmanagement und Qualitätsprobleme tief in die Krise geraten. Bei einem von GM aufgelegten Sanierungsprogramm wurden seit 2010 europaweit 8.000 Stellen abgebaut. Das Werk im belgischen Antwerpen wurde geschlossen. In Deutschland war von der Sanierung auch das Werk Bochum betroffen, wo mehr als 1.000 Stellen gestrichen wurden.

(dapd )


 


 

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