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Keine konkreten Gespräche

Koenig & Bauer wird Manroland wohl nicht zur Seite springen

Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland kann sich offenbar keine großen Hoffnungen auf eine Rettung durch den Wettbewerber Koenig & Bauer (KBA) machen.

Von Nico Schmidt

"Die Kooperation mit schlecht ausgelasteten anderen Herstellern würde das Kapazitätsproblem in der Branche nicht lösen und bei KBA eher vergrößern", sagte der neue Vorstandschef, Claus Bolza-Schünemann, am Freitag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Zwar sei man offen für Gespräche, prüfe intern die Möglichkeiten sehr genau und stehe in Kontakt mit Insolvenzverwalter Werner Schneider. Es gebe aber keine konkreten Verhandlungen. "Wir haben selbst genug mit uns zu tun", sagte Finanzvorstand Axel Kaufmann .

Manroland hatte Ende November den Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem die Übernahmeverhandlungen mit dem Schweizer Investoren Capvis auf der Zielgeraden gescheitert waren. Die Eigner, die Allianz-Tochter ACP sowie der Nutzfahrzeug- und Maschinenhersteller MAN, wollen das seit geraumer Zeit defizitäre Unternehmen mit seinen noch rund 6.500 Mitarbeitern nicht mehr weiter alimentieren. Die Manroland- Insolvenz ist die größte in Deutschland seit der Pleite des Handelskonzerns Arcandor im Jahr 2009.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider ernannt. Sein Ziel ist es nach eigenem Bekunden, bis zur förmlichen Eröffnung des Manroland-Verfahrens am 1. Februar eine Investorenlösung zu präsentieren. Eine Aufspaltung des rund 160 Jahre alten Traditionsunternehmens in die Bereiche Rollen- und Bogenoffsetdruck gilt in Branchenkreisen als wahrscheinliches Szenario , um einem Käufer die Geschäfte schmackhaft zu machen.

"Staatshilfe für KBA gefährden"

Die Arbeitnehmerseite hatte die Manroland- Gesellschafter in den vergangenen Wochen scharf kritisiert und nach Staatshilfen für das Traditionsunternehmen gerufen. "Diese Forderungen sehen wir sehr kritisch", sagte KBA-Chef Bolza-Schünemann. "Staatliche Hilfen für in Insolvenz geratene Mitbewerber würden weitere Arbeitsplätze bei KBA gefährden". 2009 war Branchenprimus Heidelberger Druck nur durch Staatshilfen vor der Pleite gerettet werden.

Die Druckmaschinenindustrie, in der Manroland nach HeidelDruck und KBA die Nummer Drei ist, hat schwer mit der momentan schwierigen Wirtschaftslage zu kämpfen. Denn Unsicherheit ist Gift für die konjunktursensible Industrie, da Kunden in unsicheren Zeiten große Investitionen - wie eben für teure Druckmaschinen - nicht selten auf die lange Bank schieben. Zudem schränkt die prekäre Lage an den Finanzmärkten die Finanzierungsmöglichkeiten der potenziellen Käufer ein.

Neben den aktuellen Marktturbulenzen macht der einstigen deutschen Vorzeige-Branche auch ein seit Jahren anhaltender Strukturwandel zu schaffen: Die zunehmende Bedeutung des Internets - sowohl in der Werbung als auch in der Medienwelt - kostet die Hersteller von klassischen Bogen- und Rollendruckmaschinen seit geraumer Zeit Geschäft, da immer mehr traditionelle Printinhalte ins Internet abwandern. Der gesamte Druckmaschinenmarkt ist seit 2008 um nahezu die Hälfte geschrumpft, eine nachhaltige Erholung ist nicht in Sicht.

Mit Mühe und Not hatten sich die Druckmaschinenhersteller seither zurück in die Gewinnzone oder zumindest in Richtung der schwarzen Zahlen gespart, durch die Auswirkungen der Schuldenkrise gab es allerdings den nächsten herben Rückschlag. HeidelDruck und KBA mussten kürzlich ihre Jahresziele aufgeben, weitere Stellenstreichungen sind nicht auszuschließen. Und für Manroland kam es sogar noch viel schlimmer.

Aktuell sieht es für KBA aber nicht so schlecht aus. Nach einem enttäuschenden dritten Quartal werde das Schlussvierteljahr "sehr stark" für KBA, sagte Finanzchef Kaufmann. Auch für das kommende Jahr übt sich das Management in Zuversicht: "Wir werden mit sehr gut gefüllten Auftragsbüchern ins Jahr 2012 gehen", erklärte Kaufmann. Per Ende November lag der Wert der Bestellungen in den Büchern erstmals seit Jahren wieder über der Marke von 800 Millionen Euro.

Im kommenden Jahr solle der Umsatz moderat zulegen, sagte Kaufmann. Ziel sei es außerdem, das Ertragsniveau leicht zu verbessern. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern schaffte KBA auch in der schweren Krise Gewinne, weil das Unternehmen prominent in profitablen Nischenbereichen wie beispielsweise dem Sicherheits- und dem Metalldruck vertreten ist.

Große Hoffnungen setzen die Würzburger genau wie der Rest der Branche auf den Frühling nächsten Jahres. Denn im Mai steigt in Düsseldorf die "Drupa", die weltweit wichtigste Messe für die Druckindustrie. Das Branchentreffen findet nur alle vier Jahre statt. 2008 wurden rund 2.000 Aussteller und fast 400.000 Besucher gezählt. Die Drupa gilt als Impulsgeber für die Industrie, die deutschen Hersteller verbuchen dort stets viele große Aufträge. "Wir bauen alle auf die Drupa", sagte Bolza-Schünemann.

(Nico Schmidt ist Korrespondent bei Dow-Jones-Newswires)

(dapd )


 


 

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