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Meinungen zu den Opel-Übernahmeplänen von Fiat

Opel steht unmittelbar vor der Loslösung vom angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors. Die Ankündigung, dass der Rüsselsheimer Autobauer womöglich von Fiat geschluckt wird, hat neben dem Schreckensszenario eines Wegfalls von knapp 3.500 Arbeitsplätzen am Opel-Standort Kaiserslautern auch Befürworter in den Medien gefunden. Hervorzuheben ist zudem das Westfalen-Blatt aus Bielefeld. Die dortigen Redakteure beleuchten akribisch das bundespolitische Beziehungsgeflecht hinter dem Übernahmepoker um Opel.

Rheinische Post: Eine himmlische Hochzeit

Düsseldorf. (Von Antje Höning) Von Taktik versteht Fiat-Chef Sergio Marchionne nicht viel. Ausgerechnet mit dem Satz, eine Fusion von Opel und Fiat wäre eine "im Himmel geschlossene Hochzeit", empfahl er sich seinen Gesprächspartnern in Berlin. Das wäre eigentlich ein Grund für die Regierung, Fiat gleich abblitzen lassen. Von himmlischen Hochzeiten haben die Deutschen nach der gescheiterten Ehe von Daimler und Chrysler genug. Auch die Opel-Belegschaft hält nichts von Fiat, weil sie starken Stellenabbau befürchtet. Für den Wirtschaftsminister dürfen all das keine Argumente sein. Bei der Entscheidung, wer Opel mit milliardenschwerer Staatshilfe retten darf, müssen andere Fragen zählen. Die Gesetze der Marktwirtschaft verlangen, dass Hersteller, die auf Halde produzieren oder nötige Investitionen nicht selbst finanzieren können, gehen müssen. Wenn der Staat überhaupt eingreift, darf es ihm nur um die Frage gehen, mit wem Opel die Wende auf Dauer schafft. Hier ist der Fiat-Konzern, der selbst schon mal aus der Asche aufstieg, immerhin erfahren. Ein Investor, der Belegschaft und Politik den Erhalt aller Arbeitsplätze verspräche, wäre unglaubwürdig. Die Branche hat massive Überkapazitäten, die ohnehin abgebaut werden müssen. Das wissen auch die Wahlkämpfer, wenngleich sie mit ihrem Schaulaufen vor Opelanern so tun, als ließen sich Opfer vermeiden.

Neue Osnabrücker Zeitung: Botschaft aus Turin

Osnabrück. Alarm in Kaiserslautern, 3490 Arbeitsplätze bei Opel sind in Gefahr. Fiat-Chef Sergio Marchionne brachte gestern aus Turin diese Hiobsbotschaft mit nach Berlin, als er dort seine Pläne für eine Beteiligung an Opel und seine Visionen von einem der größten Autokonzerne der Welt präsentierte. Die Befürchtungen der Opelaner scheinen sich also zu bestätigen. Allerdings werden auch die Italiener mit sich handeln lassen. Und dass ein wie auch immer geartetes Weiterbestehen der Opel-Fabriken in Europa ohne Jobabbau über die Bühne geht, können sowieso nur Träumer glauben. Auch Magna oder andere Investoren werden Arbeitsplätze streichen, denn überall gibt es Überkapazitäten.

Westfalen-Blatt: Das Beziehungsgeflecht hinter der Opel-Übernahme

Bielefeld. Was wird aus Opel? Das ist auch seit gestern, seit sich Vertreter der Bundesregierung zum wiederholten Mal mit möglichen Investoren getroffen haben, nicht klar. Immerhin lassen sich nach all den Wochen zwei Aussagen zur Zukunft von Opel machen. Erstens: Es wird einen Investor geben. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) möchte, dass er Fiat heißt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bevorzugt Magna. Guttenberg hat einen Freund, der im Verwaltungsrat von Fiat sitzt: den Unternehmensberater Roland Berger. Steinmeiers Freund ist der frühere österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat von Magna. Beide werden es sich im Wahlkampf nicht nehmen lassen, ihre Beziehungen zu nutzen. Fragt sich, welche intensiver ist. Zweitens: Dieser Investor wird nicht alle Arbeitsplätze erhalten. Fiat und Magna haben dies auch nie behauptet. Wenn Fiat wochenlang versichert hat, alle Standorte halten zu wollten, hieß das nicht, dass damit auch alle Mitarbeiter bleiben sollten - zumal »alle Standorte« gestern schon auf »drei« korrigiert wurden. In der Automobilbranche bestehen Überkapazitäten. Ob der Opel-Investor nun Fiat oder Magna heißt, er muss und wird sie beseitigen.

(Redaktion)


 


 

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