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Meinungen zum Sitzenbleiben

Kontrovers wird dieser Tage das Sitzenbleiben an Schulen in den Medien kommentiert. Insbesondere der Umstand, dass der Bundesrepublik dadurcch jährlich ein immenser betriebswirtschaftlicher Schaden entsteht, rückt in den Fokus der Kommentatoren. Sie führen Länder an, in denen man auf die "Ehrenrunde" verzichtet.

Neue Westfälische: Sitzenbleiben verdammt teuer

Bielefeld. (Von Bernhard Hänel) Sitzenbleiben gehört in Deutschland zur Schule wie Tafel und Kreide. Dass andere Staaten ohne dieses Instrument auskommen und deren Schulsysteme auch noch deutlich erfolgreicher sind, kümmert die Deutschen nicht. Erschreckend viele Lehrer betrachten die Nichtversetzung als letztes Mittel zur Disziplinierung ihrer Schüler. Doch im Studium sollten sie gelernt haben, dass zumindest ein Teil des Schulversagens ihrer Schüler verursacht wird durch schlechten Unterricht und mangelnde Fähigkeit zur pädagogischen Diagnostik. Sitzenbleiben kommt die Deutschen verdammt teuer: Eine Milliarde Euro kostet die veraltete Methode den Steuerzahler. Hinzu kommen die Kosten für Nachhilfe; nach konservativer Berechnung mindestens eine weitere Milliarde, die die Eltern berappen. Rechnete man noch den verspäteten Eintritt ins Erwerbsleben hinzu, kann einem angst und bange werden ob der von der breiten Mehrheit der Deutschen akzeptierten Ressourcenverschwendung. Was wichtiger ist, zeigt der Blick in die USA: Versetztwerden führt dort bei allen Schülern zu besseren Ergebnissen. Andersherum: In Klassen, in denen schwache Schüler durch Sitzenbleiben ausgesondert wurden, ist der Lernzuwachs der anderen nicht höher als in Klassen, in denen alle mitgenommen wurden.

Neue Osnabrücker Zeitung: Welchen Sinn macht das Sitzenbleiben?

Osnabrück. Das Prinzip des Sitzenbleibens hat in Deutschland Tradition. Und ist laut einer Umfrage aus dem Jahr 2006 bei der Mehrheit von Eltern und Lehrern ein akzeptiertes Instrument, um dem Nachwuchs mit Nachdruck den geforderten Lernstoff einzutrichtern. Doch diese milliardenschweren Disziplinierungsmaßnahmen fruchten offenbar nur in Ausnahmefällen. Das ist peinlich und alarmierend zugleich. Zumal viele Kinder allein schon unter der drohenden Nichtversetzung seelisch leiden. Welchen Sinn macht das Sitzenbleiben also? Frech argumentiert: Mit der Möglichkeit, Schüler in Ehrenrunden zu schicken, können sich Lehrer der schwierigen Kinder entledigen. Das mag in Einzelfällen zutreffen, doch zielt es nicht auf den Kern des Problems. Vielmehr steckt der Fehler im System, das eine im Vergleich mit anderen Ländern einmalige Inflation an Klassenwiederholern erlaubt. Es ist geradezu schizophren, dass Lehrern in - auch wegen Sitzenbleibern - übergroßen Klassen die Zeit fehlt, sich um den einzelnen Schüler zu kümmern, sie aber diese Zeit für eine individuelle Betreuung hätten, wenn es keine Wiederholer und damit kleinere Klassen gäbe. Ziel muss ein System sein, das nicht nur die lernschwachen Kinder auffängt, sondern gleichzeitig auch eine gezielte Förderung der lernstarken Schüler sicherstellt.

(Redaktion)


 


 

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