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Merkel trotzt Ratingagenturen

Schäuble warnt vor Domino-Effekt bei Zahlungsausfall

Trotz Warnungen einer Ratingagentur will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Banken beim nächsten Griechenland-Rettungspaket zur Kasse bitten. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds dürften sich die "eigene Urteilsfähigkeit nicht wegnehmen" lassen, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Sie vertraue vor allem dem Urteil dieser drei Institutionen.

Von Roland Losch

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Montag gewarnt, dass das französische Modell zur Beteiligung privater Gläubiger am Griechenland-Hilfspaket als Zahlungsausfall des Landes gewertet werden könnte. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte vor einem Domino-Effekt. Bei der Zahlungsunfähigkeit eines Landes drohe "die Gefahr der Ansteckung anderer Euro-Länder", sagte er vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die Bundesregierung arbeite daran, diese Ansteckungsgefahr zu verringern.

Führende Banken aus der Eurozone beraten am Mittwoch in Paris über Griechenland-Hilfen, wie eine Sprecherin des internationalen Bankenverbandes IIF sagte. Der "Financial Times" zufolge geht es darum, die Bedingungen für ein längeres Engagement der Institute festzuschreiben. Die EZB will griechische Staatsanleihen der Zeitung zufolge weiterhin als Sicherheit akzeptieren, wenn auch nur eine der drei großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch keinen Zahlungsausfall feststellt.

FDP verteidigt Ratingagenturen

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Volker Wissing verteidigte S&P. Die Finanzmärkte brauchten unabhängige Bewertungen. "Man sollte die Bedenken und Kritik der Ratingagenturen nicht vorschnell verteufeln, sondern versuchen, diese konstruktiv aufzugreifen und bei der Ausgestaltung der Rettungsmechanismen zu berücksichtigen", sagte Wissing "Handelsblatt Online".

Dagegen kritisierte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny die Ratingagenturen: Während die Gläubigerbanken Griechenland stabilisieren wollten, stellten die Bewertungsagenturen ihnen Hindernisse in den Weg, sagte er im Österreichischen Rundfunk.

Bei der jüngsten Griechenland-Hilfe in Höhe von 8,9 Milliarden Euro zahlt Deutschland mit 5,05 Milliarden Euro den Löwenanteil. Bei den Gesamthilfen sei die Bundesrepublik bisher unter dem vereinbarten Anteil von 28 Prozent geblieben, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums. Das werde jetzt nachgeholt. Der deutsche Anteil an den bisher vereinbarten Griechenland-Hilfen beträgt 22,3 Milliarden Euro.

Wulff nach Athen eingeladen

Bundespräsident Christian Wulff ist von seinem griechischen Amtskollegen Karolos Papoulias unterdessen zu einem Besuch in Griechenland eingeladen worden. Er solle vor dem Parlament in Athen sprechen, sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamts. Wenn in Brüssel und Athen die notwendigen Entscheidungen getroffen seien und umgesetzt würden, könnte der richtige Zeitpunkt für eine solche Reise gekommen sein, sagte der Sprecher in Berlin.

(dapd )


 


 

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