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Karmann

Insolvenzverwalter nimmt 400 Kündigungen in der Metall-Gruppe zurück

Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann hat am Freitag überraschend mehrere hundert Kündigungen im Bereich "Metal-Unit" zurückgenommen.

Aufgrund der Entscheidung des Insolvenzverwalters können 400 Karmann-Mitarbeiter im Presswerk sowie im Werkzeug- und Anlagenbau demnach ab Montag ihre Arbeit fortsetzen. In einer Teil-
Betriebsversammlung wurde die Belegschaft über die positive Nachricht informiert. Möglich wurde die Rücknahme der Kündigungen nach Angaben eines Sprechers durch in Aussicht gestellte Aufträge für die Osnabrücker von Seiten VW.

Hermann blickt optimistisch in die Zukunft

Die Entscheidung vom Herbst 2009, die Metall-Gruppe mangels Auslastung zu schließen, wäre damit passé. „Mit unseren hoch motivierten Fachkräften verfügen wir über ausreichende Kapazitäten, um Volkswagen bei seinem Wachstum in Osnabrück mit unseren Dienstleistungen zu unterstützen“, so Hermann am Freitag. Resignation klingt anders.

"Ich freue mich, dass am Montag die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder mit einer Perspektive an die Arbeit gehen können. Wir blicken nach vorne und hoffen, dass wir auch in den nächsten Monaten genug Arbeit für alle haben werden." (Insolvenzverwalter Ottmar Hermann)

Ganz auf der sicheren Seite ist man dennoch nicht: Eine Entscheidung zur Auftragsvergabe wird in den nächsten Wochen erwartet. Hinter den Kulissen heißt es, dass Volkswagen für den durchaus ehrgeizigen Zeitplan in Osnabrück die Metal-Unit dringend benötige. Schließlich will man in dem dort geplanten Werk bald Cabrios aus der Golf-Serie und die Porsche-Modelle Boxster und Cayman von den Bändern rollen sehen.

Hermann will mit der Rücknahme der Kündigungen zugleich bewusst ein Zeichen setzen. "Ich freue mich, dass am Montag die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder mit einer Perspektive an die Arbeit gehen können. Wir blicken nach vorne und hoffen, dass wir auch in den nächsten Monaten genug Arbeit für alle haben werden", so Hermann, der auf die Verlässlichkeit der Wolfsburger baut.

Gewerkschaft: Positive Effekte durch VW-Einstieg

Die IG Metall Osnabrück sieht sich durch die Maßnahme des Insolvenzverwalters darin bestätigt, dass bereits die Wiederbelebung
der Fahrzeugproduktion durch die Volkswagen AG weitere Arbeitsplätze in Osnabrück gesichert hat.

Volkswagen hatte Ende November 2009 den Automobilstandort Osnabrück mit der Entscheidung gerettet, dort ein Automobilwerk für 1.000 Mitarbeiter zu errichten. Andernfalls hätten die Mitarbeiter des insolventen Autobauers allesamt ihren Job verloren. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann hatte aufgrund ausbleibender Zahlungen mehrfach mit einer zu geringen Liquidität des insolventen Unternehmens zu kämpfen.

Zwar ist von den ehemals 7.000 fest angestellten Karmann-Mitarbeitern nur ein geringer Teil  übrig geblieben, jedoch war die von vielen helfenden Händen aus der Politik und regionalen Wirtschaft begleitete Entscheidung ein durchaus positives Signal für den Standort Osnabrück. Ganz im Gegenteil zum Standort Rheine, für den es nach Einschätzung des Insolvenzverwalters keine realistische Perspektive mehr gab. Dort gingen kürzlich die Lichter aus.

Investorengespräche laufen

Derzeit sind neben der Metall-Gruppe (Metal Unit) auch die "Dachsystemsparte" und die Abteilung "Technische Entwicklung" Gegenstand von Investorenverhandlungen. Alle drei Bereiche sollen unabhängig voneinander als eigene Unternehmen fortgeführt werden. Als Problemkind galt lange Zeit eben jene Metall-Gruppe. Die Wiedereinstellung von Mitarbeitern macht vor diesem Hintergrund Hoffnung. Auch mit Daimler konnte der insolvenzverwalter inzwischen eine Gesamtlösung für noch ausstehende Zahlungen erzielen.

Weiter fortgeschritten sein sollen zudem die Verhandlungen in der Karmann-Dachsystemsparte. Dort versucht man derzeit politisch noch die kartellrechtlichen Aspekte auszuloten, die insbesondere den Bieter Magna betreffen. Die Kartellwächter hegen Bedenken gegen einen Magna-Einstieg, weil der Markt für Dachsysteme in Deutschland nur unter sehr wenigen Anbietern aufgeteilt ist.

Die Fahrzeugentwicklung der Osnabrücker widmet sich wiederum den Aufträgen des Oldenburger Energieversorgers EWE für ein Elektromobil und entwickelt gleichzeitig Prototypen für Pakettransporter mit Elektroantrieb. Nur der Karmann-Fahrzeugbau bleibt weiter eingemottet.

Insolvenzverwalter: Noch keine Entwarnung

Doch Insolvenzverwalter Ottmar Hermann gibt trotz der allgemein positiven Grundstimmung noch keine Entwarnung: Sollte in den kommenden Wochen wider erwartend ein auskömmliches Auftragsvolumen ausbleiben, so kann Hermann die Schließung der Metall Gruppe weiterhin nicht ausschließen.

Aber wo ein Wille ist, ist häufig auch ein Weg. Das hat sich auch zuletzt gezeigt. Die niedersächsische Landesregierung kündigte bereits zum Jahresende an, beim Einstieg eines Investors mit Bürgschaften zu helfen.

(Onur Yamac)


 


 

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