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Nach dem Gutachten

Die Meyer Werft und die Umweltschützer

Am Freitag ist im emsländischen Papenburg ein Gutachten vorgestellt worden, welches die Landkreise Leer und Emsland in Auftrag gegeben hatten. Hintergrund sind Forderungen von Umweltschützern, die Meyer Werft vollständig oder teilweise zur Küste hin zu verlagern. Doch kurz nach der Veröffentlichung üben diese bereits wieder Kritik.

Emsland-Landrat Hermann Bröring (CDU) und der Landrat des Landkreises Leer, Bernhard Bramlage (SPD), stellten das von ihnen in Auftrag gegebene Gutachten am Freitag vor. Mit dabei: Olaf Krawczyk vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) in Hannover, das die Expertise durchgeführt hatte. Krawczyk hatte bereits im Sommer 2009 zur Schiffsbauzuliefererindustrie an der Unterems publiziert (PDF-Dokument).

Gutachten: Teilverlagerung bringt Produktivitätsverlust

Die Forscher haben eine Bestandsaufnahme vorgenommen, welche Effekte von den Aktivitäten der Meyer Werft als einem der größten Arbeitgeber der Region ausgelöst werden und wozu eine komplette bzw. Teilverlagerung der Werft führen würde.

Eine Teilverlagerung der Endmontage der Schiffe an einem zusätzlichen Standort im Emsmündungsbereich soll nach den Berechnungen der Gutachter  einen Produktivitätsverlust und eine Verteuerung der Kreuzfahrtriesen um bis zu 8% zur Folge haben. Ganz zu schweigen von einer Komplettverlagerung, die betriebswirtschaftlich völlig aus dem Kostenrahmen fallen würde. Die komplette Verlagerung würde laut Gutachten den Verlust von rund 2.700 direkten Arbeitsplätzen bedeuten und sich auch auf den Bestand von Zuliefererbetrieben mit ihren rund 3.000 Arbeitsplätzen auswirken. Zwar dürfte ein Teil der Jobs andernorts neu entstehen - für die Region wären sie aber futsch.

Landkreise befürchten wegbrechende Gewerbesteuern

Doch natürlich befürchten die Landkreise nicht nur die Standortverlagerung, sondern auch einbrechende Gewerbesteuern und Weggang von Know-how aus der Region, deren wirtschaftlicher Dreh- und Angelpunkt eben die Meyer Werft ist. Um sie herum sind viele Zuliefererer als Satelliten in der Region aus dem Boden geschossen oder konnten als angestammte Betriebe von Aufträgen der großen Werft profitieren. Auch sie könnten bei einer bisher hypothetischen Werft-Komplettverlagerung in einen Art Werft-Sog gezogen werden und ihre Umlaufbahn aus Papenburg, den Landkreisen Leer und Emsland am neuen Standort orientieren. Dann hätten die Umweltschützer zwar ihr Recht, aber ihre Familien und Nachbarn keinen Job mehr. Ein Dilemma für die Verantwortlichen bei der Werft und in der Politik. Zuletzt wehrte man sich deshalb auch erfolglos vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg gegen die Ausweisung der Unterems als Natura-2000 Schutzgebiet. Immer mit dabei: die Sorge um den größten Arbeitgeber und Auftraggeber in der Region.

Meyer Werft: Erfolg entsteht nicht immer am Reißbrett

Dass Großes und Erfolgreiches nicht immer am Reißbrett von Experten oder Beratern wirtschaftlich aufblüht, sondern vielfach  aus widerspenstigen  Charakteren, wie Joseph L. Meyer, einem Vorfahren von Werftchef Bernard Meyer, an höchst ungewöhnlichen Orten wie dem Emsland entsteht, dürfte nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Gleiches findet sich vielerorts: die Herrenknecht AG, einer der weltweite Marktführer für U-Bahn Tunnelfräsmaschinen, hat beispielsweise ihren Sitz fernab jeder U-Bahn mitten im Schwarzwald; Deutschlands Finanzzentrum ist wiederum Frankfurt am Main und liegt eben nicht in der Hauptstadt wie es in Großbritannien oder Japan der Fall ist; und Adi Dassler (Adidas) schuf sein Imperium nunmal auch im beschaulichen Herzogenaurach.

Umweltschützer: Rechtfertigung für Emskanal

 „Der Fortgang der Meyer Werft als bedeutendster Kristallisationskern in der Region hätte dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt und das innovative Potential der Region“, betonen deshalb auch Bröring und Bramlage. Die Ems-Schützer, die ihnen gegenüber stehen, verweisen hingegen auf die Verschlickung der Ems, die teuren Baggerarbeiten vor jeder Schiffsüberführung am Emssperrwerk und haben Sorge, dass das Gutachten u.a. der Rechtfertigung eines Emskanal parallel zur Ems dienen soll. Das Projekt stößt bei Umweltschützern ebenfalls auf Ablehnung. Alle Seiten sollten ihr Handeln deshalb sehr genau abwägen.

Aktualisiert: 2.3.2010

(Onur Yamac)


 


 

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