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Militär-Airbus

Eine schlecht konstruierte Abdeckplatte bringt A400M in weitere Turbulenzen

Schon jetzt ist der Militär-Airbus A400M Jahre im Verzug. Nun gibt es einen neuen Konstruktionsfehler - diesmal in den Triebwerken. Dennoch hält Airbus an den Auslieferungsterminen für das Militärtransportflugzeug ab 2013 fest.

Von Patrick von Krienke

Durch den Austausch einer Metallabdeckung im Inneren der Triebwerke werde es lediglich bei einer einzigen Maschine für die französischen Streitkräfte zu einer leichten Verzögerung kommen, sagte ein Sprecher von Airbus Military. Es ist ausgerechnet die erste Serienmaschine. Aber alle anderen Flugzeuge sollen nach Plan an die Kunden übergeben werden.

Zuvor hatten Medien berichtet, dass sich die Auslieferung der ersten Militär-Airbusse durch den Defekt erheblich verzögern könne. Aufgrund des technischen Fehlers musste der A400M bei der traditionsreichen Luftfahrtschau im englischen Farnborough am Boden bleiben. Deshalb schaut neben dem Erstkunden Frankreich auch die Bundeswehr genau hin, die Ende 2014 den ersten neuen Transporter erhalten soll.

"Normale Probleme"

"Solche Probleme sind in der Entwicklungsphase keinesfalls ungewöhnlich", sagt Luftfahrtexperte Walter Streiff. Er bewertet bei einem deutschen Rückversicherer die technischen Risiken für Flugzeuge. Und die Triebwerke seien nun mal in einer Testphase. Ziel dieser Belastungsproben sei es, gezielt solche Fehler und Unstimmigkeiten zu finden, bevor der Typ in Großserie gehe. So betont Streiff: "Es ist vollkommen normal, dass es Probleme gibt, wenn Tausende Teile das erste Mal mit Belastung auf Dauer zusammenwirken." Insgesamt sei der A400M nicht stärker durch solche Rückschläge betroffen als vergleichbare Projekte.

Die Probleme hatten sich nach Airbus-Informationen beim sechsten Vorserienexemplar (MSN6) des A400M gezeigt. Die Maschine hatte von der Europäischen Luftsicherheitsagentur (EASA) eine vorläufige Betriebsgenehmigung über 300 Flugstunden für den Belastungstest erhalten. Während der Untersuchungen fanden die Ingenieure nach gut 160 Betriebsstunden Metallpartikel im Ölkreislauf eines Triebwerks. Der Flugbetrieb wurde vorsichtshalber sofort ausgesetzt.

Grund für den Abrieb ist nach Angaben des Triebwerksherstellers Europrop International (EPI) eine Abdeckplatte an der automatischen Propellersteuerung. In ihr sei wegen der Belastung ein Riss entstanden. Die Metallspäne hätten aber keinen messbaren Einfluss auf die Leistung oder die Sicherheit des Aggregates gehabt, betonte ein Firmensprecher von EPI gegenüber der dapd. Inzwischen habe man eine neue Abdeckung entwickelt, die jetzt in alle bereits verbauten Triebwerke nachgerüstet werde und den Belastungen standhalten soll.

Vollständige Musterzulassung erst 2013

Nun muss Airbus eine neue Betriebserlaubnis für die weiteren Tests erhalten. Es wird damit gerechnet, dass sich dadurch die vollständige Musterzulassung bis in das erste Quartal 2013 verschieben wird. Bislang haben die sechs Vorserienexemplare des A400M nach Herstellerangaben mit Sonderzulassungen 1.250 Flüge und 3.700 Flugstunden absolviert. In den kommenden Jahren soll der A400M an sechs europäische Luftwaffen, die Türkei und Malaysia ausgeliefert werden.

Bei der Bundeswehr wird die viermotorige Maschine die gut vierzig Jahre alte C-160 Transall mit ihren zwei Triebwerken ablösen und die schnelle Verlegung von Truppen und Gerät über weite Distanzen ermöglichen. Von den ursprünglich 60 geplanten Maschinen für die Luftwaffe will Deutschland momentan noch 53 abnehmen und 13 direkt weiterverkaufen. Die verbleibenden 40 Maschinen sollen dann im niedersächsischen Wunstorf stationiert werden.

Langfristig ist im Rahmen der European Air Group (EAG) ein gemeinsames A400M-Geschwader auf europäischer Ebene geplant.

(dapd)


 


 

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