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Angst vor Entlassungen bei Müller Brot

Nach der beantragten Insolvenz wächst die Wut auf die Gesellschafter

Vor einer Bäckereifiliale neben der riesigen Fabrik von Müller-Brot in Neufahrn wird für Faschingskrapfen geworben: "Auf zum närrischen Treiben", steht auf dem Plakat. Doch zum Lachen ist den Mitarbeitern der Großbäckerei, die am Vortag Insolvenz angemeldet hat, wahrlich nicht zumute. Die meisten Beschäftigten schleichen am Freitagmorgen wortlos durch das Drehkreuz am Haupteingang, viele wirken resigniert und winken ab.

Von Karl-Wilhelm Götte

Ein Maschinenführer ist bereit zu reden: "Ich habe Angst", sagt der 35-Jährige. Er und seine Kollegen hätten schon lange geahnt, dass es der Firma schlecht gehe. In den vergangenen Jahren habe Müller-Brot immer wieder verspätet die Löhne überwiesen. "Ich habe mein Geld häufig erst zwei Wochen später bekommen", sagt der Mann, der seit 14 Jahren in der Semmel- und Baguette-Anlage arbeitet.

Verdreckte Maschinen, Mehlwürmer, Mäusekot und Schaben: In den vergangenen Monaten eskalierten die Hygieneprobleme bei Müller-Brot. Nach einer Zwangsstilllegung des Betriebs über zweieinhalb Wochen kamen am Freitagmittag 25 Kontrolleure, um Teile des 55.000 Quadratmeter großen Firmenareals zu inspizieren. Nach stundenlanger Prüfung entschieden sie am Abend: Müller-Brot mit seinen 1.300 Mitarbeitern darf immer noch nicht produzieren.

Die Reinigungsarbeiten hätten nicht ausgereicht, sagt der Leiter der Hygiene-Task-Force, Thomas Becker. Demnach wimmelt immer noch Ungeziefer umher. Dem vorläufigen Insolvenzverwalter Hubert Ampferl zufolge konnten die Putzkräfte nicht bezahlt werden: "Das Unternehmen verfügt über keinerlei Liquidität mehr." Er müsse jetzt erst einmal mit den Gläubigern verhandeln, dass diese Mittel für Reinigungsarbeiten zur Verfügung stellen.

"Pure Profitgier"

Der Maschinenführer versichert am Morgen noch: "Bis gestern haben wir geputzt. Es ist alles sauber." Die Verunreinigungen, so habe er beobachtet, seien über Jahre entstanden. Der Familienvater vermutet, dass die Unternehmensleitung am Reinigungspersonal gespart habe.

Die Gewerkschaften erheben nach der Pleite schwere Vorwürfe gegen die Gesellschafter der Großbäckerei, Klaus Ostendorf und Michael Philipps. "Aus purer Profitgier hat Müller-Brot die Hygiene im Betrieb vernachlässigt", sagt der DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena. "Es ist unerträglich, dass für dieses unfassbare Management-Versagen jetzt allein die Beschäftigten büßen sollen."

Ostendorf und Philipps seien Multimillionäre, die mit ihrem Geld Banken und Investoren gewinnen könnten, um den Betrieb zu stützen. Doch für sie zähle nur die Größe der eigenen Geldkoffer, sagt Jena. Auch Mustafa Öz von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist wütend und wirft den Eignern vor, sie entzögen sich ihrer Verantwortung. "Sie hätten die Mittel, das Unternehmen zu retten", sagt er. Stattdessen ließen sie es fallen.

Neufahrns Bürgermeister Rainer Schneider rechnet mit Massenentlassungen bei Müller-Brot: "Einige Hundert Mitarbeiter werden wohl freigestellt." Für den Ort mit 20.000 Einwohnern sei das ein Riesenproblem.

(dapd )


 


 

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