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Kommentar von Christopher Kalbhenn

Zum zurückgewiesenen Gegengebot der Nasdaq OMX für die Nyse Euronext

Im Boxkampf um die Nyse Euronext hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, die zweite Runde gegen den CEO der Nasdaq OMX, Robert Greifeld gewonnen. Ablesbar ist das an der Kursreaktion. Mit steigenden Notierungen quittierte die Aktie des Frankfurter Marktbetreibers die Abfuhr, die die Nyse Euronext dem Gegengebot von Nasdaq OMX und Intercontinental Exchange erteilt hat. Anfang April war die Aktie nach dem Gegengebot noch in die Knie gegangen.

Die Abfuhr ist ebenso wenig überraschend wie das Gegengebot. Schließlich pflegen die beiden New Yorker Börsen seit Jahrzehnten eine leidenschaftliche Feindschaft. Ein Gebot des "Emporkömmlings" Nasdaq musste bei der altehrwürdigen New York Stock Exchange auf Granit beißen, zumal deren CEO Duncan Niederauer die Aussicht, CEO des aus der Fusion mit der Deutschen Börse hervorgehenden Unternehmens zu werden, als wesentlich attraktiver empfindet.

Zudem stößt die "inneramerikanische Lösung" der Nasdaq OMX auf erstaunlich wenig Begeisterung in den USA, sondern im Gegenteil sogar auf Vorbehalte. So ist die Befürchtung ausgesprochen worden, dass eine Fusion von Nyse Euronext und Nasdaq OMX in New York mehr Arbeitsplätze vernichten würde als die Fusion mit der Deutschen Börse. Auch der drohende Verlust von Wettbewerb unter den amerikanischen Listing-Plattformen, von der Nasdaq OMX mit einer gehörigen Portion Chuzpe als Stärkung der US-Börsen verkauft, ist moniert worden.

Nasdaq-Gebot mit Schwächen

Schwerer wiegen jedoch die betriebswirtschaftlichen Schwachpunkte des Nasdaq-Gebots. Das Unternehmen würde seine bereits erhebliche Verschuldung weiter hochfahren. Zudem würde mit der Terminmarktsparte Nyse Liffe ausgerechnet der profitabelste Bereich der Nyse Euronext abgetrennt. Nasdaq/Nyse blieben im Derivatebereich lediglich Plattformen im hochkompetitiven, margenschwachen und mit erheblichen Marktanteilrisiken behafteten amerikanischen Optionsmarkt. Ansonsten würde das Unternehmen weitestgehend auf das Aktiengeschäft fokussiert sein, das unter Marktanteil- und Margenerosion leidet.

Greifeld muss daher in den kommenden Wochen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Investoren für die Werthaltigkeit einer Nasdaq/Nyse-Aktie zu begeistern. Somit stehen noch ein paar interessante Runden bevor, ehe im Sommer die Punktrichter in Gestalt der Anteilseigner der Nyse Euronext über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Der Autor schreibt für die in Frankfurt/Main erscheinende "Börsen-Zeitung".

(ots/Redaktion)


 


 

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