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Nordsee

Riesiger Ölfund hat kaum Bedeutung für Energiesicherheit

In der Nordsee auf große Erdölvorkommen zu hoffen, galt in den vergangenen Jahrzehnten als relativ aussichtslos. Deshalb sorgte die Nachricht des norwegischen Energiekonzerns Statoil, zusammen mit Partnerfirmen auf ein "Riesenfeld" mit 500 Millionen bis 1,2 Milliarden Barrel Öl gestoßen zu sein, am Dienstag für Überraschung.

Von Katrin Aue

Als "historischen Nordsee-Ölfund" feierte ihn Statoil selbst. Die beiden Ölfelder Aldous und Avaldsnes in der Nordsee seien - unerwarteterweise - miteinander verbunden und führten deutlich mehr Öl. Tim Dodson, Statoil-Vizepräsident für den Explorationsbereich, sagte vor Journalisten: "Norwegen hat einen solchen Ölfund seit Mitte der 80er Jahren nicht mehr gesehen."

Das klingt gewaltig, und tatsächlich staunen auch Fachleute. Doch am Grundproblem der weltweiten Ölknappheit wird sich durch das neue Feld nichts ändern. "Bei einem globalen Ölverbrauch von mehr als 90 Millionen Barrel pro Tag relativiert sich die Größenordnung schnell", sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Umgerechnet reicht das neue Feld im besten Fall gerade mal für 13 Tage Weltversorgung.

Die globalen Ölvorräte sind seit mindestens zehn Jahren ein hoch sensibles Thema. Die Kernfrage lautet: Wann ist der Höhepunkt der Ölförderung ("Peak Oil") erreicht? Nachrichten über den Zustand dieser Energievorräte konnten Aktienmärkte beeinflussen oder Regierungsprogramme zur Förderung alternativer Energiearten auslösen. Im Hintergrund stand stets die Sorge, die Ölvorräte könnten schneller schwinden als die Staaten sich Ersatz erschließen können. Diese Sorge bleibt auch nach dem jüngsten Fund.

Das Ölfeld ist ein "großer Fisch"

Dabei hatte kaum jemand mit einem so ausgedehnten Feld in Norwegen gerechnet. Als "großen Fisch" bezeichnete ihn etwa der Energieexperte der Ludwig-Bölkow- Stiftung , Werner Zittel. Gleichzeitig aber warnt er vor Euphorie: "Es gibt Norwegen im besten Fall eine kleine Verschnaufpause", sagte Zittel der Nachrichtenagentur dapd. Denn Norwegens Ölindustrie schwächelt.

Seit Jahren werden eher Felder in der Größenordnung von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl aufgetan. Die größten Vorkommen in der Nordsee hatten zwar eine Größe von vier bis fünf Milliarden Barrel Öl, doch sie wurden in den 1980er Jahren erschlossen. "In den letzten zehn Jahren hat sich die Fördermenge in Norwegen um etwa fünfzig Prozent reduziert", sagt Energieexperte Zittel, "daran gemessen wird die Erschließung des Feldes vielleicht ein bis zwei ertragreiche Jahre für die norwegische Ölindustrie bringen."

Öl wird knapper

Das war es dann aber auch schon. International gehört der Fund längst nicht zu den bedeutenden. Das weltgrößte bisher bekannte Feld etwa, Ghawar in Saudi-Arabien, hat eine geschätzte Kapazität von mehr als 1000 Milliarden Barrel. Jeden Tag werden hier fünf Millionen Barrel Öl gefördert. "Das neue Feld ist zwar verblüffend groß", wertet deshalb auch der britische Geologe Colin J. Campbell. "Aber es verändert die internationale Versorgungssituation nur minimal." Campbell warnt schon seit den 1990er Jahren davor, dass der Höhepunkt der weltweiten Öl-Förderung ("Peak Oil") unmittelbar bevorstehe oder bereits überschritten sei. "Wir sehen längst, wie sich deshalb die Produkte verteuern", sagte Campbell. "Daran ändert langfristig auch ein neues Feld in der Nordsee nichts."

Dem stimmt, gerade angesichts weiter steigender Nachfrage nach Öl, auch DIW-Expertin Kemfert zu: "Die aktuellen Ölfunde in der Nordsee, in Brasilien oder Afrika können die bisherigen Felder nicht überkompensieren." Das heißt: In Zukunft kann nicht mehr Öl gefördert werden als bisher. Bei steigender Nachfrage wird das Öl knapper, "Riesenfund in Norwegen" hin oder her.

(dapd )


 


 

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