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Nordseewerke Emden

Auf Traditionswerft entstehen Offshore-Elemente - Serienproduktion läuft an

Die ostfriesische Stadt Emden ist exemplarisch für den Strukturwandel an der Nordseeküste. Die Offshore-Industrie hat dem Schiffbau als großer Arbeitgeber den Rang abgelaufen. Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei den Nordseewerken. Eine der größten und ältesten deutschen Werften hat sich binnen 18 Monaten vom Schiffbau verabschiedet und der Windkraft zugewandt. In diesen Tagen beginnt die Serienproduktion von Türmen, Fundamenten und Umspannwerken für Windparks auf hoher See.

Von Normann Berg

Auf den ersten Blick sieht es bei den Nordseewerken aus wie immer. Mitarbeiter radeln wie jeher auf skurrilen Betriebsfahrrädern über das 55 Hektar große Gelände. Im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes empfängt die Besucher weiterhin der Charme der 1950er Jahre, inklusive zahlreicher Modelle der ruhmreichen Schiffbau-Ära und eines Wandbilds aus Mosaikfliesen, das die Emsmündung zeigt.

An der Kaimauer steht ein Trockendock und über allem prangt der 70 Meter hohe Bockkran. Das orangefarbene Bauwerk mit einer Tragfähigkeit von 400 Tonnen ist eines der Wahrzeichen der Stadt Emden.

"Das soll es auch bleiben. Der Kran ist auch für uns ein wichtiges Werkzeug", sagt der Sprecher des neuen Werftbesitzers SIAG, Christian Adamczyk. SIAG steht für Schaaf Industrie AG. Das Unternehmen aus Dernbach im Westerwald hat sich vom klassischen Stahlbauer zum Zulieferer der Energiebranche gewandelt und die Nordseewerke als Türöffner zum lukrativen Offshore-Markt ausgeguckt.

58 Meter hohe Stahlfundamente

106 Jahre lang war unabhängig von der langen Besitzerliste von Hugo Stinnes über Rheinmetall bis Thyssen klar: Wo Nordseewerke dransteht, sind Schiffe drin. Seit Beginn des Jahres 2010 ist das anders. Die SIAG Nordseewerke bauen auf Windkraft. Zwei von vier Helligen, schräg abfallende Bauplätze für Schiffe, wurden abgerissen. Der dadurch gewonnene Platz wird für andere Riesenbauwerke benötigt.

Die neue Fläche reicht für bis zu 28 Tripods. Die 35 Meter breiten und 58 Meter hohen Stahlgiganten sind die Fundamente der künftigen Offshore-Anlagen.

Anfang März zog SIAG einen Großauftrag zum Bau von 40 Tripods an Land. In Halle I befindn sich die vorbereitenden Arbeiten in den letzten Zügen, erste Teile von haushohen Prototypen liegen in speziellen Haltegerüsten. Hier sollen die Stahlelemente künftig hintereinander geschnitten, gewalzt, zusammengeschweißt, konserviert und endmontiert werden. In Halle II steht bereits die Fußsektion eines künftigen Tripods, Pile genannt.

Bei Türmen und Fundamenten soll es nicht bleiben. "Es sind Aufträge für mehrere Umspannwerke eingegangen", sagt der Geschäftsführer der SIAG Engineering GmbH, Axel Kaiser. Die 60 mal 30 Meter großen und 4.500 Tonnen schweren Konstrukte werden nach Angaben des 48-Jährigen für ein Offshore-Projekt in der Nordsee gebaut.

Seit 41 Jahren bei den Nordseewerken

Umspannwerke gelten als Herzstücke der Windparks. Sie werden auf dem Meeresboden verankert, stehen mehrere Meter über der Wasserlinie und ermöglichen den Abtransport des auf See gewonnenen Stroms an Land. Derzeit läuft in Emden die Detailkonstruktion am Computer.

Wo Nordseewerke dransteht, gehört seit 41 Jahren auch Johann Klooster dazu. Er ist einer von 700 Mitarbeitern, die SIAG übernommen hat. "Ich bin Stahlbauschlossermeister, Schiffbauer darf ich mich ja nicht mehr nennen", sagt der 57-Jährige.

Probleme mit der Umstellung hat er nach eigener Aussage nicht. "Schiffbau war gestern. Das ist jetzt unsere Zukunft", fügt der Ostfriese hinzu und zeigt auf einen großen Stahlturm. Seine neue Arbeit bezeichnet Klooster als Herausforderung. Die Qualitätsanforderungen seien bedeutend höher. Jede Schweißnaht werde doppelt und dreifach geprüft.

Trotz allem schwingt in seinen Worten ein bisschen Wehmut mit. Die Erinnerungen an den Schiffbau sind allgegenwärtig. Gedanken an ein Wiederaufleben schiebt Adamczyk jedoch einen Riegel vor. "Das ist nicht unser Business", sagt der SIAG-Sprecher.

(dapd )


 


 

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