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Nordseewerke Emden

Nicht das Ende, aber eine Chance für viele auf der Werft

„Keine Fotos“ brummte am Donnerstagabend ein Werkschützer am Einfahrtstor der Emdener Nordseewerke unserem Fotografen entgegen. Anlass war wohl weniger der Schutz von Betriebsgeheimnissen, als die Unsicherheit nach der gestrigen Bekanntgabe von Plänen des Mischkonzerns Thyssen-Krupp, sich von der Werft trennen zu wollen.

Dieser Eindruck sitzt bei den Männern tief – auch wenn bereits ein Nachfolgeunternehmen feststeht, das dort mit einer Vielzahl von Mitarbeitern im zukunftsträchtigen Geschäftsfeld Offshore-Windkraftanlagen aktiv werden will. Denn auf der Emdener Traditionswerft werden bereits seit 106 Jahren Schiffe für den zivilen und militärischen Gebrauch gebaut.

Seit 1974 sind die Nordseewerke im Besitz von Thyssen. Wegen der andauernden Wirtschaftskrise ist jedoch der Bau von Handelsschiffen weltweit weitestgehend zum Erliegen gekommen und auch mit weiteren Aufträgen ist in absehbarer Zeit nicht zu rechen, so die Einschätzung der Manager der Konzernsparte Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS).

Thyssen-Krupp: Rückzug aus dem Werftgeschäft

Nach Medienberichten will sich Thyssen-Krupp womöglich ganz aus dem kriselnden Werftgeschäft zurückziehen. TKMS möchte mit dem Rückzug aus dem ostfriesischen Emden kurz- bis mittelfristig aber auch die Werften in Hamburg (Blohm + Voss) und Kiel (HDW) besser auslasten.

In Emden werden derzeit schon 300 Mitarbeiter aus Hamburg eingesetzt. Gespräche über die Zukunft der beiden verbliebenen Werften werden derzeit geführt, wie Mitte des Jahres an die Öffentlichkeit gelangte. Angesichts der Milliardensummen, die der Konzern eigenen Angaben zufolge einsparen muss, geht jedoch auch dort die Sorge über die eigene Zukunft um.

Übernahme bereits zum 1. Oktober

Die SIAG Schaaf Industrie AG mit Sitz in Dernbach (Rheinland-Pfalz) will die Nordseewerke in Emden mit einem Großteil der Mitarbeiter bereits zum 1. Oktober 2009 übernehmen. Nach dem Ende der geplanten Umstrukturierungen sollen am Standort ca. 1.200 Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden, von denen die SIAG letztlich 721 Mitarbeiter übernehmen will. Über 500 Arbeitsplätze sollen somit wegfallen.

Das U-Boot-Geschäft will TKMS mit weiteren 300 Mitarbeitern in Emden vorerst weiterführen. Jedoch will sich Thyssen-Krupp bis 2011 auch mit dieser Sparte ganz aus Emden verabschieden. Zwar eröffnet sich durch die SIAG-Übernahme der Nordseewerke anders als bei den Kollegen der Rostocker Wadan Werft glücklicher Weise eine durchaus erfreuliche Zukunftsperspektive, es würde jedoch gleichzeitig auch das Ende für den Schiffsbau in Emden bedeuten. Zumindest befürchten das viele.

Wadan-Schicksal bleibt Emdenern erspart

Deshalb verwundert es kaum, dass die Emdener Werftarbeiter dieser Tage sehr wehmütig mit dem Verkauf ihrer Nordseewerke umgehen. Vor allem stellt sich vielen die Frage danach, was einmal nach der Offshore-Ära kommen mag. Zwar boomt das Geschäft durch die Errichtung zahlreicher Windparks in der Nordsee und sicher werden auch Anlagen in andere Winkel der Welt exportiert, jedoch können sich viele in Emden nicht damit anfreunden, dass TKMS mittelfristig den Schiffbau in Emden komplett einstellen will.

Gleichzeitig schwingt in Gesprächen mit Werftarbeitern immer der Gedanke mit, dass es ja auch schlimmer hätte kommen können. Stichwort: Wadan. Insofern sind viele Arbeitsplätze in Emden vorerst auf Jahre gesichert. Diejenigen, die bald ihren Job verlieren, dürfte dies kaum trösten, diejenigen, die bleiben können, verfolgen derzeit genau die Entwicklungen im Bereich Offshore-Windenergie. Es ist nicht verwunderlich: ihre Zukunft hängt davon ab.

SIAG: Emden ist Zukunftsstandort

Erstmalig wird in Emden mit der Übernahme eines Werftstandortes auch aus einer kompletten Werft samt Mitarbeitern ein Standort für Offshore-Windanlagen gemacht. Mit der Bündelung an einem Standort will SIAG eigenen Angaben zufolge auch selbst Kosten einsparen, indem alle Produkte an einem Standort gefertigt und verladen werden. Stolz spricht man daher in einer Erklärung von „einem Paukenschlag“, mit dem „der größte Zukunftsstandort Europas“ geschaffen werde. 

Betriebsratschef: Schiffbau in Emden fortführen

Insgesamt sollen 40 Mio. Euro in den Standort investiert werden, auch Land und Bund werden helfen, denn Beginn der Produktion ist erst Mitte 2011. Mit dem Auslaufen der U-Boot Fertigung soll dann gleichzeitig im Rahmen eines "sanften Übergangs" die Offshore-Produktion eingeleitet werden. Für diese Zeit besteht Nordseewerke-Betriebsratschef Fritz Niemeier dennoch auf die weitere Auslastung mit Schiffsaufträgen.

Er erklärte am Donnerstag, dass man sich die insbesondere im militärischen Bereich bereits gesicherten Aufträge durch den Rückzug von TKMS nicht wegnehmen lasse und stellte heraus, dass eine parallele Fertigung von Schiffen und Offshore-Windkraftanlagen in Emden möglich sei. Er steht den Plänen zum Strukturwandel bei den Nordseewerken ansonsten positiv gegenüber. Für eine künftige Erholung des Werftgeschäftes möcht er sich dennoch alle Optionen offen halten.

Womöglich bekommt er Schützenhilfe von Industriekommissar Günter Verheugen (SPD). Dieser stimmt derzeit auf einer Schiffbaukonferenz  in Bremerhaven Hilfen für die europäischen Werften mit Verantwortlichen aus der Branche ab.  Da könnte auch für Emden etwas abfallen. Die Umstrukturierungspläne bedeuten für ihn und seiner Männer derweil nicht das Ende, aber sie sind auf jeden Fall eine Chance für viele auf der Werft.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Otto Rasmussen Fogsg
26.07.11 18:32 Uhr
Deutsche U-Booten

I would like to see news about German
Submarines,please

 

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