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Nordwestbahn

Bewährungsprobe für die neue Regio-S-Bahn

Pendler, die am Montagmorgen in Oldenburg mit dem Zug zur Arbeit fahren wollten, waren sich zunächst nicht ganz sicher, ob sie vor dem richtigen Zug standen. Am angestammten Bahnsteig, fanden sie statt des bisherigen rot-weißen einen blau-weiß-gelben Zug vor: die neue Regio-S-Bahn. Nur wenige Pendler ahnen, dass ihre Fahrt zur Arbeit an diesem Montag auch bundesweit Beachtung findet.

Privat betriebene Bahnstrecken gibt es in Deutschland zuhauf. Entgegen aller Unkenrufe, ist der bisherige Platzhirsch Deutsche Bahn (DB) schon seit mehreren Jahren mit zahlreichen Konkurrenten auf der Schiene konfrontiert. Nicht immer mit nachteiligen Folgen: Die Konkurrenten übernahmen in der Vergangenheit nicht selten Nebenstrecken, die dem DB-Konzern nicht lukrativ genug erschienen und daher von einer Ausdünnung des Fahrplanangebotes oder im schlimmsten Fall einer Stillegung bedroht waren. 

Von Düren bis Uelzen: Neues Leben auf den Bahnstrecken

Im Fall der Regiobahn GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Mettmann schlossen sich beispielsweise im Jahr 1992 mehrere Kommunen entlang einer Bahnstrecke zusammen, gründeten eine Verkehrsgesellschaft und investierten nach dem Erwerb von  Abschnitten der Bahnstrecke Mönchengladbach - Neuss - Düsseldorf - Mettman Millionen in moderne Züge und Haltepunkte. Ab 1998 wurden sukzessive ganze Streckenteile von der Deutschen Bahn AG übernommen, insgesamt 22 km. Mit durchschlagendem Erfolg: der Takt konnte vom Stunden- in einen 20-Minuten-Takt ausgebaut werden. 

Ein Vorbild der Mettmanner war zu diesem Zeitpunkt die von der Dürener Kreisbahn GmbH (DKB) betriebene Rurtalbahn. Die DKB mit Sitz in Düren (NRW) erwarb im Jahr 1992 als erste Eisenbahngesellschaft in Nordrhein-Westfalen eine Eisenbahnstrecke von der Deutschen Bahn. Anders als die Mettmanner, fackelte man dort allerdings nicht lange: bereits im Jahr 1993 wurde im Beisein von TV-Wissenschaftsmoderator Jean Pütz mit aufgepeppten Uerdinger Schienenbussen der Verkehr auf der Strecke Heimbach - Düren - Jülich aufgenommen. 

Während man in den 1990ern bei der Regiobahn noch auf die modernen Züge vom Typ "Talent" wartete, sammelte man bei den Dürenern bereits erste Betriebserfahrungen. Seitdem verkehren die Züge mindestens im Stundentakt. Im Jahr 1995 kamen dann erstmals die neuen Triebfahrzeuge vom Typ "Regio Sprinter" zum Einsatz. Wenig später, im Jahr 1999 legte dann auch die Regiobahn mit ihren "Talent"-Zügen los. Aber auch dort hatte sich das Warten gelohnt: anders als die Schienen-Pioniere aus Düren, hatte man dort alle Haltepunkte auf den eigenen Streckenabschnitten rundum modernisiert, behindertengercht gestaltet und mit digitalen Zugzielanzeigen ausgerüstet. 

Deutsche Bahn betreut im Norden die Haltepunkte

Beispiele wie die Nordwestbahn, die u.a. erfolgreich den Betrieb auf den Nebenstrecken Wilhelmshaven - Oldenburg - Osnabrück sowie Bremen - Delmenhorst - Bramsche - Osnabrück betreibt, zeigten bislang, dass dieses Modell auch in Niedersachsen und Bremen aufgeht. Das lukrative Streckenstränge von Privaten übernommen werden, ist bislang aber allenfalls von der Bahngesellschaft Metronom mit Sitz in Uelzen bekannt. Dort betreibt man seit mehreren Jahren u.a. erfolgreich die Strecken Hamburg - Bremen; Cuxhaven - Stade - Hamburg; sowie Hamburg - Uelzen - Hannover.

Anders als bei den Beispielen in NRW, werden in Bremen, Niedersachsen und Hamburg allerdings die Haltepunkte komplett weiter von einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn betreut und instandgehalten. Der hohe Standard der Bahn-Haltepunkte auf den Strecken zwischen Osnabrück und Bremen; sowie zwischen Wilhelmshaven und Osnabrück spricht zugleich dafür, dass auch dies bei entsprechender Regulierung funktionieren kann.

Regio-S-Bahn muss sich im Echtbetrieb bewähren

Der Echtbetrieb der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen seit Montagmorgen ist zugleich auch eine Bewährungsprobe für die Nordwestbahn GmbH in Osnabrück und wird daher auch in der Bahnbranche aufmerksam verfolgt. Insbesondere der störungsfreie Betrieb der neuen Triebfahrzeuge vom Typ "Coradia Continental" im Fahrplan-Takt dürfte daher besondere Bedeutung haben. Doch auch hier ist die Nordwestbahn kein unnötiges Risiko eingegangen: die neuen Fahrzeuge des Herstellers Alstom aus dem Werk Salzgitter sind keine völlige Neuentwicklung, sondern bereits bei anderen Bahnanbietern erfolgreich im Einsatz - das reduiziert  nicht zuletzt das Risiko von Kinderkrankheiten und Fahrzeugausfällen.

Die neue Regio-S-Bahn ist allerdings nicht wie gemeinhin in den Medien kolpotiert, die erste privat betrieben S-Bahn Deutschlands, sondern genauer genommen das erste komplett betriebene private S-Bahn-Netz der Republik. Andere waren da den Nordlichtern bereits ein wenig voraus: so betreibt die Regiobahn aus Mettmann schon seit über 10 Jahren die S-Bahn-Linie "S 28" zwischen Mönchengladbach und Mettmann. Bereits das dortige Streckennetz gibt einen Hinweis auf frühzeitige Aktivität: eine Haltestelle heißt "Neandertal"

(Onur Yamac)


 


 

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