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Luneplate Bremerhaven

Geplanter Offshore-Hafen in der Wesermündung in der Kritik

Nachdem kürzlich die sog "Luneplate" von Niedersachsen an das Bundesland Bremen übergegangen ist, werden nun die Planungen für einen Offshore-Hafen auf dem Gelände in Bremerhaven konkretisiert. Umweltschützer protestieren gegen den gewählten Standort, der von Nordenham (Landkreis Wesermarsch) aus, auf der gegenüberliegenden Seite der Weser liegen wird. Sie fürchten um die dort liegenden Lebensräume von Vögeln und wollen gegen den Eingriff in das als "Natura 2000" ausgewiesene Gebiet notfalls juristisch vorgehen.

Während Bremerhavens Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) die Entscheidung des Bremer Senats für den Bau eines Offshore-Hafens als „klares Signal zum Ausbau des Windenergie- und Wirtschaftsstandorts Bremerhaven“ wertet und durch das Millionenvorhaben von einer Schärfung des Profils als See- und Klimastadt spricht, sind Umweltschützer weniger begeistert. 

Standortwahl: Umweltschützer vs. OB

Im Gespräch waren nach Angaben von BUND-Geschäftsführer Martin Rode demnach 12 Standortalternativen für den geplanten Offshore-Hafen. Die Naturschutzverbände hätten davon 8 unterstützt. Die bekannt gewordene Planung hat hat hingegen keine Unterstützung von Seiten der Umweltschützer, denn sie ist eine der vier übrigen Standortalternativen. Insbesondere für die Umnutzung des Südendes des Containerterminals (CT 1) hatten die Umweltschützer plädiert.

Der Bremer Senat hatte am Dienstag beschlossen, den Hafen für die Offshore-Windenergie bis 2014 zu bauen. Dazu waren nach Angaben der Stadtverwaltung Bremerhaven an insgesamt drei möglichen Standorten die besagten zwölf Hafenvarianten untersucht worden.  Geeinigt hat man sich schließlich auf die beiden Alternativen Erdmannsiel und Blexer Bogen Nord.

Den Umweltschützern gegenüber steht Bremerhavens Oberbürgermeister, der sich im Magistrat seiner Stadt dafür stark machen will, zügig die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Erschließung der Luneplate als Gewerbegebiet zu schaffen und die Bauleitplanung umzusetzen. 

Bremerhaven will führender Offshore-Standort werden

Bremerhaven soll neben Cuxhaven und Emden zum dritten großen Offshore-Standort werden. Als Standortvorteil erweist sich hierbei, dass in Bremerhaven beispielsweise der Windanlagenbauer Multibird (Areva) ansässig ist und in Bremen mit Beluga Shipping auch eine spezialisierte Reederei für den Transport der Offshore-Kolosse. Dasselbe in Cuxhaven (Ambau, CSC und Züblin) und Emden (SIAG, Bard Offshore).

Für Schulz weist der Standort Erdmannsiel gegenüber von Blexen logistische und wirtschaftliche Vorteile auf. Der Umschlag der schweren Offshore-Windkraftanlagen über den bestehenden Bremerhavener Container-Terminal, der übergangsweise geplant ist, kommt aus seiner  nicht als Dauerlösung in Frage. Entsprechend scheidet lehnt er auch die Planung der Umweltschützer für eine Ummnutzung des südlichen Containter-Terminals (CT 1) ab.

Bremerhavens OB besteht auf Transporteffizienz

„Mittel- bis langfristig sind die Logistikkosten durch den Transport vom Produktionsort im südlichen Fischereihafen Bremerhavens zum Container-Terminal im Norden viel zu hoch,“ sagt er.  Das Ziel müsse sein, die Offshore-Standorte auf hoher See ohne große Umwege und häufigen Umschlag direkt von der Produktion über den Schwerlast-Terminal und die Wesermündung zu erreichen, um die Windparks kostengünstig bauen zu können, so der OB weiter.

Außerdem erwartet er, dass die Stromkaje an der Wesermündung in absehbarer Zeit ohnehin wieder durch die Containerlogistik ausgelastet wird,  wenn es mit den Umschlagzahlen nach der derzeitigen Flaute aufwärts gehe. In dieser Aussage schwingt  bereits ein gewisser Konjunkturoptimismus des Bremerhaveners mit.

Standort Erdmannsiel in der Kritik

Während  in der Branche davon die Rede ist, dass der Bau neuer Windparks zwar nicht abreißt, aber aufgrund der derzeit trägen Kreditvergabe der Banken etwas schleppender vorangehen wird, rüstet man sich entlang der Küste für den Offshore-Einsatz. Schließlich gibt es auch im Ausland ein gewaltiges Potenzial. Alles in allem rechnet man mit tausenden neuen Arbeitsplätzen in allen Stufen der Wertschöpfungskette . Schulz hofft durch den künftigen Offshore-Hafen auch auf Neuansiedlungen im Umfeld.

„Der entscheidende Schritt zur Zerstörung der Luneplate wäre aber der erste, nämlich der Hafen am Erdmannssiel. Und den gilt es zu verhindern!“ (BUND-Umweltschützer Martin Rode)

Genau in diese Bresche schlagen aber auch die Umweltschützer von BUND und Nabu. Sie befürchten, dass der neue Hafen von immer mehr Gewerbe eingerahmt wird und die Auswirkungen auf die Umwelt hierdurch noch gravierender ausfallen, wenn der Hafen wie geplant am Standort Erdmannsiel errichtet wird.

Sie rechnen erfreulicher Weise fest mit einem erfolgreichen Wind-Geschäft in Bremerhaven. "Wer zehn Jahre voraus denkt, wird schnell erkennen, wie dann die Hafen- und Gewerbeflächen Stückchen für Stückchen zusammenwachsen werden“, so Martin Rode vom BUND. „Der entscheidende Schritt zur Zerstörung der Luneplate wäre aber der erste, nämlich der Hafen am Erdmannsiel. Und den gilt es zu verhindern!“

Standort liegt in Natura 2000-Gebiet

Hier kommt ein weiteres Problem zum Tragen. Der geplante Hafen liegt in der Wesermündung. Diese ist wiederum als europäischen Vogelschutz- und FFH-Gebiet (Natura 2000-Gebiet Unterweser) an die EU-Kommission in Brüssel gemeldet.

Bereits der Flughafen Münster-Osnabrück musste leidlich Erfahrungen mit solchen Ausweisungen machen. Im Emsland stemmte man sich aus Sorge um die Überführungen der Meyer Werft kürzlich erfolglos mit einer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland gegen eine solche Ausweisung der Ems.

Sollten die Umweltschützer tatsächlich gegen das Vorhaben in Bremerhaven klagen, dürfte die Angelegenheit spannend bleiben. Nur die klammen Niedersachsen können sich derweil freuen. Ihnen brachte der Verkauf von Staatsgebiet wieder Millionen in die Staatskasse. Sollte der Wert der Luneplate aufgrund von Gewerbeansiedlungen steigen, so profitiert Niedersachsen durch vertraglich geregelte Ausgleichszahlungen Bremens davon. Nun heißt es hoffen in Hannover.

(Onur Yamac)


 


 

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