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Offshore-Terminal Bremerhaven

Bremen investiert Millionen in Leuchtturm für die Energiewende

Der Bremer Senat in seiner Sitzung vom 4. Dezember die Finanzierung des Offhsore-Terminals Bremerhaven abgesegnet. Die Freie Hansestadt macht damit den Weg frei für ein Multi-Millionen-Leuchtturmprojekt an der Wesermündung.

Von Onur Yamac

"Diese Entscheidung schafft die Voraussetzung, dass Bremerhaven seine Position als ein Zentrum der europäischen Offshore- Windenergieindustrie weiter ausbauen kann,“ sagte Bremens Landeschef Jens Böhrnsen (SPD) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Er sprach von der "zentralen Infrastrukturentscheidung" der rot-grünen Landesregierung in der laufenden Legislaturperiode.

Die Offshore-Industrie in Bremerhaven hat sich am südlichen Fischereihaven konzentriert. Nicht alle Schiffe können dort aber wegen der Seeschleuse und der damit verbundenen Tiefen- und Breitenvorgaben be- und entladen werden. Bislang müssen die im Fischereihafen  produzierten Windenergieanlagen daher erst zum Container-Terminal im Norden transportiert und dort verschifft werden. Der Offshore-Umschlag konkurriert dort zugleich mit der stark auf zeiteffizienz ausgerichteten Containerlogistik und kann in Spitzenzeiten die Prozessabläufe stören. Bremerhavens OB Jörg Schulz (SPD) erwartete bereits im Jahr 2010, dass die bestehenden Umschlagskapazitäten in absehbarer Zeit wieder mit der Containerlogistik ausgelastet sein werden (business-on.de berichtete). Auch Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) sah die vorhandenen Offshore-Umschlaganlagen ABC Halbinsel und CT I bei der Pressekonferenz am Dienstag nur als Übergangslösung.

In Bremerhaven soll Produktion und Umschlag auf Schiffe daher künftig zentral an einem Standort stattfinden. Um den geplanten Offshore-Hafen herum soll hierfür künftig ein Gewerbepark speziell für die Branche entstehen. Ein Alleinstellungsmerkmal unter den Offshore-Basishäfen. Hierdurch sollen weitere Effizienzpotenziale geschöpft werden und zugleich auch die Schleusenproblematik des Fischreihafens umgangen werden.

Niedersächsisches Staatsgebiet gekauft

Eigentlich sollte der neue Offshore-Terminal Bremerhaven von privaten Investoren gebaut werden. Hierzu hatte Bremen eigens niedersächsisches Staatsgebiet gekauft, wodurch sich die Fläche der Stadt Bremerhaven um ein Fünftel vergrößerte (business-on.de berichetet). Infolge von Ressortstreitigkeiten in der Bundespolitik und ungelöster Netzanschluss- und Haftungsfragen, hatten Banken zuletzt aber Kredite für die milliardenschweren Offshore-Projekte verweigert. In der Folge hielt sich auch die gesamte Offshore-Branche mit Investitionen zurück. Auch an Land und auch in Bremerhaven.

In der Folge hatte Bremen Anfang 2010 angekündigt, die Planungskosten für den Offshore-Terminal Bremerhaven durch die öffentliche Hand vorzufinanzieren. Das Land Bremen wollte sich die vorausgeleisteten Planungskosten später wieder von den Investoren zurück holen. Die Errichtung und der Betrieb des Offshore-Terminals Bremerhaven sollten aber "grundsätzlich [...]  private Investoren vornehmen", so der Senat damals. 

180-Millionen-Euro-Investition

Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Die Baukosten für die Kaje in Höhe von  rund 160 Millionen Euro und die Kosten für Kompensationsmaßnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro trägt nach dem Beschluss vom Dienstag das Land Bremen. Die Finanzierung des Projektes soll über fünf Jahre hinweg aus dem landesbremischen Haushalt heraus erfolgen (business-on.de berichtete). Veranschlagt war der Baubeginn eigentlich bereits für das laufende Jahr. Nun ist das Jahr 2014 angepeilt.

Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner sagte am Dienstag, dass man  mehr als 130 Millionen Euro an Fördermitteln eingesetzt habe, um die Branche am Standort Bremerhaven zu etablieren. Das Arbeitsplatzpotenzial der Windkraft-Branche liegt laut einer vom Bremer Wirtschaftssenator in Auftrag gegebenen Prognos-Studie bis zum Jahr 2040 zwischen 8.100 und 14.500 zusätzlich Beschäftigten. Von diesem Kuchen könnte für Bremerhaven auch etwas abfallen. Bislang sind dort rund um die Offshore-Industrie bereits 3.000 Arbeitsplätze entstanden, namhafte Generatoren-Hersteller wie Areva Multibird haben sich zudem angesiedelt. Die Seestadt steht als Offshore-Basishafen allerdings im Wettbewerb mit den niedersächsischen Hafenstädten Cuxhaven und Emden.

Böhnrnsen: Deutliches Signal an die Industrie

Bremens Landeschef Jens Böhrnsen (SPD) betonte am Dienstag, dass die Entscheidung für das Leuchtturmprojekt auch ein deutliches Signal für die Offshore-Branche sei, dass die Energiewende tatsächlich weiterverfolgt werden. Auch die Bundesregierung hat die Rahmenbedingungen kürzlich mit der Vorstellung einer Haftungsregelung für Offshore-Windparks verbessert und damit noch einmal unterstrichen, dass das ambitionierte Mega-Projekt Energiewende weiter auf der politischen Agenda von Kanzlerin Angela Merkel steht.

Auch die Windkraft-Branche ging auf Nummer sicher: sie lässt ihre Interessen seit kurzem gebündelt von mehreren Spitzenverbänden in Berlin gegenüber Politik und Ministerien vertreten (business-on.de berichtete). Bislang waren der Berliner Bundestag und die Ministerien an Spree und Rhein das klassische Spielfeld der etablierten Energiekonzerne. Nun weht auch dort ein frischer Wind.

(Redaktion)


 


 

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