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Satellitenbauer OHB System

Große Freude in Bremen über "Galileo"- Großauftrag der EU

Lange galten die Bremer als Außenseiter im Rennen um das europäische Satellitensystem "Galileo". Am Ende setzte sich das mittelständische Unternehmen OHB System AG selbst gegen Größen wie EADS durch. Positiver Nebeneffekt: Die EU-Kommission verschaffte den selbstbewussten Bremern den größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte.

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Verkehrskommissar Antonio Tajani, hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass das Konsortium aus OHB-System AG und Surrey Satellite Technology Ltd . (SSTL) 14 Satelliten für das Satelliten-Navigationssystem Galileo bauen wird.Dies sei "ein toller Auftrag für das neue Jahr", erklärt OHB-Vorstand Marco R. Fuchs.

Renomee durch "SAR Lupe"

Renomee hatten sich die Spezialisten für "Orbitale Hochtechnologie" (daraus leitet sich der Firmenname OHB ab) bereits zuvor bei Satellitenprogrammen wie der "SAR Lupe" für die Bundeswehr verschafft. Als damals Größen wie EADS bei den Militärs ein Budget von rund 2,5 Milliarden Euro veranschlagten, schlug die Stunde der Bremer, die das Angebot des Großkonzerns mehrfach unterboten und selbst mit den folgenden Kostensteigerungen bei dem mit vielen Herausforderungen behafteten Projekt noch deutlich unter den Mitbewerbern blieben. Fuchs begründet dies damit, dass man als Spezialunternehmen nicht noch weitere Unternehmensteile mitfinanzieren müsse.

Alle "SAR-Lupe"-Satelliten drehen heute zuverlässig ihre Bahnen im Orbit. Dort dürfte gerade auch die Stimmung der Bremer sein, die das Nachrichtenportal Spiegel Online am Freitag halb spöttisch, halb ehrfürchtig als "Bremer Tüftler" umschrieb. Aber mit Tüftelei hatte in Bremen auch schon einmal die Luftfahrt ihren Anfang genommen. Und so dürften die Gedanken der OHB-Tüftler in einem freudigen Höhenflug um die technische Realisierung der Projekts kreisen.

"Ein starkes Zeichen, dass man uns das zutraut." (OHB-Vorstand Marco R. Fuchs)

EU-Auftrag sorgt bei OHB für längerfristige Auslastung

Die Kompetenz und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Bremer schien auch den Oberen in der "Galileo"-Vergabekommission zu schmecken. "Vierzehn zu null" für OHB, wie es OHB-Mann Fuchs halb-sportlich umschreibt. Genau diese Anzahl von Satelliten umfasst der Galileo-Auftrag für den 1.500 Mitarbeiter zählenden mittelständischen Betrieb aus der Hansestadt. "Ein starkes Zeichen, dass man uns das zutraut", freut er sich über die Bestätigung der bisherigen Leistungen. Das nun bekannt gewordene Budget von 566 Mio. Euro, gebe jenen Mitarbeitern, die bisher mit dem Programm "SAR Lupe" befasst waren, zudem eine neue Perspektive und laste die Satellitenproduktion des Bremer Unternehmens längerfristig aus.

Galileo-Satelliten: Baubeginn Ende 2012

In der Ausschreibung hatte hatte die EU zuvor Angebote für jeweils 8, 14 und 22 Satelliten von den Raumfahrtanbietern angefordert. Die Entscheidung vom Donnerstag brachte denn auch ein wenig Licht in die Galileo-Beschaffungspolitik. Insgesamt sollen für das System bis zu 32 Satelliten beschafft werden. Das Gesamtbudget alleine für die Satelliten beträgt nach Angaben von Fuchs 840 Mio. Euro. Vier weitere Aufträge für den Bau von Himmelskörpern waren bereits zuvor an EADS-Astrium vergeben worden. Sie haben in dem künftigen Satelliten-Netzwerk im Weltall besondere Aufgaben als "Vermittlungsstellen". Die OHB-Satelliten sollen ab Ende 2012 gebaut und im Jahr 2014 abgeliefert werden. Hergestellt werden sie alle in Bremen.

Bremer wollen profitabel bauen

Alle kommenden Aufträge werden nach EU-Angaben künftig im Wettbewerb der Anbieter EADS-Astrium und OHB System vergeben. OHB soll beim jetzt vergebenen Auftrag 100 Mio Euro unter dem Angebot des EADS-Tochterunternehmens Astrium gelegen haben. Die Satelliten werden für einen Festpreis gebaut - profitabel wie man bei OHB betont. Vorstand Marco R. Fuchs hegt keine Bedenken, dass es zu wesentlichen Kostensteigerungen kommen könnte, da die Technik - anders als beispielsweise bei der "SAR-Lupe" - bereits vorhanden und bekannt sei. Als Mittelständler verwette man auch "nicht Haus und Hof für einen solchen Vertrag ", erklärte er am Donnerstag. Der Vertrag ist allerdings trotz aller Freude noch nicht unterschrieben. Dieser Akt wird in vierzehn Tagen folgen. Verhandelt seien die Details aber bereits, betont man bei OHB.

Weitere Aufträge nicht ausgeschlossen

OHB-Vorstand Fuchs beschreibt angesichts der guten Nachrichten aus Brüssel auch die Stimmung im Unternehmen als "sehr gut". Erste Kick-Off-Gespräche hätten hausintern bereits stattgefunden. Derweil stieg die Aktie der OHB AG auf 13,73 Euro. Zum Jahresanfang 2009 hatte sie noch bei 8,50 Euro gelegen und zuletzt bei 11,20 Euro. Mit Spannung schaut man nun in Bremen auf die Vergabeentscheidung für die restlichen Satelliten. Im Rennen sind nun nur noch OHB und Astrium. Auch aus diesem Paket erhoffen sich die Bremer noch Aufträge und sehen sich durch den Entwicklungsvorteil der ersten 14 Satelliten gut für den Wettbewerb gerüstet.

Aktualisiert: 9.1.2010

(Onur Yamac)


 


 

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