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Internationaler Tag der Pressefreiheit

Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar

Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit, hat die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) gestern in Berlin protestiert. ROG hat hierzu am in Sichtweite des Reichstagsgebäudes gesichtslose, menschengroße Figuren aufgebaut, deren Körper nur von Kleidern angedeutet wurden. Menschen in Notsituationen, von deren Schicksalen in der Öffentlichkeit niemand Notiz nimmt, weil sie "Leerstellen" in der Berichterstattung sind. „Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar“ heißt demensprechend das aktuelle Kampagnenmotto der Organisation.

Menschen in Notsituationen, die kein Gesicht mehr haben - wehr- und namenlose Opfer. "Korruption, Amtsmissbrauch, religiöse, ethnische oder sexuelle Verfolgung von Menschen - viele Verbrechen bleiben im Dunkeln, wenn niemand den Opfern ein Gesicht und eine Stimme gibt. In Ländern wie Mexiko, Russland, Pakistan oder Italien setzen Reporter ihr Leben aufs Spiel, wenn sie Missstände öffentlich machen", so ROG-Geschäftsführerin Elke Schäfter. "Wir fordern zum Internationalen Tag der Pressefreiheit einen besseren Schutz von Medien und ihren Mitarbeiter/innen. Auch in Kriegszonen müssen Journalistinnen und Journalisten ungehindert recherchieren können: Reporter haben denselben Status wie Zivilisten, das müssen Armeen und bewaffnete Gruppen respektieren", erklärt Schäfter weiter. 

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Liste der "Feinde der Pressefreiheit"

Auf einer neuen am 3. Mai veröffentlichten Liste der "Feinde der Pressefreiheit" benennt ROG nach eigenen Angaben die 40 repressivsten Akteure und Institutionen. Darunter sind nicht nur Regierungen, sondern auch paramilitärische und terroristische Gruppen, Rebellen und kriminelle Netzwerke. Ein Beispiel ist Mexiko mit großen Drogenkartellen in Tijuana, Sinaloa, Ciudad Juárez und der Golf-Region: Die Hälfte der mindestens 46 seit dem Jahr 2000 in Mexiko ermordeten Journalistinnen und Journalisten haben zum Thema Drogenhandel und den dahinter stehenden kriminellen Netzwerken recherchiert.

Italien: auch europäisches Land findet sich auf der ROG-Liste

Auch in Italien geraten Medienmitarbeiter in die Schusslinie, wenn sie über mafiöse Gruppen berichten. Das Land rangiert deswegen neu auf der "Liste der Feinde der Pressefreiheit". Zehn Journalistinnen und Journalisten stehen derzeit unter Polizeischutz. Das Ausmaß und die Folgen von Menschenrechtsverstößen wie in Sri Lanka, Afghanistan, Irak oder Somalia sind oft schwer auszumachen, weil unabhängige Berichterstatter/innen keinen Zutritt zu den Regionen haben. "Ganze Landstriche sind 'blinde Flecken der Informationen': Wir können die Lebenssituation der Menschen nur erahnen", so Michael Rediske, Vorstandssprecher von ROG. "Besonders dramatisch ist die Situation derzeit in den pakistanischen Stammesgebieten und der Provinz Belutschistan an der Grenze zu Afghanistan. Mit vier getöteten Journalisten im Jahr 2009 ist Pakistan derzeit das gefährlichste Land für Medienmitarbeiter", erklärt Rediske.

Irak: mehr Medienmitarbeiter getötet als in 20 Jahren Vietnam-Krieg

In Konfliktregionen werde es für Journalistinnen und Journalisten immer schwieriger zu berichten. Informationskontrolle sei zu einem strategischen Ziel vieler Armeen und bewaffneter Gruppen geworden, so Rediske weiter. Zudem gerieten Medienmitarbeiter schneller in die Schusslinie. Im Irak sind beispielsweise in sechs Jahren, von 2003 bis 2009, zweimal mehr Medienmitarbeiter getötet worden (225) als in 20 Jahren Vietnam-Krieg von 1955 bis 1975 (102). Politik und Gesellschaft müssten sich daher gleichermaßen für das hohe Gut der Pressefreiheit einsetzen, so Rediskes Forderung. 

(Redaktion)


 


 

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