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Oldenburg

Bauern haben ein sehr schlechtes Wirtschaftsjahr hinter sich

Landwirtschaftskammer legt Unternehmensergebnisse 2014/2015 vor


Die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe für das Wirtschaftsjahr 2014/2015 sind erschreckend. Für alle Betriebstypen wurde ein dickes Minus ermittelt. Haupterwerbsbetriebe erzielten im Durchschnitt ein Unternehmensergebnis von 43.700 Euro. Damit liegen die im Testbetriebsnetz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ermittelten Zahlen um 45 Prozent unter Vorjahresniveau.

„Die Werte sind ein bitterer Rückschlag nach drei guten Jahren“, kommentierte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Zahlen. Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Kammerversammlung, die heute (19. November) in Oldenburg stattfand, stellte er fest: „Die derzeitigen Verhältnisse sind für viele Betriebe existenzgefährdend!“

Was derzeit auf den Agrarmärkten passiere, sei an Dramatik kaum zu überbieten. Alle Erzeugerpreise seien gesunken, zum Teil um bis zu 30 Prozent unter das Vorjahresniveau. „Wir haben Eigenkapitalverluste von mehr als 10.000 Euro je Betrieb zu beklagen“, so Schwetje weiter. Von dem Erwirtschafteten seien neben den Privatentnahmen auch Investitionen, Steuern und die Altersvorsorge zu bezahlen. Die Konsequenz schilderte Schwetje so: „Rote Zahlen sind auf vielen Betriebskonten bittere Realität.“

„Den landwirtschaftlichen Betrieben bleibt kein Spielraum für unternehmerisches Handeln“, folgerte der Kammerpräsident. Lediglich das obere Viertel der „erfolgreichen Betriebe“ konnte sowohl eine Kapitalverzinsung als auch einen angemessenen Arbeitsentlohn erwirtschaften.

Für das kommende Wirtschaftsjahr sieht Schwetje „keine grundsätzliche Erholung der Märkte“. Er geht davon aus, dass das begonnene Wirtschaftsjahr 2015/16 ähnlich kritisch werden wird wie das zurückliegende.

Die Stimmung auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben bezeichnete Schwetje als „miserabel“. Das läge nicht nur an den schlechten Zahlen für das abgelaufene und der düsteren Prognose für das laufende Wirtschaftsjahr. Auch angesichts des gesellschaftlichen und politischen Druckes, der auf der Landwirtschaft laste, „denken immer mehr Betriebsleiter ans Aufhören“. Und viele der jungen Generation wendeten sich anderen Wirtschaftsbereichen und Berufsfeldern zu.

Die Unternehmensergebnisse im Einzelnen:

Für die Marktfruchtbetriebe stand das vergangene Wirtschaftsjahr unter dem Motto „Erträge gut, Erlöse ernüchternd“. Die Preise verhagelten die Ernte 2014 komplett. Mit einem Defizit von „nur“ 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sind die Ackerbauern als einzige Betriebsgruppe noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Je Betrieb sank das Unternehmensergebnis im Durchschnitt auf nunmehr 71.600 Euro (- 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Die Futterbaubetriebe hat es sehr viel härter getroffen. Den Höchstpreisen für Milchprodukte im Wirtschaftsjahr 2013/14 folgte der freie Fall im vergangenen Milchwirtschaftsjahr. Das Russland-Embargo und die Discounter setzten die Milchpreise mächtig unter Druck. Um sieben Cent brach der Milchpreis ein auf 32 Cent je Kilogramm. Mit entsprechenden Folgen für das Unternehmensergebnis: Das Minus gegenüber dem Vorjahr betrug mehr als 60 Prozent! Mit 33.200 Euro je Betrieb fielen die Milchbauern weit unter das fünfjährige Mittel.

In der Veredlung fielen die Preise für Schweinefleisch und Ferkel weit unter das Vorjahresniveau. Die Umsätze brachen im zweistelligen Prozentbereich ein. Auch die gesunkenen Ausgaben für Futtermittel halfen nicht, um das Unternehmensergebnis erträglich zu gestalten. Mit 39.200 Euro liegen die Veredlungsbetriebe knapp 40 Prozent unter dem Vorjahr.

Auch die Verbundbetriebe (Gemischtbetriebe) mussten im Vergleich zum Vorjahr deutliche Einbußen hinnehmen. Ihr Ergebnis ist auf ein Niveau von 37.700 Euro gefallen, ein Minus von fast 44 Prozent.

Datengrundlage der veröffentlichten Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 950 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz). Deren Jahresabschlüsse wertet die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung aus.

(Redaktion)


 


 

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