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Oldenburg

LzO stellt „Diagnose Mittelstand 2015“ vor

Klassischer Bankkredit bleibt zentrales Instrument der Unternehmensfinanzierung

Bereits zum vierten Mal lud die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) zum LzO InfoTreff „Dialog Mittelstand“ ein. Harald Tölle, stv. Vorsitzender des Vorstands der LzO, begrüßte ca. 100 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus dem gesamten Oldenburger Land zu der Veranstaltung und stellte die Ergebnisse der aktuellen „Diagnose Mittelstand 2015“ vor, einer Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Außerdem beschäftigte sich die Veranstaltung mit dem Thema „Kreditfinanzierung versus Kapitalmarkt“.

Deutscher Mittelstand hervorragend kapitalisiert – Knoten bei Investitionen noch nicht gelöst

„Der Mittelstand in Deutschland ist für mehr Investitionen und höheres Wachstum gut gerüstet, so Harald Tölle. Die Bilanzdaten der Jahre 2012 und 2013 verdeutlichen, dass die mittelständischen Unternehmen weiter Eigenkapital aufbauen. Mit einer Eigenkapitalquote von im Mittel 22,3 Prozent wird ein neuer Rekordwert erreicht. Die Entwicklung wird deutlich, wenn man sich erinnert, dass die Unternehmen vor 14 Jahren mit einer Quote von unter sieben Prozent auskommen mussten.
Erfreulich ist zudem, dass die gestiegenen Eigenkapitalquoten quer durch alle Größenklassen erkennbar sind, so Tölle. Auch die sogenannten Kleinunternehmen mit einer Umsatzgröße bis zu einer Million Euro verfügen inzwischen mit 17,2 Prozent über ein respektables Eigenkapitalpolster. Die Unternehmen sind in ihrer überwiegenden Zahl in einer robusten Verfassung. Sie können auch konjunkturelle Schwächephasen oder geopolitischen Schocks heute weitaus besser verkraften als noch vor ein paar Jahren. Die hohe Eigenkapitalquote und Liquiditätshaltung spiegeln aber auch die geringe Investitionsneigung der Unternehmen wider. „Hier hat sich der Knoten immer noch nicht gelöst“, resümierte Tölle.

Die Kennziffern zur Ertragslage zeigen 2013 eine weitere Eintrübung, allerdings auf einem immer noch befriedigenden Niveau. Bei aufs Jahr gesehen schwacher Wirtschaftsentwicklung und steigenden Kosten überrascht dies nicht. Die Umsatzrentabilität ist 2013 im deutschen Mittelstand noch einmal gesunken. In der Trendrechnung ergibt sich ein Rückgang auf 6,4 Prozent, nach 7,7 Prozent im Jahr zuvor. Zusammengefasst stellte Tölle fest, dass der Mittelstand gut aufgestellt sei und das Potenzial habe, sich den Widrigkeiten der Zukunft gut gerüstet zu stellen.

Geschäftslage im Wesentlichen unverändert

Das zweite Standbein der Diagnose Mittelstand bildet eine Umfrage unter den Mittelstandsexperten der 416 deutschen Sparkassen aus Oktober 2014. Danach sehen 65,8 Prozent der Sparkassenberater die derzeitige Lage ihrer Firmenkunden im Vergleich zu 2013 unverändert. Das Mittelfeld ist also nach Aussage von Tölle sehr solide aufgestellt. Die überwiegende Einschätzung der Lage als „im Wesentlichen unverändert“ korrespondiert auch mit den gesamtwirtschaftlichen Daten. Auftragseingang und Umsätze in der Industrie waren im dritten Quartal 2014 kaum höher als Ende 2013.

Gute Finanzierungsbedingungen führen nicht zu Investitionsschub

Ein wesentlicher Faktor für nachhaltiges Wachstum ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Derzeit geben nur noch knapp 16 Prozent der Sparkassen - Experten an, dass ihre Kunden mehr Investitionsmittel benötigen. Mit 45,8 Prozent ist die größte Gruppe inzwischen die, deren Kunden weniger Investitionsmittel abgerufen haben. Im Falle von Investitionen wird als vorherrschendes Investitionsmotiv zu über 50 Prozent Ersatz von Anlagen oder Maschinen angegeben, nur noch zu 19,7 Prozent Erweiterung und Expansion. Das ist der niedrigste Wert seit 2010.

Die Broschüre „Diagnose Mittelstand 2015“ ist im Internet unter www.dsgv.de/diagnosemittelstand erhältlich.

Bankkredit bleibt zentrales Instrument der Unternehmensfinanzierung

„Die Diagnose Mittelstand bestärkt uns in dem Eindruck, dass die Kreditfinanzierung dass zentrale Element der Unternehmensfinanzierung ist und auch bleiben wird“, ist Harald Tölle überzeugt. Lediglich 6,1 % der Experten sehen eine leichte Verschiebung zum Kapitalmarkt. Die Sparkassen bleiben auch weiterhin der Partner des Mittelstands - und das auch in Krisenzeiten. „Das Zusammenspiel von regional verwurzelten Kreditinstituten und dem deutschen Mittelstand ist auch für die Zukunft stabil", ist sich Tölle sicher. Emissionen seien unter anderem aufgrund der Publizitätspflichten eher interessant für Unternehmen mit einem Umsatzvolumen über 50 Mio. Euro, um die Finanzstruktur zu diversifizieren und den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Kapitalmarktfinanzierung oder klassische Kredit-Finanzierung?

Ulrich Barnickel vom Beratungsunternehmen Ipontix Equity Consultans informierte über Voraussetzungen für Mittelstands-Unternehmen und die geeignete Vorgehensweise zur Erlangung der Kapitalmarktreife. Nach seinen Worten schließen sich eine Kapitalmarktfinanzierung und die klassische Bankfinanzierung nicht aus, passen aber nicht für jedes Unternehmen. Er riet dazu, den Zeitplan für den Gang an die Börse nicht zu unterschätzen und in jedem Fall eine professionelle Beratung durch Experten für den Börsengang zu nutzen.

Abschließend diskutierten in einer von Uwe Haring (Geschäftsführer eco-Park Cloppenburg) moderierten Podiumsdiskussion Harald Tölle, Ulrich Barnickel, Björn Schaeper (Geschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer) und Jörg Fischer (EnviTec Biogas AG) über die Erfahrungen der EnviTec AG bei ihren Kapitalmarktfinanzierungen und Themen wie Auswirkungen der geplanten Kapitalmarktunion, Finanzierungsformen und die Finanzierungsmentalität von Unternehmen.

(Redaktion)


 


 

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