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Oldenburg

Mutig, kreativ und flexibel: So muss der Landwirt von Morgen sein

17. Unternehmertag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg setzt Impulse

Schwierige Jahre und veränderte politische Rahmenbedingungen bringen die Landwirte in Niedersachsen dazu, nach neuen Wegen für eine familiäre und betriebliche Zukunft zu suchen. „Die niedersächsische Landwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, der sich zugleich seiner Tradition bewusst ist und die besten Voraussetzungen hat, um die Herausforderungen tatkräftig anzugehen“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, am Donnerstag (20. Oktober) vor rund 1.000 Gästen auf dem 17. Unternehmertag der Kammer in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen. Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten – und sie sind klärende Zeiten. Daher wurde auf dem Unternehmertag die Zukunft der Landwirtschaft in Niedersachsen aus Sicht der Politik, der Wissenschaft und der Praxis diskutiert.

Die vergangenen Jahre waren aus Schwetjes Sicht eine harte Prüfung für die Branche: „Das allgemein sehr niedrige Niveau der tierischen und pflanzlichen Erzeugerpreise, der weiter zunehmende Druck aus der Gesellschaft und die immensen rechtlichen Anforderungen“, zählte der Kammerpräsident einige der Probleme auf. Dazu komme die paradoxe Situation auf dem Lebensmittelmarkt: „So billig wie nur möglich sollen Lebensmittel sein, und das in Verbindung mit allerhöchsten Qualitätsansprüchen.“ In den landwirtschaftlichen Betrieben gehöre daher auch das Streben nach Kostenführerschaft bei Standardprodukten auf den Prüfstand. Dies erfordere eine engere Abstimmung und Organisation innerhalb einer Wertschöpfungskette.

„Die bäuerlichen Unternehmer investieren auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – Stillstand ist für die Tierhalter ein Fremdwort“, betonte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, in seiner Rede. Die Tierhaltung bleibe auch in Zukunft ein unverzichtbarer Bestandteil der Landwirtschaft. „Sie ist nicht nur wirtschaftliches Rückgrat, sondern erfordert auch besonderes Verantwortungsbewusstsein“, hob der DBV-Präsident hervor. Die Bauernfamilien seien sich dieser Verantwortung bewusst und hätten daher ihre Haltungen ständig in Richtung noch tierartgerechterer Systeme weiterentwickelt. „So dominierten heute in der Milchviehhaltung Lauf- und Offenställe.“ Dank der Möglichkeiten der Digitalisierung würden die Haltungsbedingungen und das Wohlbefinden der Nutztiere spürbar und dauerhaft verbessert, sagte Rukwied.

Die niedersächsischen Bauern und ihre effiziente Arbeitsweise würden angesichts der wachsenden Weltbevölkerung dringend gebraucht, gab Prof. Dr. Dr. h. c. Harald von Witzke den Gästen des Unternehmertags mit auf den Weg: 90 Prozent des künftigen Bedarfs an Nahrungsgütern müssten durch Ertragssteigerung auf den vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen erreicht werden, sagte der Leiter des Fachgebiets Internationaler Agrarhandel und Entwicklung an der Berliner Humboldt-Universität. „Dies wird nur durch eine moderne, hochproduktive und innovative Landwirtschaft möglich sein.“ Eine Verlagerung der Produktion in Länder mit weniger Regulierungen und geringerer Produktivität bringe den Verlust natürlicher Lebensräume und einen höheren Ausstoß des Treibhausgases CO2 mit sich.

Derzeit geben zwar eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebe auf – doch zugleich stehen gut ausgebildete Jungbäuerinnen und Jungbauern für eine Karriere in der Landwirtschaft in den Startlöchern. „Wir werden mehr denn je gefordert sein, Initiative zu zeigen und Wagnisse einzugehen, flexibel zu reagieren und kreative Lösungen für neue Herausforderungen zu finden“, schilderte die künftige Milchviehhalterin Taalkea Bremer aus Schiffdorf-Wehdel (Kreis Cuxhaven) ihre Ausgangslage. Es komme darauf an, bestens ausgebildet zu sein und herauszufinden, wie es möglich sei, einen Betrieb bei den sich ständig ändernden politischen Rahmenbedingungen und länger andauernden Preiskrisen effizient und wirtschaftlich zu managen, ergänzte Thies Winkelmann. Der 27-Jährige übernahm vergangenes Jahr in Cuxhaven den großelterlichen Betrieb und will in die Schweinemast investieren. Winkelmanns Credo: „Seine Stärken kennen, ausbauen und verfestigen, um die Chancen zu nutzen, die einem geboten werden.“ Dabei helfe ihm die kollegiale Beratung im Arbeitskreis Unternehmensführung der LWK Niedersachsen als Vernetzung mit den Besten in der Branche sehr.

Die Impulse und Ideen des Unternehmertags sollten Landwirten, die unschlüssig seien, wie es weitergehen solle, Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen, bekräftigte Kammerpräsident Schwetje. Neueinsteiger sollten sich durch Nachwuchs-Unternehmer wie Frau Bremer und Herr Winkelmann in ihrer Entscheidung bestärkt fühlen. „Denn das Thema Zukunft der Landwirtschaft wird in den kommenden Jahrzehnten für die Ernährung der Weltbevölkerung eine ganz besondere Bedeutung haben.“

Veranstalter des 17. Unternehmertags waren die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems und der Niedersächsische Landvolkverband.

(Redaktion)


 


 

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