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Oldenburger Schlossgespräche

Musik liegt in der Luft... mit Maybrit Illner

Bei den vor wenigen Tagen im Oldenburger Schloss stattfindenden Schlossgesprächen lag diesmal Musik in der Luft. Gemeinsam mit TV-Talkmasterin Maybrit Illner diskutierten vier ausgewiesene Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen unter dem Titel "Macht Musik den Menschen?" über die vielfältigen Facetten des ungewöhnlichen Themas. Doch das stellte sich als recht ergiebig heraus.

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Reto Weiler, den Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs Delmenhorst, legte Illner mit der Dirigentin und stv. Generalmusikdirektorin der Hamburgischen Staatsoper,  Karen Kamensek; Prof. Hörforscher Dr. Birger Kollmeier von der Universität Oldenburg; Neurologie-Professor Prof. Dr. Gottfried Schlaug von der Harvard Medical School und Kulturforscherin Prof. Dr. Melanie Unseld von der Uni Oldenburg los.

Illner: Selten ist vom Ohrenzeugen die Rede

Während Kollmeier nach Illners einleitenden Nietzsche-Zitat "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrum" die Bedeutung des Hörens hervor hob und unterstrich, dass blinde Kinder sich normal entwickelten, aber Taubheit zu einer gewissen Verdummung von Heranwachsenden führe, lenkte die Talkmasterin die Aufmerksamkeit darauf, dass im allgemeinen Sprachgebrauch meist vom Augenzeugen die Rede sei, kaum jedoch vom Ohrenzeugen. Das Hören werde daher womöglich im Allgemeinen unterschätzt. Kollmeier betonte, dassletztlich erst der Kontakt und  Austausch den Menschen zum Menschen forme.

Auf die Frage, wie Musik entstehe, führte Kollmeier aus, dass eine periodische Schwingung Luftmoleküle in eine Welle versetze, diese Schallwellen würden dann das Innenohr erreichen und dort von vohandener Flüssigkeit in Geräusche umgewandelt. Für zustimmendes Gelächter sorgte die Feststellung des Oldenburger Hörforschers, dass der Durchschnittsdeutsche mit einer Frequenz von 4 bis 6 Hertz spreche, manche in Ostfriesland hingegen etwas langsamer. Er stellte interessanter Weise heraus, dass das menschliche Gehör es vermag, ein Gewirr verschiedener Frequenzen der Umgebung nach ihrer Wichtigkeit  zu ordnen. Ein geradezu fantastischer Mechanismus.

"Wo man schön singt, da lasse dich nieder, weil böse Menschen haben keine Lieder." (TV-Talkerin Maybrit Illner)

Während Illner dann die Vorzüge der Musik erläuterte, beginnend bei regen Hormonausschüttungen, vergleichbar dem Genuss von Schokolade oder dSex, leitete sie schließlichazu  über, dass Musik auch eine Art sozialer Klebstoff sei. Schließlich, so führte Illner weiter aus, gebe es auch den schönen Ausspruch: "Wo man schön singt, da lasse dich nieder, weil böse Menschen haben keine Lieder". Dem widersprach wiederum vehement Unseld, die auf die deutsche Geschichte verwies und deutlich machte, dass Musik auch sehr stark kulturell geprägt sei. Manipulation - siehe 3. Reich -  inklusive. Auch bei Kindern werde Musik schließlich meist zum Einschlafen gespielt und im Irkakkrieg habe man den Soldaten aggresionsteigernde Musik in Form von "Heavy Metal" mit in den Kampfeinsatz gegeben. In Hamburg beschalle man am Hauptbahnhof zudem seit Jahren die Obdachlosen mit klassischer Musik. Diese könnten sich damit nicht identifizieren, so Unseld weiter, und suchten dann schlichtweg das Weite.

Kamensek: Dirigenten brauchen Perfektionismus

Wenig später lenkte die Talkmasterin den Gesprächsverlauf schließlich auf das Thema Gender und Musik - schließlich gebe es nur wenige Trompeterinnen, dafür in der Musik aber umso mehr Geigenspielerinnen. Darauf ging wiederum Karen Kmensek am Beispiel der Dirigenten ein. Sie stellte heraus, dass beispielsweise ein Dirigentenposten nur schwer mit einem Familienleben vereinbar sei, da man 300 Tage im Jahr auf Reise sei. Der Beruf haben damit kaum Attraktivität für Frauen. Sie selbst hat sich gegen eine Familie entschieden. Kamensek selbst sieht dies aber nicht als Nachteil für Frauen. Bei der Oldenburger Gesprächsrunde hob sie hervor, dass ein guter Dirigent immer auch einen ausgeprägten Perfektionismus mitbringen müsse. Da es so wenige gute Dirigenten gebe, komme es letztlich darauf an, ob man die Entbehrungen auf sich nehmen wolle. Kamensek ging dabei auch auf ihre eigene Klavierlehrerin ein, die mit ihr bereits im Alter von 10 Jahren hart ins Gericht ging und absolute Disziplin verlangte. Illners Folge-Frage, warum die Asiaten so gut seien in der Musik, konterte Kamensek in der Folge auch lapidar: "Die Lehrer sind da alle so."

"Die Musik ist eine Hure, sie geht mit jedem Text." Mit diesem  Ausspruch von Philosoph Ernst Bloch schloss Illner die Talkrunde im Oldenburger Schloss. Zwar lag zu diesem Zeitpunkt nicht nur manche für das Publikum neue Erkenntnis, sondern auch Musik in der Luft, in seinem Schlusswort verzichtete EWE-Vorstandsschef Werner Brinker trotz des letztlich doch sehr ergiebigen Themas dennoch auf zu laute Töne oder gar einen Gaskunden-Blues. Er freute sich vielmehr auf die Schlossgespräche im kommenden Jahr. Mit einem großen Blumenstrauß sicherte er sich wenig später auch Maybrit Illners Wohlwollen. Dass die attraktive Talkmasterin auch beim nächsten Mal wieder dabei sein wird, war nicht nur Musik in seinen Ohren.

(Onur Yamac)


 


 

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