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  • 23.11.2010, 09:48 Uhr
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  • Frankfurt (Main)/Osnabrück
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Osnabrück

Übernahme der Karmann-Dachsparte durch Valmet perfekt

Der endgültige Kaufvertrag der Karmann-Dachsparte ist am Sonntag zwischen Insolvenzverwalter Ottmar Hermann und dem finnischen Automobilzulieferunternehmen Valmet Automotive unterschrieben worden. Nach Erfüllung aller Bedingungen des Kaufvertrages und der Zustimmung des Bundeskartellamtes ist der Kaufvertrag zwischen Valmet Automotive und Karmann über den Verkauf der europäischen Dachsparte somit wirksam geworden. Nachträglcihe Forderungen der Alt-Eigentümer von Karmann hätten der Übernahme noch einen Strich durch die Rechnung machen können.

Zuerst wurde die Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung am Montag über das positive Ergebnis informiert. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann und der Vorsitzende der Geschäftsführung von Valmet Automotive, Ilpo Korhonen
teilten das Ergebnis im Rahmen einer am Montag stattfindenden Betriebsversammlung persönlich den Mitarbeitern in Osnabrück mit.

Insolvenzverwalter froh über Lösung

„Ich freue mich für Karmann und die Beschäftigten, dass es durch diese letzte verbliebene Übernahme gelungen ist, alle weltweiten Standorte der Dachsparte an verschiedene Investoren zu verkaufen“, sagte Hermann. Der japanische Standort ging an Magna, die Werke in Mexiko und Nordamerika wurden an Webasto/Edscha verkauft und die europäische Dachsparte mit ihren beiden Werken in Osnabrück und dem polnischen Zary sind ab heute an den Investor Valmet Automotive übertragen worden. Durch die Übernahme bleiben alle Arbeitsplätze im Werk Osnabrück (350 Mitarbeiter) und am polnischen Standort Zary (396 Mitarbeiter) erhalten. Für den Standort osnabrück hat die Gewerkschaft IG Metall einen mehrjährigen Sondertarifvertrag ausgehandelt (business-on.de berichtete).

„Mit der heutigen Übernahme an Valmet Automotive haben wir eine gute Lösung gefunden, mit der die Automobilhersteller als Kunden zufrieden sein können und die auch den Vorstellungen des Kartellamtes entspricht“, sagt Hermann. Der Insolvenzverwalter dankt insbesondere auch der niedersächsischen Landesregierung für die Unterstützung, allen voran Ministerpräsident David McAllister (CDU)sowie seinem Vorgänger Christian Wulff, der inzwischen zum Bundespräsident geworden ist.

Ilpo Korhonen, der Vorstandsvorsitzende des finnischen Automobilherstellers Valmet Automotive Inc. erhielt am Montag nach der Betriebsversammlung in Osnabrück durch einen symbolischen Akt den Schlüssel für die Dachsparte.

Nachforderungen verzögerten Vertragsunterzeichnung

Das Bundeskartellamt hatte bereits am 11. November “grünes Licht“ für die Übernahme durch Valmet gegeben. Dennoch zog sich die abschließende Vertragsunterzeichnung noch über eine Woche hin. Dies lag nach Gewerkschaftsangaben daran, dass das Grundstück und das Gebäude der Dachsparte sich im Besitz eines Unternehmens der ehemaligen Karmann-Gruppe befindet, welches nicht insolvenz angemeldet hat. Auch bereits während der Verhandlungen mit Volkswagen hatte es mit dem Unternehmen schwere Differenzen über den Kaufpreis von Grundstücken und Anlagen des insolventen Autobauers Karmann gegeben. Gesellschafter des Unternehmens sind die ehemaligen Karmann-Eigentümerfamilien Boll, Battenfeld und Karmann.

Über einen Rechtsanwalt in Frankfurt am Main hatte das Unternehmen mitteilen lassen, dass der bereits unterschriftsreif verhandelte Mietvertrag mit Valmet nur unterzeichnet würde, wenn der Insolvenzverwalter auf Ansprüche aus dem vom Insolvenzverfahren der Karmann Rheine GmbH & Co KG gegenüber den Alt-Gesellschaftern verzichten würde. Der Standort Rheine war vom Insolvenzverwalter bereits Ende 2009 geschlossen worden.  “Diese Nachricht schlug bei uns wie eine Bombe ein“, so Hartmut Riemann von der IG Metall in Osnabrück. Er kritisiert das Vorgehen als interessengelenkten Stör-Versuch. Voller Lobes ist der Gewerkschafter zugleich für Insolvenzverwalter Hermann, der die Forderungen durch kluges Vorgehen und mit Verhandlungsgeschick letztlich erfolgreich abgewehrt habe. 

Hermann hielt bis zuletzt durch

Auch die Gewerkschaft hat am Erfolg mitgewirkt: Die Karmann-Beschäftigten verzichten im Zuge eines Sondertarifvertrags auf 14 Prozent ihres Einkommens (business-on.de berichtete) - der Job ist zugleich über mehrere Jahre sicher. Trotz mancher Zugeständnisse und vieler Karmänner, die ihren Job verloren haben, ist nach diesem erfolgreichen Ergebnis Weihnachten bei vielen Karmann-Mitarbeitern in Osnabrück und nicht zuletzt bei Insolvenzverwalter Hermann gerettet. Er hielt bis zuletzt durch.

(Redaktion)


 


 

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